FIFA-Skandal: Katar erneut unter Druck

SID
Dienstag, 27.06.2017 | 13:55 Uhr
Nach neuen Details des Garcia-Berichtes steht Katar unter erhöhten Druck
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Neue Details aus dem Bericht des zurückgetretenen Chefermittlers Michael Garcia, die die Bild-Zeitung veröffentlichte, setzen den WM-Gastgeber 2022 wieder unter Druck. Die Erkenntnisse legen einen Stimmenkauf mal wieder nahe - sie rücken damit auch den mittlerweile geschassten Richter Hans-Joachim Eckert in ein neues Licht.

Der Münchner, der beim Fußball-Weltverband unlängst von seinem Amt als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission entbunden worden war, hatte bei seiner Überprüfung des brisanten Dokuments, das die 2010 erfolgten Vergaben der WM-Endrunden 2018 (Russland) und 2022 (Katar) untersucht, keinerlei Anzeichen für eine Manipulation gefunden. Oder zumindest nicht so gravierende, dass eine Neuvergabe der Endrunde im Wüstenstaat nötig gewesen wäre. Dabei sind die Indizien eindeutig, sie werfen einen weiteren Schatten auf die ohnehin kritisch beäugte Endrunde in fünf Jahren.

So sollen drei stimmberechtigte Mitglieder des damaligen FIFA-Exekutivkomitees in einem Privatjet des katarischen Fußball-Verbandes QFA nach Rio de Janeiro geflogen worden sein, Nobelunterkunft und Sause inklusive. Zudem landeten zwei Millionen Dollar auf dem Konto der 10-jährigen Tochter eines FIFA-Funktionärs. Ein anderer soll sich bei den Scheichs via Mail für eine Überweisung über mehrere Hunderttausend Dollar bedankt haben.

Garcia, dessen rund 400 Seiten starkes Schriftstück von der FIFA (aus rechtlichen Gründen) noch immer geheim gehalten wird, war nach der verharmlosenden Interpretation Eckerts verständlicherweise erzürnt. Er sah seine Erkenntnisse falsch bewertet, trat wenig später von seinem Amt als Boss der ermittelnden Kammer zurück und verschärfte mit seiner harschen Kritik damals die Glaubwürdigkeitskrise.

FIFA äußert sich nicht zu Enthüllungen

Der Weltverband selbst äußerte sich auch am Dienstag auf SID-Anfrage zu den Enthüllungen nicht. Auf der Website schmückte sich die FIFA vielmehr mit dem Confed-Cup, ein Treffen des nicht unumstrittenen Präsidenten Gianni Infantino mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in war ebenfalls eine Mitteilung wert.

Überraschen dürften die Details wahrlich nicht, seit geraumer Zeit wird die WM-Vergabe von schweren Korruptionsvorwürfen begleitet. Dass zudem die größtenteils ausländischen Arbeiter auf den WM-Baustellen noch immer massiv "ausgenutzt und ausgebeutet" werden, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet hat, stellt die Qualifikation Katars als Gastgeber ebenso infrage.

All das sind für die FIFA jedoch (noch) keine Gründe, um dem Wüstenstaat die Endrunde zu entziehen. Ganz im Gegenteil: Der Weltverband hofft durch die WM auf eine Verbesserung der Situation. "Wenn der Fußball einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, werde ich nicht zögern, meine Hilfe anzubieten", sagte Infantino zuletzt.

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