Donnerstag, 13.02.2014

Trotz Menschenrechtsverletzungen

FIFA hält an Vergabe nach Katar fest

Die FIFA hält trotz der Menschenrechtsverletzungen im WM-Gastgeberland Katar an der Vergabe der Endrunde 2022 an das Emirat am Persischen Golf fest.

Sepp Blatter hatte entscheidenden Anteil an der WM-Vergabe nach Katar
© getty
Sepp Blatter hatte entscheidenden Anteil an der WM-Vergabe nach Katar

"Ein WM-Entzug wäre absolut kontraproduktiv", sagte FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger nach der Anhörung zum Thema Katar vor dem Menschrechtsausschuss der Europäischen Union (EU) am Donnerstag in Brüssel. Zwanziger verwies darauf, dass erst die WM-Vergabe die Zustände in Katar öffentlich gemacht habe.

Der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gab zu, dass die von zahlreichen Medien und Organisationen geschilderten Bedingungen der Gastarbeiter in Katar "absolut inakzeptabel" seien. Neben der FIFA seien nun auch die Politik und die Wirtschafts-Unternehmen, die in Katar aktiv sind, für Verbesserungen zuständig.

"Die FIFA schaut hin, wir werden alles intensiv im Auge behalten. Und ich habe Vertrauen, dass die Verantwortlichen im Katar nicht nur Lippenbekenntnisse von sich gegeben haben und dass sich die Verhältnisse verbessern", sagte Zwanziger dem "SID".

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Um Verbesserungen bemüht

Die deutsche Ausschussvorsitzende Barabara Lochbihler attestierte Katar und der FIFA, dass sie sich um Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bemühen. Ausreichend seien die Maßnahmen aber bei weitem nicht, vor allem das sklavenähnliche Kafala-System müsse abgeschafft werden. "So lange es das Kafala-System gibt, wird es zu Menschenrechtsverletzungen kommen", sagte Lochbihler dem SID. Nach Ansicht Zwanzigers ist die Abschaffung aber nicht die Aufgabe der FIFA, sondern der Politik.

Lochbihler forderte einen erhöhten Druck vonseiten der Vereinten Nation, um das System zu kippen. "Auch die FIFA darf nicht nachlassen, sie muss ihren Einfluss nutzen. Zudem sollten sich die Sportverbände wie die FIFA eine menschenrechtspolitische Ausrichtung geben, die schon bei der Vergabe von Großereignissen zum Tragen kommt", sagte Lochbihler, die das Fernbleiben von Vertretern Katars bedauerte.

Abschaffung des Kafala-Systems

Der bei der Anhörung vertretene Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) forderte ebenfalls die Abschaffung des Kafala-Systems und wählte dafür drastische Worte. "Im Katar werden 1,4 Millionen Gastarbeiter versklavt", sagte IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow: "Wenn die WM in einem solchen Land ausgetragen wird, wäre das eine Schande. Die Regierung muss das System abschaffen, wenn die WM im Katar ausgetragen werden soll."

Zuletzt hatte Katar laut einer Pressemitteilung neue Richtlinien für die Arbeiter verabschiedet. Das sogenannte Supreme Committee for Delivery & Legacy hat angeblich international anerkannte Standards für die Arbeitsbedingungen festschreiben lassen. Diese sollen die Rechte der Arbeitskräfte von der Einstellung bis zur Beendigung der Zusammenarbeit regeln.

Wiederholt hatte es in den letzten Monaten Medienberichte über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Katar bei den zahlreichen Bauten gegeben. Dabei sollen in den beiden vergangenen Jahren laut des britischen Guardian 382 Gastarbeiter allein aus Nepal ums Leben gekommen sein.

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