Stekelenburg ist Hollands großes Fragezeichen

Von Daniel Börlein
Freitag, 05.03.2010 | 10:59 Uhr
Maarten Stekelenburg hat bisher 25 Länderspiele für die Niederlande absolviert
© Imago
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32 Teams nehmen an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Jedes Teilnehmerland hat seine eigene Geschichte zu erzählen. SPOX greift aktuelle Entwicklungen auf, lässt Protagonisten zu Wort kommen oder beleuchtet historische Ereignisse. Heute: Niederlande.

Mit acht Siegen in acht Spielen qualifizierte sich die niederländische Nationalmannschaft souverän für die WM, fährt allerdings erstmals seit 14 Jahren ohne Keeper Edwin van der Sar zu einem Turnier. Das Problem: Seinem Nachfolger traut man nur wenig zu. Doch: Holland hat keinen Besseren.

Kennen Sie das? Sie gehen zur Arbeit, haben richtig Spaß an Ihrem Job und wissen: Selbst wenn mir ein Fehler unterläuft, ist immer einer da, der meinen Fauxpas noch ungeschehen machen kann. Also gehen Sie Ihre Aufgaben unbeschwert an und jeden Tag gerne zur Arbeit.

Auch Jaap Stam kennt dieses Gefühl, Frank de Boer geht's da nicht anders und Giovanni van Bronckhorst hat sich fast schon daran gewöhnt. Jahrelang reiste das Abwehr-Trio zu Spielen der niederländischen Nationalmannschaft und wusste: Wenn ich etwas verbocke, gibt's immer noch Edwin van der Sar.

Van der Sar: Erfolgreichster Keeper seiner Zeit

Viermal gewann der 39-Jährige die niederländische Meisterschaft, dreimal die englische. Zwei Triumphe gab's in der Champions League, einen Titelgewinn im UEFA-Cup, hinzu kommen noch zehn nationale Pokalsiege. Van der Sar ist der erfolgreichste Torhüter seiner Zeit - und zweifellos auch einer der besten.

Ein Titel mit der niederländischen Nationalmannschaft blieb ihm allerdings verwehrt. 13 Jahre lang stand van der Sar als Stammkeeper der Elftal zwischen den Pfosten, ist mit 130 Länderspielen längst Rekordnationalspieler seines Landes.

Nach der Europameisterschaft 2008 beendete er allerdings seine Karriere im Nationalteam. Mit zwei Aushilfseinsätzen in der WM-Qualifikation im Oktober 2008 nährte van der Sar jedoch die Hoffnungen eines ganzen Landes, er werde auch in Südafrika das Oranje-Tor hüten.

"Stekelenburg muss den Karren ziehen"

Vor kurzem sorgte der United-Schlussmann allerdings für klare Verhältnisse: "Ich fahre nicht mit zur WM!" Seine Entscheidung sei unwiderruflich und endgültig, so van der Sar.

Das Land des Offensiv-Fußballs, in dem ausgerechnet die Torhüter-Frage "zur nationalen Diskussion" (van der Sar) geworden war, musste akzeptieren: Nach sechs Turnieren in Folge fährt die Nationalmannschaft mit einer neuen Nummer eins zu einem Großereignis.

"Maarten Stekelenburg muss nun den Karren ziehen", erklärte van der Sar und legte sich damit auf seinen Nachfolger fest.

Der Keeper von Ajax Amsterdam war bereits bei der WM 2006 und der EM 2008 zweiter Mann hinter van der Sar und stand zuletzt auch in der WM-Quali zwischen den Pfosten.

"Hat auch echte Aussetzer"

Das Problem: So recht trauen die Niederländer ihm nicht zu, die großen Fußstapfen van der Sars auszufüllen. "Man ist bislang sehr kritisch mit ihm umgegangen. Jeder Fehler wurde ihm sofort aufs Brot geschmiert", sagt Martin Pieckenhagen, selbst Keeper in der Eredivisie bei Heracles Almelo, im Gespräch mit SPOX.

Ganz zu Unrecht wird Stekelenburg allerdings nicht mit Skepsis betrachtet. "Er macht überragende Spiele, hat dann aber auch mal echte Aussetzer dabei", so Pieckenhagen. "Er hat ein hohes Niveau, ruft das aber zu unbeständig ab."

Den Sprung zu einem internationalen Top-Keeper hat der 27-Jährige trotz über 200 Partien für Ajax und immerhin schon 25 Länderspielen noch immer nicht geschafft.

Selbst bei Ajax war Stekelenburg lange Zeit nicht unumstritten und wurde Anfang 2009 zwischenzeitlich sogar von Nachwuchskeeper Kenneth Vermeer auf die Bank verdrängt.

Keine Alternative zu Stekelenburg

Mittlerweile sind die Kritiker im eigenen Verein einigermaßen verstummt und die Fans der Elftal haben sich zumindest damit abgefunden, dass Stekelenburg bei der WM die Nummer eins ist. Wohl auch, weil es keine Alternative zu ihm gibt.

"Als Torhüter sticht er gegenüber seinen Konkurrenten heraus", muss Bondscoach Bert van Marwijk zugeben. "Er ist der beste niederländische Keeper", sagt Pieckenhagen. "Und dass er relativ unangefochten ist, nimmt ihm den Druck und macht es für ihn einfacher."

Dennoch ist Stekelenburg Hollands großes Fragezeichen bei dieser Weltmeisterschaft. "In der Eredivisie wird er nicht jeden Spieltag so gefordert", sagt Pieckenhagen. "Er musste sich bislang noch nie eine ganze Saison auf Top-Niveau beweisen."

Ab Juni muss er dieses Top-Niveau allerdings zumindest eine Weltmeisterschaft lang abrufen. Schließlich wollen Hollands Abwehrspieler ihre Aufgaben auch ohne Edwin van der Sar unbeschwert angehen und richtig Spaß an ihrem Job haben.

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