Frankreich in der Krise - Sarkozy greift ein

SID
Donnerstag, 10.06.2010 | 14:16 Uhr
Nationalcoach Raymond Domenech ist in Frankreich heftig umstritten
© Getty
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Ärger um die Nobel-Herberge, Grüppchenbildung im Kader und Dauer-Kritik an Trainer Raymond Domenech: Frankreich geht schwer angeschlagen in den WM-Auftakt am Freitag in Kapstadt gegen Uruguay (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY). In höchster Not hat sich nun sogar Staatschef Nicolas Sarkozy in die Debatte eingeschaltet und die Angelegenheit zur Chefsache erklärt.

"Ich hatte ein langes Gespräch mit Trainer Raymond Domenech und habe ihm meine vollste Unterstützung für das französische Team zugesagt. Ich erklärte ihm, dass die ganze Nation hinter der Mannschaft stehe", ließ der Staatschef auf seiner Facebook-Seite mitteilen und schickte hinterher: "Allez les Bleus!".

Fakt ist aber, dass der Mannschaft im eigenen Land nicht viel zugetraut wird. Nach den mageren Auftritten in den Testspielen gegen China (0:1), Costa Rica (2:1) und Tunesien (1:1) ergab eine Umfrage der Boulevardzeitung "Le Parisien", dass 50 Prozent aller Befragten an ein frühes Aus im Viertelfinale glauben.

Spieler üben Druck auf Domenech aus

"Gegen China zu verlieren, hat mich schon enttäuscht. Doch am Ende des Tages habe ich mir gesagt, es war eben doch nur ein Vorbereitungsspiel", sagte Domenech und ergänzte: "Jetzt geht es erst richtig los." Seine Spieler stehen unter besonderen Beobachtung.

"Der Druck ist enorm, aber es ist ein positiver Druck. Für uns ist es wichtig, mit dem Eröffnungsspiel unsere Linie zu finden", meinte Abwehrspieler Bakary Sagna.

Intern brodelt es. Franck Ribery von Bayern München und Nicolas Anelka vom FC Chelsea sollen Druck auf Domenech ausgeübt haben. Sie fordern angeblich, dass Thierry Henry und Abou Diaby anstelle von Sidney Govou und Yoann Gourcuff zur Startelf gehören.

Henry der "Luxus-Joker"

Zumindest Diaby dürfte spielen. Vor allem an Henry, letzter verbliebener Akteur des französischen Weltmeister-Kaders von 1998, entzünden sich intern die Debatten. "Le Parisien" taufte ihn bereits "Luxus-Joker".

Enorm angespannt ist das Verhältnis auch zwischen Mannschaft und Journalisten, die dem französischen Lager eine Wagenburg-Mentalität vorwerfen. Die vielen Sicherheitskontrollen und die Tatsache, dass das Training weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, brachte die Presse auf die Palme.

Eine große Belastung für das Team stellt auch die Dauer-Debatte um das luxuriöse Fünf-Sterne-Hotel des Vize-Weltmeisters von 2006 in Knysna da. Immer wieder muss sich Domenech rechtfertigen. "Diese Anlage gibt den Spielern ein Gefühl von Heimat, das sie in diesem Turnier gut gebrauchen können", sagte er.

Selbst die französische Sportstaatssekretärin Rama Yadeam hatte angesichts finanziell schwieriger Zeiten die Wahl der teuren Herberge kritisiert.

Uruguay fühlt sich pudelwohl in Außenseiterrolle

Der zweimalige Weltmeister Uruguay (1930, 1950) kann mit der Rolle des Außenseiters gut leben. "Wir wollen den Franzosen das Leben so schwer wie möglich machen", sagte El Maestro Oscar Washington Tabarez. Der 63-Jährige führt die Celeste nach 1990 bereits zum zweiten Mal zu einer WM.

Zum Schlüsselduell des Spiels könnte der Zweikampf zwischen Frankreichs Abwehrspieler William Gallas (FC Arsenal) und Uruguays Superstar Diego Forlan werden. Blondschopf Forlan zeigte seine Klasse vor wenigen Wochen, als er seinen Klub Atletico Madrid mit zwei Treffern zum Gewinn der Europa League schoss.

Zumindest von Gallas wird es nach dem Spiel aber keine Aussagen zum Zweikampf geben. Der 32-jährige hatte aus Protest gegen die Berichterstattung über seine Person angekündigt, er werde während der WM keine Interviews geben.

Frankreichs Gallas boykottiert Medien

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