Kameruns Löwen zerfleischen sich selbst

SID
Freitag, 18.06.2010 | 13:11 Uhr
Samuel Eto'o kritisierte nach dem 0:1 gegen Japan den Trainer
© Getty
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Star Samuel Eto'o "schießt" gegen den Coach, der Verbandschef vermisst Herz, und keiner will mehr mit den "Deutschen" zusammenspielen: Vor dem Schlüsselspiel gegen Dänemark bei der WM am Samstag in Pretoria (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) zerfleischen sich die "unzähmbaren Löwen" aus Kamerun selbst. Die Dänen suchen einen "Maulwurf" und einen halbwegs gesunden Stürmer, doch angesichts der Schwierigkeiten der Westfafrikaner sind das Luxusprobleme.

Rekordschütze Eto'o und Achille Emana rebellieren offen gegen Coach Paul Le Guen. Eto'o ist sauer, weil er beim 0:1 gegen Japan auf dem Flügel spielte, Emana hat wie die anderen Routiniers keine Lust mehr, mit Eric-Maxim Choupo-Moting und Joel Matip zu spielen.

"Es ist äußerst unglücklich, dass so viele neue, junge Spieler zuungunsten der erfahrenen Spieler spielen. Die Jungen sind dem bei einer WM herrschenden Druck nicht gewachsen", sagte Emana über die beiden 21 sowie 18 Jahre alten Bundesliga-Profis: "Deshalb haben wir den Coach gebeten, seine Startelf zu überdenken." Emana wurde gegen Japan eingewechselt, durfte aber "nicht auf der richtigen Position" spielen, wie er sich beklagte.

"Rivalitäten sind normal"

Aus demselben Grund griff Eto'o seinen Chef an. "Nach der WM muss sich Paul Le Guen beim Verband rechtfertigen - genau wie ich als Spielführer. Ich habe da gespielt, wo er mich haben wollte und alles gegeben. Aber ich bin der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte Kameruns geworden, weil ich zentral gespielt habe", sagte er. Bei Inter Mailand spielte Eto'o übrigens zuletzt ebenfalls rechts.

Verbandschef Mohammed Iya mühte sich derweil, die Kluft im Team zwischen Alt und Jung herunterzuspielen. "Rivalitäten sind normal. In einer guten Mannschaft müssen sich nicht alle lieben", sagte er, ehe er doch noch zum Schlag auf die um ihre Prämien feilschenden Spieler ausholte: "Bei der WM geht's nicht ums Geld. Es geht darum, mit Herz für sein Land zu spielen. Die Spieler verdienen eh genug."

Iya glaubt nicht mehr ans Achtelfinale

Während Iya den Glauben an den Achtelfinal-Einzug fast schon verloren hat, hofft zumindest Eto'o noch. "Wir dürfen uns aber keine Fehler mehr erlauben", sagte er. Laut dem Kameruner Internetportal "camfoot.com" gibt es nur einen Ausweg: "Einen höllischen Blitzkrieg entfesseln."

Denn auch Dänemark hat große Probleme. Ein Teammitglied hat der Zeitung Ekstra Bladet vor dem 0:2 gegen die Niederlande offenbar die Aufstellung verraten. Trainer Morten Olsen drohte dem "Maulwurf" mit Rauswurf, die Verletzungsprobleme im Sturm machen ihm aber noch mehr Sorgen. Nicklas Bendtner meldete sich zwar "fit für 90 Minuten", die Leistenprobleme des Stars könnten aber jederzeit wieder aufbrechen.

Sturmsorgen bei Dänemark

Kapitän Jon Dahl Tomasson hat Oberschenkelprobleme - Einsatz ungewiss. Mikkel Beckmann hat eine Zehenverletzung und Sören Larsen vom MSV Duisburg ist nach seiner Seuchensaison ohnehin nicht für die Startelf zu gebrauchen - das hat Olsen wiederholt betont.

Angesichts der misslichen Lage in der Offensive soll wenigstens die Abwehr gut stehen. "Wenn ich das Vergnügen haben sollte, gegen Eto'o zu spielen, kann ich damit leben. Wir respektieren ihn, aber wir haben vor ihm keine Angst", sagte Simon Poulsen. Sein Eigentor gegen Oranje sei "längst vergessen", fügte der Außenverteidiger an.

Dänemark-Coach Olsen droht Maulwurf

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