Hoffnungslos und eingeschüchtert

SID
Montag, 21.06.2010 | 19:21 Uhr
Sani Keita bestritt 21 Länderspiele für Nigeria
© Getty
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Nigeria glaubt vor dem Duell gegen Südkorea (Di., 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) nicht mehr an ein Erreichen des Achtelfinals. Doch noch viel schlimmer: Sani Kaita wurde nach seiner roten Karte mit Morddrohungen bombadiert.

Morddrohungen gegen Sani Kaita, Angst um die Sicherheit und Wirbel um die Verbandsspitze: Die Vorbereitungen der nigerianischen Fußball-Nationalmannschaft auf das Gruppenfinale gegen Südkorea im Kampf um das WM-Achtelfinale am Dienstag in Durban wurden von außen massiv gestört.

Für Kaita gingen seit seiner Roten Karte im Spiel der Super Eagles gegen Griechenland (1:2) rund 1000 Droh-Emails ein. Der Weltverband FIFA wurde informiert und Nigeria um Vorkehrungen für Kaita bei der Rückkehr gebeten. Zudem sieht sich der von Alhaji Sani Lulu geführte nigerianische Verband NFF Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

Aus diesem Grund bekam die Öffentlichkeit bis Montag von Nigerias derzeit besten Fußballern nichts zu sehen. Nationalcoach Lars Lagerbäck sperrte die Medien vom Training im Quartier 200 Kilometer nördlich von Durban aus. "Das Positive ist, dass wir immer noch die Chance auf die Qualifikation für die zweite Runde haben", sagte Lagerbäck. "Natürlich brauchen wir dazu die Hilfe Argentiniens."

Nigeria verlor 0:1 gegen Maradonas argentinisches Team und 1:2 gegen Griechenland, wobei Kaita mit seiner Unbeherrschtheit gegen Vasileios Torosidis beim Stand von 1:0 für den Olympiasieger von 1996 die Wende einleitete. Bei einem Sieg gegen Südkorea und einer Niederlage von Otto Rehhagels Griechen wäre Nigeria möglicherweise im Achtelfinale.

Nigeria glaubt selbst nicht an ein Weiterkommen

Kapitän Joseph Yobo jedenfalls zeigte sich skeptisch. "Wir haben beide Spiele verloren und es sieht nicht so aus, dass wir die nächste Runde erreichen, auch wenn wir das letzte Spiel gewinnen. Im Grunde genommen sind wir aus dem Turnier raus", sagte der Abwehrspieler vom FC Everton. Eine Siegprämie soll aber die Stars motivieren, alles für die Minimalchance zu geben. Die NFF hat jedem Spieler 30.000 Dollar (umgerechnet 24.000 Euro) zugesichert.

Um den Verband gibt es wie immer Wirbel. Die rund zwölf Millionen Euro, die die NFF durch die WM-Qualifikation und die Teilnahme an der Endrunde mit den mindestens drei Spielen vom Weltverband FIFA erhalten hat, sollen Zeitungsberichten zufolge nicht sachgemäß eingesetzt worden sein.

Demnach seien nach Südafrika 87 Personen vom Verband eingeladen worden. Neben den Verbandsbossen aus den 36 Bundesstaaten im bevölkerungreichsten Staat Afrikas sollen nach einem Bericht der Tageszeitung "National Daily Newspaper" unter anderem auch Familienmitglieder dazugehören.

"Die Skepsis ist groß, die Probleme nicht neu"

"Die WM gibt uns die Möglichkeit, unsere Verantwortlichen im Fußball zur präsentieren. Und was meine Frauen und Kinder angeht: Wer hat gesagt, dass sie auf Kosten der NFF dabei sind", wird Verbandsboss Lulu zitiert. Die Skepsis ist groß und die Probleme nicht neu. Die Nigerian Professionals, eine in Südafrika agierende Gruppierung, hat angesichts der Misswirtschaft im Fußball Nigerias Präsidenten Goodluck Jonathan und Sportminister Ibrahim Isa Bio aufgefordert, die Verbandsbosse ihrer Ämter zu entheben.

Südkorea, das zum Auftakt 2:0 gegen Griechenland gewann, will diesen Wirbel und die Unbeherrschtheit der Super Eagles nutzen, um das Achtelfinale zu erreichen.

"Wir werden auf Sieg spielen. Wie man im Fall von Kaita gesehen hat, müssen wir die Nigerianer unter Druck setzen, so dass sie unruhig werden und ihre Fassung verlieren. Wir dürfen sie nicht ins Spiel kommen lassen", sagte Nationaltrainer Huh Jung-Moo. In drei Spielen gegen Nigeria ist Südkorea noch ungeschlagen.

Morddrohungen gegen Nigerias Kaita im Internet

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