Samstag, 19.06.2010

Gruppe D: Ghana - Australien 1:1

Ghana verpasst den Big Point gegen Australien

Die Gruppe D erwartet am letzten Spieltag ein Herzschlagfinale. Nach dem 1:1 (1:1) zwischen Ghana und Australien haben nach wie vor alle vier Teams Chancen auf das Weiterkommen ins Achtelfinale der WM 2010. Die deutsche Mannschaft muss gegen Ghana gewinnen, um sicher in der Runde der letzten 16 zu landen.

Der Wendepunkt des Spiels: Kewel (r.) sieht nach 25 Minuten Rot wegen absichtlichen Handspiels
© Getty
Der Wendepunkt des Spiels: Kewel (r.) sieht nach 25 Minuten Rot wegen absichtlichen Handspiels
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Vor knapp 30.000 Zuschauern im Royal Bakofeng Stadium zu Rustenburg erzielten Brett Holman (11.) und Asamoah Gyan (27., Elfmeter) die Tore. Während Ghana seine Punktzahl in der Gruppe D auf vier Punkte erhöhte, ergatterte Australien den ersten Zähler.

Die Truppe von Pim Verbeek muss im letzten Gruppenspiel am Mittwoch allerdings aufs Superstar Harry Kewell verzichten, der aufgrund einer Roten Karte schon nach 25 Minuten vom Platz musste. Ghana hätte bei einem Sieg gegen Australien ein Unentschieden am letzten Spieltag gegen Deutschland gereicht, um ins Achtelfinale zu ziehen.

Nun steigt ein echtes Endspiel um das Weiterkommen. Australien dagegen muss auf eine Niederlage der DFB-Elf hoffen und gleichzeitig gegen Serbien gewinnen, um noch Chancen für die nächste Runde zu haben.

Nachbetrachtung:

Im Vorfeld der WM 2010 war Kevin-Prince Boateng fast täglich in den Schlagzeilen, weil er Michael Ballack mit einem Foul im FA-Cup-Finale den WM-Traum zerstörte. Zuletzt wurde es ruhig um den Profi des FC Portsmouth - damit ist es jetzt wieder vorbei.

Im "Finale" um das Weiterkommen in der Gruppe D trifft Boateng mit Ghana auf Deutschland und der ehemalige U-21-Nationalspieler ist nach nur seinem dritten Länderspiel zum Leader Ghanas aufgestiegen. "Kevin Boateng war gegen Australien einer der Besten. Er hatte im Mittelfeld drei oder vier exzellente Aktionen. Kevin hilft unserem Team definitiv weiter", sagt Ghanas Trainer Milovan Rajevac.

Der Ex-Dortmunder hat den schmerzlichen Ausfall von Michael Essien fast vergessen lassen. Boateng schaltet und waltet im Zentrum, überzeugte gegen Serbien mit seiner Defensivarbeit, war gegen Australien dann auch offensiv sehr auffällig. Neun Torschussbeteiligungen gehen auf das Konto Boatengs.

Auf ihn wird die Truppe von Joachim Löw auch am Mittwoch ein Auge haben müssen. Ghana überzeugt nicht nur dank Boateng mit taktischer Disziplin. Dies würde auch gerne Pim Verbeek von seinem Team behaupten - stattdessen flogen in beiden Spielen seine wichtigsten Spieler vom Platz. Am 3. Spieltag muss schon sehr viel für Australien laufen, damit die Socceroos weiterkommen.

Reaktionen:

Ghanas Trainer Milovan Rajevac: "Das Resultat ist gut für uns. Wir haben jetzt vier Punkte und brauchen gegen Deutschland nur noch ein Unentschieden, um ins Achtelfinale zu kommen. Es war ohnehin egal, ob wir gewinnen oder Unentschieden spielen - denn das Spiel gegen Deutschland ist für uns das wichtigste. Wir werden alles geben. Es wird spannend, denn es gibt in dieser Gruppe keinen Favoriten mehr. Selbst Australien hat jetzt wieder eine Chance."

Ghanas Hans Sarpei: "Wir haben einen Punkt mitgenommen. Für uns hat sich nicht geändert. Das wird ein sehr schönes Spiel. Ich bin in Deutschland groß geworden, freue mich sehr auf das Spiel. Wir wissen, dass Deutschland sehr stark ist. Gegen Serbien war es für sie sehr unglücklich."

Australiens Trainer Pim Verbeek: 'Wenn man 1:0 führt und dann eine Stunde zu zehnt spielen muss, muss man hart arbeiten. Das haben wir getan. Jetzt müssen wir das dritte Spiel 3:0 gewinnen. Das wird schwer, aber okay, so ist der Job. Wenn es ein Handspiel war, muss es absichtlich gewesen sein. Jetzt kann ich es eh nicht mehr ändern."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Ghana-Coach Rajevac muss auf beide angeschlagenen Innenverteidiger John Mensah und Vorsah verzichten. Mensah-Bruder Jonathan und Addy rücken in die Startelf. Ansonsten ist es die Mannschaft und das 4-2-3-1 aus dem Serbien-Spiel.

* Noten 1-6 (1 = sehr gut - 6 = ungenügend)

Pim Verbeek stellt gleich vier Mal um: Carney ersetzt Chipperfield hinten links in der Viererkette. Für den gesperrten Cahill rückt Bresciano in die Mannschaft. Garcia macht Platz für Kewell und mit Holman für den verletzten Grella sieht es etwas offensiver aus als zuletzt gegen die DFB-Elf.

11., 0:1, Holman: 25 Meter vor dem Tor führt Bresciano einen Freistoß aus: Kingson lässt den Ball abprallen, Holman ist zur Stelle und nutzt den Abstauber aus halblinker Position zur Führung für Australien!

25.: Platzverweis gegen Kewell! Der Superstars blockt einen Schuss auf der Torlinie mit dem Arm ab! Es gibt Rot für Kewell und Elfmeter für Ghana!

27, 1:1, Gyan: Eiskalt verwandelt Gyan den Strafstoß mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck! Der Ausglech für Ghana!

44.: Boateng holt sich im Mittelfeld den Ball und legt direkt den Vorwärtsgang ein. Im Strafraum zieht er dann ab und Schwarzer lenkt den Flachschuss gerade noch so um den Pfosten. Hätte Ecke geben müssen. Rosetti entscheidet auf Abstoß.

50.: Boateng steckt im Mittelfeld durch auf Gyan, der geht ein paar Schritte und zieht dann aus 18 Metern ab. Schwarzer kann den Ball nicht richtig festhalten und Neilll drischt die Kugel völlig hektisch ins Seitenaus, obwohl weit und breit kein Ghanaer in der Nähe war.

67.: Riesenchance für Australien! Wilkshire mit der hohen Flanke von rechts, Chipperfield kommt völlig frei zum Kopfball, bekommt aber nicht genug Druck dahinter. Das wäre ein Einstand nach Maß gewesen.

72.: Wilkshire ist im Sechzehner völlig frei, Kingson mit einer starken Parade. Der Abpraller landet dann bei Kennedy, der den Ball nicht richtig trifft und so hat Kingson leichtes Spiel.

Fazit: Ghana und Australien trennen sich wohl gerecht remis. Ghana hatte nach der Pause gute Chancen, Australien konterte gefährlich, aber im Abschluss fehlte es auf beiden Seiten.

WM: Ghana - Australien (Gruppe D)
Farblich lagen die Fans von Australien und Ghana durchaus auf einer Wellenlänge
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Farblich lagen die Fans von Australien und Ghana durchaus auf einer Wellenlänge
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Auf dem Platz kümmerte sich aber niemand darum. Kevin Prince Boateng (l.) und Jason Culina schenkten sich nichts
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Auf dem Platz kümmerte sich aber niemand darum. Kevin Prince Boateng (l.) und Jason Culina schenkten sich nichts
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In der elften Minute leistete sich dann Richard Kingson einen folgenschweren Fehler, als er einen Brescianos-Freistoß nicht festhalten konnte
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In der elften Minute leistete sich dann Richard Kingson einen folgenschweren Fehler, als er einen Brescianos-Freistoß nicht festhalten konnte
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Bret Holman reagierte am schnellsten und traf zur 1:0-Führung
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Bret Holman reagierte am schnellsten und traf zur 1:0-Führung
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Doch die Freude der Australier wehrte nicht lange. Harry Kewell rettete einen Mensah-Schuss mit halbwegs angelegtem Arm auf der Linie und sah die Rote Karte
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Doch die Freude der Australier wehrte nicht lange. Harry Kewell rettete einen Mensah-Schuss mit halbwegs angelegtem Arm auf der Linie und sah die Rote Karte
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Da halfen auch alle Umstimmungsversuche der Australier nicht: Der Italiener Roberto Rosetti hatte freie Sicht auf die Szene und sich sofort festgelegt
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Da halfen auch alle Umstimmungsversuche der Australier nicht: Der Italiener Roberto Rosetti hatte freie Sicht auf die Szene und sich sofort festgelegt
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Den fälligen Elfmeter verwandelte Asamoah Gyan (M.) in der 25. Minute und jubelte anschließend gemeinsam mit seinen Mitspielern
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Den fälligen Elfmeter verwandelte Asamoah Gyan (M.) in der 25. Minute und jubelte anschließend gemeinsam mit seinen Mitspielern
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Nach höhepunktreichen 45 Minuten verflachte die Partie in der zweiten Hälfte zusehends. Trotz numerischer Überlegenheit agierte Ghana einfallslos
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Nach höhepunktreichen 45 Minuten verflachte die Partie in der zweiten Hälfte zusehends. Trotz numerischer Überlegenheit agierte Ghana einfallslos
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Die Afrikaner versuchten es fast ausschließlich aus der Distanz und spielten viele hohe Bälle
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Zwei Gelegenheiten im zweiten Durchgang ließ Ghana ungenutzt. Wie gegen Serbien war das Team um Kwadwo Asamoah nur vom Punkt erfolgreich
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Zwei Gelegenheiten im zweiten Durchgang ließ Ghana ungenutzt. Wie gegen Serbien war das Team um Kwadwo Asamoah nur vom Punkt erfolgreich
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Eine Miene als Fazit: Für die kämpfenden Australier und den starken Mark Schwarzer wäre ohne den Platzverweis sicher mehr drin gewesen
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Eine Miene als Fazit: Für die kämpfenden Australier und den starken Mark Schwarzer wäre ohne den Platzverweis sicher mehr drin gewesen
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Der Star des Spiels: Kevin-Prince Boateng (SPOX-Note 2). Der Mittelfeldspieler steigt immer mehr zum Chef Ghanas auf. Der Ex-Dortmunder zeigt sich sehr sicher im Passspiel, fast 90 Prozent seiner Pässe kamen bei den Mitspielern an. Boatengs Handschrift war an fast allen gefährlichen Aktionen der Afrikaner erkennbar. Am Ende waren es insgesamt neun Torschussbeteiligungen.

Auch die SPOX-User haben Boateng zum Man of the Match gewählt: Hier geht es zum Ergebnis!

Die Gurke des Spiels: Richard Kingson (SPOX-Note 5). Da war er wieder - der Patzer des Schlussmanns Ghanas, den man eigentlich in jedem Spiel erwartet. Das 1:0 Australiens durch Holman ging ganz klar auf das Konto des England-Legionärs. Da auch die beiden Vertreter nicht wirklich besser sind, muss Rajevac auf Kingson setzen.

Die Pfeife des Spiels: Roberto Rosetti hatte keine schwere Aufgabe in Rustenburg, da beide Mannschaften sich aufs Fußballspielen konzentrierten. Rosetti ließ das Spiel gut laufen. Die Szene des Spiels war die Rote Karte gegen Kewell. Auch wenn es beim ersten Hinsehen hart aussah, war die Entscheidung vertretbar. Kewells Bewegung war - wenn auch minimal - hin zum Ball.

Analyse: Australiens Formation war gegenüber dem Deutschland-Spiel einen Tick offensiver ausgelegt. Den verletzten Grella ersetzte nicht etwa ein anderer defensiver Mittelfeldspieler, sondern mit Holman ein offensiver. Der 1:0-Schütze sollte der einzigen Spitze Kewell zuarbeiten.

Die Rote Karte für den Galatasaray-Legionär schon nach 25 Minuten änderte bei den Australiern so gut wie nichts. Holman orientierte sich ein paar Meter nach vorne, Bresciano und Emerton fungierten als Supporter von den Außenpositionen.

Die Australier setzten zwar hin und wieder temporeiche Konter, aber zu oft fehlte in der Mitte ein Abnehmer. Erst in der 68. Minute brachte Verbeek mit Kennedy einen zentralen Angreifer. Dass es nach der Hereinnahme Kennedys gefährlich wurde, war kein Zufall.

Ghana zeigte auch im zweiten Spiel der WM taktische Disziplin. Dass Rajevac zwei Innenverteidiger ersetzen musste, fiel kaum ins Gewicht. Addy und Jonathan machten ihre Sache im Zentrum gut.

Nach der Roten Karte Kewells übernahm Ghana die Hoheit im Mittelfeld: Boateng wurde offensiver, aber Ghana versuchte es zu oft durch die Mitte. Tagoe und Ayew waren kaum eingebunden. Folgerichtig musste Tagoe auch nach 60 Minuten schon runter.

Ghana - Australien: Daten zum Spiel

Fatih Demireli / Markus Elser

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