Die Pedro Pinto Kolumne

WM der entthronten Superstars

SID
Dienstag, 06.07.2010 | 13:24 Uhr
Lionel Messi konnte der WM nicht seinen Stempel aufdrücken. Er blieb ohne Torerfolg
© Getty
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Im Vorfeld schien es, als sollte dieses Turnier drei der ganz Großen gehören: Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney waren ausgezogen, um sich in den Fußball-Olymp zu spielen. Jeder von ihnen hatte im Saisonverlauf hervorragende Leistungen gezeigt. Ihre Tore, so waren sich viele sicher, würden die Glanzstücke dieser 30 Tage werden. Schließlich hatten sie im vergangenen Jahr insgesamt ganze 110 Mal eingenetzt.

Bei der WM hingegen lautet ihre traurige Gesamtbilanz: 13 Spiele, ein Tor. Und so überrascht es wenig, dass sich alle drei Herren inzwischen nicht mehr im Scheinwerferlicht der südafrikanischen Arenen aufhalten, sondern vor dem Flimmern ihres Fernsehers.

Was ist passiert? Im Folgenden eine kurze Einzelanalyse.

In 53 Spielen für Barcelona hat es Messi auf nicht weniger als 47 Tore, für die Albiceleste bei der WM den Ball aber kein einziges Mal über die Torlinie gebracht. Leo im Pech - mit etwas mehr Glück hätte zumindest einer seiner 15 Torschüsse auch sitzen können. Das Hauptproblem war aber, dass er in der argentinischen Elf oft genug sein eigener Wasserträger sein musste.

Im Gegensatz zu seinen Auftritten für Barca, bei denen er zumeist mit einem Zuspiel in der Nähe des Strafraums bedient wird, war er gezwungen, sich die Kugel im Dress des zweimaligen Weltmeisters häufig an der Mittelfeldlinie selbst zu organisieren.

Messi wurde vom Team im Stich gelassen

Regelmäßig musste er sich zurückfallen lassen und zunächst als Spielmacher agieren, bevor er dann in Personalunion mit dieser Rolle als Stürmer den Abschluss suchen konnte. Das ist nicht seine Aufgabe, das war einfach zu viel für ihn.

So kam es, dass Messi eine Menge Energie fortlaufend dort vergeudete, wo das Mittelfeld eigentlich nach vorne hätte kombinieren sollen, um dann für ihn aufzulegen. Auch die Statistik spricht hier Bände: 11 seiner 15 Schüsse feuerte er vor der Strafraumgrenze ab oder nach einem Lauf von teils mehr als 35 Metern.

Fazit: Ausnahmespieler ja, Superheld nein.

Und Cristiano Ronaldo? Einige Fans in der Heimat werfen ihm vor, in der Nationalmannschaft nicht genug zu geben. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Er arbeitete hart, war aber vorne schlichtweg isoliert. Trainer Carlos Queiroz ließ seinen Star entgegen seiner Position im Verein als klassischen Stürmer auflaufen und sollte diesen Fehler zu spüren bekommen.

Ronaldo auf sich allein gestellt

Beim Kantersieg gegen Nordkorea traf er zwar - so wie quasi die gesamte portugiesische Elf - hatte dabei aber mächtig Glück. Nebenbei bemerkt war dies das erste Tor für sein Land in 16 Monaten. Vergleicht man seine Quote im Verein, manifestiert sich dies als deutliches Zeichen für die Fehlaufstellung des Trainers.

War Ronaldo in Ballbesitz, hatte er nur selten eine Anspielstation. Im von Queiroz verordneten Kontersystem fehlte dem Real-Star vorne nur zu oft die nötige Unterstützung. Seine Mannschaftskollegen schienen darauf zu vertrauen, dass er schon irgendwie ohne ihre Mithilfe an mehreren gegnerischen Spielern vorbeidribbeln und zum Torerfolg kommen würde.

Fazit: Allein unter ferner liefen.

Rooney mit schlappen sechs Torschüssen

Was war los, Wayne Rooney? Nicht zu 100 Prozent fit wirkte der Engländer, dementsprechend mangelte es ihm an allen Ecken und Enden an seiner gewohnten Durchschlagskraft. So brachte er es in vier Spielen auf gerade einmal sechs Torschüsse.

Hinzu kam ein gravierender Mangel an Passfreudigkeit auf Seiten seiner Hinterleute. Insbesondere in Strafraumnähe setzten weder Frank Lampard noch Steven Gerrard den Power-Stürmer von ManUtd angemessen in Szene.

Als Folge sah man Rooney häufig gleichermaßen verzweifelt wie ziellos auf dem Platz umherirren, um doch noch irgendwie in Ballbesitz zu kommen. Ein größtenteils glückloses Unterfangen.

Fazit: Viel unterwegs für Nichts.

Nun, da Wayne, Cristiano und Leo die Heimreise bereits angetreten haben und die Vorschlussrunde ins Haus steht, verengt sich der Fokus auf die verbliebenen Teams. Mein Favorit bleiben nach wie vor die Niederlande, doch die anderen drei werden da sicherlich noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden haben.

Wer wird Weltmeister? Jetzt die WM durchspielen!

Pedro Pinto ist Sports-Anchor bei CNN International in London. Gemeinsam mit dem CNN World Sport-Team berichtet der gebürtige Portugiese von Sportereignissen auf der ganzen Welt. Vor seiner Tätigkeit bei CNN in London arbeitete er im Hauptquartier des Senders in Atlanta und moderierte in seiner Heimat Portugal mehrere Sportsendungen. Im Laufe seiner Karriere hat Pinto zahlreiche Sport-Stars wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Roger Federer, Gianluigi "Gigi" Buffon oder die Fußballlegende Pele interviewt.  Für CNN International übernimmt Pinto die Berichterstattung über die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika (www.cnn.com/worldcup).


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