Montag, 19.01.2015

Katars Kampf um guten Fußball

"Wir sind der Gastgeber!"

Die Diskussion über unmenschliche Arbeitsbedingungen beherrscht das Bild der WM 2022 in Katar. Doch wie wird sich der Gastgeber sportlich schlagen? Der Asien-Pokal verheißt nichts Gutes.

Die Weltmeisterschaft 2022 wird trotz einiger Kritik in Katar stattfinden
© getty
Die Weltmeisterschaft 2022 wird trotz einiger Kritik in Katar stattfinden

Mario Götze, Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger haben vergangene Woche mit dem FC Bayern im Trainingslager gegen die "Qatar Stars" gespielt, und das war eine fast schon absurde Beschönigung.

Die katarische Fußball-Liga, "Stars League" genannt, kennt keine Stars - zumal die 23 besten Fußballer des Landes zeitgleich beim Asien-Pokal in Australien gefordert waren.

Allerdings sind ja auch diese 23 hierzulande selbst Experten unbekannt, alle spielen sie in der heimischen Liga, in einer Stars League ohne Sterne.

Der Asien-Cup gibt Aufschluss. Katar hat zum Auftakt 1:4 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate verloren, die auch nicht gerade eine Weltmacht des Fußballs sind, es folgte ein recht achtbares 0:1 gegen den Iran und zum Abschied am Montag ein 1:2 gegen Bahrain. Die Spiele offenbarten Mängel in allen Bereichen: Offensivspiel, Zweikampfführung, Aufbau. Torhüter Qasem Burhan genügt internationalen Ansprüchen nicht.

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"Ligaspiele auf Niveau der Regionalliga"

"Ich weiß nicht, wer 2022 in der Mannschaft stehen wird", sagt Nationaltrainer Djamel Belmadi, ein Algerier. "Wir haben einige junge Spieler, die es schaffen könnten. Es ist enorm wichtig, dass wir 2022 konkurrenzfähig sind - denn wir sind der Gastgeber!"

Die Zeit läuft. "Ligaspiele in Katar bewegen sich auf dem Niveau der deutschen Regionalliga", hat Ulli Stielike dem "SID" vor einiger Zeit gesagt. Stielike hat mehrere Vereine in dem Emirat trainiert, beim Asien-Cup steht er mit Südkorea schon im Viertelfinale.

"Katar wird es sehr schwer haben, bis 2022 derart mithalten zu können, seine WM-Vorrunde zu überstehen", sagt er. Dort geht es gegen andere Kaliber: Gegen Deutschland würde Katar wohl ziemlich alt aussehen, zumindest derzeit. Da genügt bereits das eklatante Defizit im Kopfballspiel.

Förderung jugendlicher Sportler

Aber es gibt Lichtblicke. Katar investiert nicht nur unanständige Summen in Wolkenkratzer und den Einkauf von Sport-Großereignissen, es fördert auch in hohem Maße seine jugendlichen Sportler. Die Aspire Academy ist dabei weltweit führend, Schalke 04 und Bayern München halten dort einen Teil ihrer Rückrundenvorbereitung ab.

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So hat Katar es geschafft, seinem Fußball zumindest einen soliden Unterbau zu verschaffen: Die U19 ist 2014 erstmals Asienmeister geworden. Daher verzichtet Katar größtenteils auf seine beispielsweise im Handball fast exzessive Politik, Sportler einzubürgern.

Ansätze gibt es jedoch: Flügelstürmer Mohammed Tresor Abdullah wurde in der Demokratischen Republik Kongo als Moustapha Terazor Kangambu geboren, der Angreifer Mohammed Muntari ist ghanaischer Abstammung.

Doch sich mal eben eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzusuchen, wird durch die Statuten des Weltverbandes FIFA erschwert.

Hoffnungen ruhen auf Nachwuchs

Wer den Verband wechselt und anschließend für seine neue Heimat ein Länderspiel absolvieren will, der muss jünger als 21 sein und darf noch kein A-Länderspiel für sein Geburtsland absolviert haben.

So ruhen die Hoffnungen auf dem Nachwuchs, darauf, dass die Asienmeister von 2014 in acht Jahren im Zenit stehen. Jedoch gibt es keine Garantie. Khalfan Ibrahim, "Maradona von Katar" genannt, war 2006 als erster Katarer Fußballer des Jahres in Asien - acht Jahre später spielt er immer noch in jener Stars League, die nur eine Stadtteilmeisterschaft Dohas ist. Selten kommen mehr als ein paar Hundert Zuschauer.


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