Three Lions bangen ums Weiterkommen

Von Fatih Demireli / Felix Mattis
Freitag, 18.06.2010 | 22:37 Uhr
Verkehrte Welt: Normalerweise läuft Wayne Rooney Algeriens Madjid Bougherra weg
© Getty
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Die englische Nationalmannschaft muss ernsthaft um das Weiterkommen bei der WM 2010 bangen. Das Team von Fabio Capello kam gegen den Underdog aus Algerien nicht über ein 0:0 hinaus und bleibt damit ohne Sieg. Gegen die Nordafrikaner zeigten sich die Engländer abermals einfallslos und weitestgehend harmlos in der Offensive.

Vor 64.100 Zuschauern im ausverkauften Green-Point-Stadion in Kapstadt blieben über 90 Minuten Torchancen Mangelware. England muss nach zwei Unentschieden gegen die USA und nun gegen Algerien um das Weiterkommen in der Gruppe C bangen.

Am letzten Spieltag geht es für die Truppe von Fabio Capello gegen Tabellenführer Slowenien. Fehlen wird Verteidiger Jamie Carragher, der sich die zweite Gelbe Karte abgeholt hat.

Algerien, das ebenfalls noch alle Chancen aufs Weiterkommen hat, trifft am Donnerstag auf die USA.

Nachbetrachtung:

Das 1:1 gegen die USA war kein Ausrutscher. Das hat die Nullnummer der Engländer gegen Algerien gezeigt.  Zwar haben die Three Lions nach dem - zu jenem Zeitpunkt überraschenden - Remis gegen die US-Boys noch lauthals Wiedergutmachung angekündigt, aber auf dem Platz war abermals eine zahnlose Truppe zu sehen.

England ist erschreckend ungefährlich, vor allem weil die Spieler, die es richten sollen, gnadenlos versagen. Frank Lampard und Steven Gerrard spielen in der Premier League über weite Strecken explosiven, atemberaubenden Fußball, aber im englischen Trikot verstecken sie sich bisweilen. Wayne Rooney reibt sich auf, bekämpft sich aber fast schon selbst. Zu allem Überfluss sorgte Rooney nach dem Spiel auch noch für einen Eklat, als er via TV-Kamera auf die eigenen Fans schimpfte.

Algeriens Trainer Rabah Saadane hat aus dem 1:1 der Engländer gegen die USA die richtigen Schlüsse gezogen: Die Dreierkette wurde durch zwei bewegliche Außen verstärkt - die zwei Sechser vor der Abwehr haben England den Rest gegeben und vor ein großes Rätsel gestellt: Wie kommen wir da durch?

Im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien braucht England einen Sieg, um das Achtelfinale zu erreichen. Slowenien dagegen reicht ein Remis und da liegt das Dilemma der Three Lions. England kann das Spiel nicht machen, das Tempo nicht bestimmen und es wäre beinahe schon fahrlässig, wenn Sloweniens Trainer Matjaz Kek seine Truppe gegen England nicht ähnlich wie Bob Bradley und vor allem Saadane einstellt.

Slowenien hat gegenüber Algerien sogar den Vorteil, mit Novakovic und Ljubijankic zwei Angreifer zu haben, die wissen, wo das Tor steht. Fabio Capello dagegen sollte sich mal auf seiner Bank umsehen und nach Spielern wie Joe Cole Ausschau halten, die vielleicht der lahmenden Offensive neue Impulse geben können.

Reaktionen:

Englands Trainer Fabio Capello: "Wir haben immer noch ein Spiel zu bestreiten. Ich hoffe, das wird glücklicher für uns. Ich weiß nicht, ob es der Druck ist oder ob wir nicht in Form sind. Wir haben zu viele Bälle verloren, es ist nicht das gleiche Team, das ich kenne. Ich werde nicht über einzelne Spieler reden. Wenn man nicht gut spielt, hängt das an der ganzen Mannschaft. Ich kann die Taktik ändern, ich werde versuchen, etwas anders zu machen."

Englands Steven Gerrard: "Ich bin nicht glücklich mit der Leistung. Wenn wir in diesem Turneir weiterkommen wollen, müssen wir besser werden. Wir waren nicht gut genug und da gibt es keine Entschuldigungen. Wir wissen, was zutun ist und müssen das letzte Spiel gegen Slowenien gewinnen!"

Algeriens Trainer Rabah Saadane: "Ich habe England besser erwartet, sie hatten nicht ihren besten Tag. Wir haben gezeigt, dass wir an einem guten Tag mit einem der Großen mithalten können. Was uns noch fehlt, ist die Konstanz auf diesem Niveau. In dieser Gruppe ist nach wie vor alles offen. Wir hoffen auf unsere Chance  zum Weiterkommen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: England mit zwei maßgeblichen Änderungen. Für den gegen die USA glücklosen Green steht James im Tor. Der wieder genesene Barry rückt im 4-4-2 für Milner in die Startelf. Damit muss Gerrard wie schon vor der WM auf die linke Seite ausweichen.

Zwei Neue auch im Team von Rabah Saadane: Der Algerien-Coach bringt Torhüter M'Bolhi für Chaouchi, der gegen Slowenien patzte. Zudem rückt Bodebouz für Djebbour ins Team. Algerien mit einer Dreierkette bestehend aus Bougherra, Yahia und Belhadj.

30.: Endlich mal ein Torschuss! Gerrard hält aus 20 Metern drauf. Ein fieser Aufsetzer, aber trotzdem auf den Mann. Kein Problem für M'Bohli.

31.: M'Bohli! England kommt über rechts und die Flanke landet über Umwege zentral 10 Meter vor dem Tor vor den Füßen von Lampard. Der schießt aus der Drehung flach rechts, aber der algerische Keeper taucht ab und hält den Ball sogar fest!

Halbzeit-Fazit: England ohne Ideen, Algerien steht gut und lässt keine Gefahr zu. Die Afrikaner entwickeln aber null Gefahr im Offensivspiel.

55.: 4 gegen 3 für England. Heskey schickt Gerrard rechts in den Strafraum und der hat dann drei Möglichkeiten: Rooney am langen Pfosten, Lampard kurz vor dem Elfmeterpunkt und Heskey an der Strafraumgrenze. Sein Pass ist ein Kompromiss und landet deshalb im Nirgendwo.

70.: Gerrard lässt schön prallen und Heskey startet halbrechts in den Strafraum. Dann will er in die Mitte zu Rooney ablegen, aber der Ball wird abgefälscht - Ecke.

Fazit: England enttäuscht auf der ganzen Linie und macht gegen gut verteidigende Algerier tatsächlich kein Tor. Der Gegner aus Nord-Afrika kann zufrieden sein, war von einem Sieg aber auch meilenweit entfernt.

Der Star des Spiels: Rais M'Bolhi (SPOX-Note 3) rückte nach dem Patzer von Faouzi Chaouchi im Spiel gegen Slowenien ins Tor der Algerier. Dass der 24-Jährige bis zum Aufeinandertreffen gegen die Engländer nur 23 Minuten für Algerien gespielt hatte, fiel nicht auf. M'Bohli strahlte viel Sicherheit aus und fiel durch seine Stärke bei hohen Bällen auf. Kein Wunder, dass Manchester United über eine Einladung zum Probetraining nachdenkt.

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Die Gurke des Spiels: Frank Lampard (SPOX-Note 5). Im Gegensatz zu Steven Gerard durfte der Chelsea-Spielmacher auf einer ihm vertrauen Position spielen, aber Lampard versagte auf ganzer Linie. Obwohl ihm Rückkehrer Gareth Barry den Rücken freihielt, konnte der Chelsea-Star der Partie seinen Stempel nicht aufdrücken, blieb ideenlos, versteckte sich gern und strahlte - von einer Szene abgesehen - keine Torgefahr aus.

Die Pfeife des Spiels: Ravshan Irmatov durfte schon das Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko pfeifen. Wie schon zum Auftakt machte der jüngste Schiedsrichter der WM 2010 seine Sache gut. Der 32-Jährige ließ das Spiel gut laufen, hielt sich angenehm im Hintergrund. Irmatov wird man wohl auch in der entscheidenden Turnierphase wieder sehen.

Analyse: England konnte auch im zweiten WM-Spiel nicht überzeugen. Während die Three Lions gegen die USA zumindest in der Anfangsphase noch ordentlich Tempo machten, war gegen Algerien fast nichts zu sehen.

Heskey und Rooney waren vorne völlig auf sich allein gestellt, weil Lampard, Gerrard und Lennon dahinter nichts Gefährliches zustande brachten. Gerrard, der nach der Hereinnahme von Barry wieder auf links ausweichen musste, wirkte auf der Außenposition verloren.

Dennoch zeigte sich der Liverpooler um einiges bemühter als Lampard, der phasenweise komplett abtauchte und keine Bindung zum Spiel fand. Auch der standesgemäße Außenspieler Aaron Lennon fand kein Durchkommen und zog immer wieder in die Mitte.

Nach der Pause versuchte Capello mit der Hereinnahme von Shaun Wright-Phillips für Lennon für mehr Schwung zu sorgen, hatte aber nur bedingt Erfolg.

Algerien machte seine Sache, zumindest in der Defensive, gut. Bougherra, Yahia und Belhadj bildeten eine Dreierkette, wobei Kadir und Halliche immer wieder hinten aushalfen, so dass sich immer wieder ein Fünfer-Bollwerk bildete.

Einziger Tempomacher bei den Algeriern war Ziani, der in der Offensive alle Freiheiten genoss, aber zwischen den Türmen Carragher, Terry und Barry auch oft auf verlorenem Posten stand.

England - Algerien: Daten zum Spiel

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