Nach Guardian-Berichten über Opferzahlen

WM 2022: Kritik durch Lochbihler

SID
Sonntag, 26.01.2014 | 11:27 Uhr
Die Vergabe der WM 2022 nach Katar sorgte weltweit für Proteste
© getty
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Barbara Lochbihler, die deutsche Vorsitzende des EU-Menschenrechtsausschusses, hat nach den neuen Schreckensmeldung aus dem WM-Ausrichterland Katar den Fußball-Weltverband FIFA in die Pflicht genommen und die Vergabe der Endrunde 2022 an den Wüstenstaat kritisiert.

"Von der positiven Macht der Weltmeisterschaft spricht die FIFA. Der Verband hätte diese Macht nutzen müssen, bevor hunderte Migranten ums Leben kamen", sagte die Grünen-Politikerin dem "SID": "Doch davor schreckte die FIFA offenbar zurück."

Die neuen Opferzahlen, von denen die britische Tageszeitung Guardian berichtete, "beweisen auf traurige Weise, wie dringend notwendig tiefgreifende Reformen tatsächlich sind", sagte Lochbihler: "Zu Recht weist die FIFA darauf hin, dass Gesetzesänderungen schnellstens umgesetzt werden müssen. Allerdings hätten sich die Fußballfunktionäre das auch vor der Vergabe überlegen können."

"Klare Deadlines definieren"

Der Weltverband mit Präsident Joseph S. Blatter solle "konkrete Forderungen stellen und klare Deadlines definieren, bei deren Überschreitung vorab definierte Konsequenzen greifen. Unverbindliche Versprechungen helfen niemandem weiter", sagte sie.

Vor dem EU-Ausschuss wird es am 13. Februar eine Anhörung zum Thema Katar geben - Blatter hat seine Teilnahme ebenso zugesagt wie Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des DFB und Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee. "Wir sind derzeit mit Blick auf die Anhörung, die von der FIFA sehr begrüßt wird, dabei, die Faktenbasis zu verbessern", sagte Zwanziger der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der Guardian hatte sich in seiner Berichterstattung auf Regierungsdokumente aus Nepal berufen - in den vergangenen Monaten hat es angeblich mindestens 36 weitere Todesfälle unter den ausländischen Arbeitern gegeben, insgesamt soll sich die Zahl der Toten aus Nepal laut des Berichts bereits auf 185 summiert haben. In den letzten beiden Jahren seien 382 Arbeiter aus Nepal ums Leben gekommen.

"Langfristig muss die FIFA ebenso wie alle anderen Sportverbände ihre Vergabepolitik grundlegend verändern", forderte Lochbihler: "Bewerberstaaten dürfen nur dann einen Zuschlag erhalten, wenn menschenrechtliche Bedingungen erfüllt sind." Dort, wo "Reformen nötig sind, um den Menschenrechten zu entsprechen, müssen verbindliche Politikversprechen gemacht und umgesetzt werden", sagte die Politikerin: "Wer sich weigert oder seine Versprechen nicht hält - der muss leider ohne sportliches Großereignis auskommen!"

Stellungnahme von Katar

Das katarische WM-Organisationskomitee hat auf die Schreckensmeldungen aus dem Wüstenstaat mit einer knappen Stellungnahme reagiert und erneut auf die positiven Kräfte der Endrunde 2022 und die neue Arbeiter-Charta verwiesen.

"Das Organisationskomitee bleibt von dem Wohlbefinden, der Gesundheit, Sicherheit und Menschenwürde von jedem Arbeiter bei einem WM-Projekt überzeugt", hieß es in dem Schreiben: "Im März haben wir unsere Arbeiter-Charta vorgestellt, in welcher die Prinzipien festgeschrieben sind, mit denen wir sicherstellen, dass unsere Arbeiter geschützt werden."

Die WM 2014 im Überblick

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