WM 2010

Südafrika: Am Kap der letzten Hoffnung

SID
Donnerstag, 17.06.2010 | 13:30 Uhr
Nach der Niederlage gegen Uruguay ist in Südafrika Katerstimmung angesagt
© Getty
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Als die Vuvuzelas verstummten, bekam Südafrika den Blues. Am Kap der letzten Hoffnung begann der Morgen nach dem abrupten Ende des WM-Rausches mit einem gewaltigen Kater. "Albtraum und Höllenqual!", titelte die Tageszeitung "Sowetan" nach dem ernüchternden 0:3 (0:1) gegen Uruguay voller Schmerz.

Als die Vuvuzelas verstummten, bekam Südafrika den Blues. Am Kap der letzten Hoffnung begann der Morgen nach dem abrupten Ende des WM-Rausches mit einem gewaltigen Kater. "Albtraum und Höllenqual!", titelte die Tageszeitung "Sowetan" nach dem ernüchternden 0:3 (0:1) gegen Uruguay voller Schmerz. Jetzt droht Bafana Bafana eine historische Blamage: Das erste WM-Aus eines Gastgebers in der Vorrunde. Alle sind sich einig: Es hilft "nur noch beten" ("The Star") oder "ein Wunder" ("Cape Times").

Bei Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira schlug der grenzenlose Frust Minuten nach dem Abpfiff in Wut um. Mit einer Schimpftirade ging der Brasilianer auf den Schiedsrichter Massimo Busacca los. "Er entscheidet falsch, er gibt falsche Karten, einen lächerlichen Elfmeter - und dann lacht er auch noch. Ich hoffe, ich sehe sein Gesicht nie mehr", sagte Parreira und ergänzte, Busacca habe kein Recht, bei der WM zu pfeifen.

Der Weltverband FIFA schloss Ermittlungen gegen den Weltmeistertrainer von 1994 aus. Die Wutrede war das Ventil des Brasilianers für die Enttäuschung, die sich über 90 quälend lange Minuten der totalen Hilflosigkeit aufgebaut hatte. Chancenlos und vorgeführt von einem Team, das selbst weit von Weltklasse entfernt ist. Für Südafrika war es "eine schmerzhafte Nacht, die erste, in der die Vuvuzela stumm blieb", sagte WM-OK-Chef Danny Jordaan.

Von Kapstadt im Süden bis Polokwane im Norden blickten Millionen Menschen entsetzt auf die Bildschirme, als Uruguays überragender Stürmer Diego Forlan (24. und 80., Foulelfmeter) und Alvaro Pereira (90.+5) die Hoffnungen zerschmetterten. Als Keeper Itumeleng Khune vor dem Strafstoß vom Platz flog, rollten Tausende schockiert ihre Fahnen zusammen. "Herzzerreißend", schrieb die "Daily Sun".

Fans verlassen Stadion noch vor dem Abpfiff

Die Fans verließen das Loftus-Versfeld-Stadion in der Hauptstadt Pretoria, wo Südafrika zuvor noch nie verloren hatte, scharenweise. Als das letzte Tor fiel, waren nur noch 15.000 von 42.800 Plätzen besetzt. Die Tänze, die Stimmung, die Euphorie - mit einem Schlag dahin. Um Mitternacht wirkte Südafrika, als habe es das Spiel nie gegeben.

Erst, als Spieler und Trainer eine Nacht über den sportlichen Offenbarungseid geschlafen hatten, setzte sich die Erkenntnis durch, dass noch nicht alles verloren ist. "Es gibt keinen Grund, die Weiße Fahne zu hissen. Es ist sehr, sehr traurig, aber wir kämpfen weiter bis zum bitteren Ende", sagte Parreira. Auch der frühere Dortmunder Steven Pienaar versuchte, seine Mitspieler aufzubauen. "Wir müssen weiter an uns glauben!"

Im entscheidenden Spiel gegen Frankreich am 22. Juni in Bloemfontein heißt es nun: Sieg oder historisches Versagen. Parreira baut allerdings für den Fall der größten anzunehmenden Pleite bereits vor. "Wir müssen uns nicht schämen, wenn wir ausscheiden", sagte er. Dann sorgte er für allgemeine Erheiterung - er pries die prominent besetzte, aber momentan nicht sonderlich starke Gruppe A als "die Gruppe zweier Weltmeister" an. Dass Frankreich völlig außer Form ist und der letzte WM-Titel Uruguays 60 Jahre her, erwähnte er nicht.

Uruguay feiert

Oscar Washington Tabarez, Trainer der Südamerikaner, lag mit seiner Einschätzung richtig. "Diese Mannschaft ist phänomenal. Wir spielen für die Millionen begeisterten Menschen in der Heimat, aber vor allem für die, die einen solchen Sieg noch nie erleben durften", sagte er. 1990 hatte die Albiceleste zuletzt ein WM-Spiel gewonnen.

Auf Montevideos Prachtstraße 18 de Julio sangen Zehntausende nach dem Abpfiff "Dale Campeon!" (Gib mir den Titel!). Und Tabarez beendete seine Ausführungen mit Sätzen, die alle Südafrikaner noch einmal ins Mark trafen: "Dass Uruguay wegen des Schiedsrichters gewonnen haben soll, ist lachhaft angesichts unserer Überlegenheit während des gesamten Spiels. Wir haben verdient gewonnen."

Jordaan: "Eine schmerzhafte Nacht"

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