Südafrika zwischen Euphorie und Angst

SID
Dienstag, 15.06.2010 | 12:06 Uhr
Die Bafana Bafana will auch gegen Uruguay jubeln
© Getty
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Helden oder Trottel: Gastgeber Südafrika schwankt vor seinem zweiten Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Euphorie und Angst.

Mit einem Sieg am Mittwoch (Mi 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) gegen Uruguay könnte Bafana Bafana einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Bei einer Pleite an einem historischen Datum der Regenbogennation droht Südafrika das erste Vorrunden-Aus eines Gastgebers bei einer WM-Endrunde und der Stimmungstod für das gesamte Turnier.

Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira hat vor dem ersten "Endspiel" alles getan, um den Druck von seiner Mannschaft zu nehmen und die Spieler sogar zu einem Kurzurlaub nach Hause geschickt. "Es war wichtig, dass sie mal abschalten und etwas entspannen können", sagte der 67 Jahre alte WM-Rekordtrainer.

Trotz der riesigen Erwartungshaltung ist Parreira von einem guten Auftritt seines Teams im Loftus-Versfeld-Stadion von Pretoria überzeugt.

"Die Mannschaft hat sich beim 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Mexiko freigespielt. Sie wird gegen Uruguay von Beginn an mutiger und selbstbewusster auftreten", äußerte der Brasilianer, der 1994 mit seinem Heimatland den WM-Titel holte.

Mannschaft will Geschichte schreiben

Lawrence Siphiwe Tshabalala, der mit seinem Traumtor gegen Mexiko das ganze Land in Ekstase versetzte, brennt auf weitere Heldentaten.

"Das Achtelfinale wäre das Größte, was je in Südafrikas Fußball passiert ist", sagte der 25-Jährige. Die freien Stunden verbrachte Tshabalala in seiner Wohnung im ehemaligen Township Soweto.

Gegen Uruguay und dann knapp eine Woche später gegen Frankreich will er mit seinen Teamkollegen "Geschichte schreiben".

Die Begegnung gegen Uruguay findet an einem historischen Tag statt. Am 16. Juni 1976 begehrten Jugendliche in Soweto gegen die Apartheid auf.

Drohendes Aus im Hinterkopf

"Das ist ein bedeutendes Datum für das Land", sagte der frühere Dortmunder Steven Pienaar. "Wir wollen dafür sorgen, dass die Menschen Mittwochabend auf den Straßen feiern können."

Die Mannschaft spielt auch für ihren früheren Staatspräsidenten Nelson Mandela, dessen tödlich verunglückte Ur-Enkelin am Donnerstag beigesetzt wird. "Wir sind in Gedanken bei ihm und werden in diesen schweren Stunden alles für ihn geben", sagte Pienaar. Doch im Hinterkopf steckt beim Gastgeber das drohende vorzeitige WM-Aus.

Bei den Südamerikanern, die Vize-Weltmeister Frankreich zum Auftakt ein 0:0 abgetrotzt haben, gab sich Nationalcoach Oscar Tabarez nach der Kritik an seiner Aufstellung zugeknöpft.

Parlament verschiebt Sitzung

Die Pressekonferenz, in der Tabarez zwei Änderungen in der Startelf und eine offensivere Formation ankündigte, dauerte nur fünf Minuten.

"Ich habe die Aufstellung der Charakteristik des Gegners und der Umstände für dieses Spiel angepasst", äußerte der 63-Jährige und verschwand.

Diego Forlan, gegen Frankreich auffälligster Akteur, soll hinter den Spitzen agieren. Mittelfeldspieler Nicolas Lodeiro ist nach seiner Gelb-Roten Karte gesperrt.

Die Politiker in der Heimat sind auf jeden Fall heiß auf das Spiel. Die Abgeordneten des Parlaments haben ihre Sitzung auf den Morgen verlegt, um die Begegnung am Nachmittag (Ortszeit) vor dem Fernseher verfolgen zu können.

Müder Auftakt von Uruguay und Frankreich

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