Holland nach dem verlorenen Finale

Oranje bleibt der ewige WM-Zweite

SID
Montag, 12.07.2010 | 13:30 Uhr
Wesley Sneijder am Boden - mit fünf Treffern hatte er aber maßgeblichen Anteil am Finaleinzug
© Getty
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Zum dritten Mal muss sich die Niederlande mit dem zweiten WM-Platz begnügen. Während die Spieler Schiedsrichter Webb angreifen, bescheinigt Louis van Gaal Spanien die "bessere Leistung".

Der Schuss von Andres Iniesta in der 116. Minute traf die niederländischen Stars mitten ins Herz und löste eine tiefe Depression aus. Nach dem Abpfiff des WM-Finales wollten einige der Oranje-Asse dem englischen Schiedsrichter Howard Webb am liebsten an die Wäsche, andere hockten niedergeschlagen auf dem Rasen des Soccer-City-Stadions und starrten ins Leere.

Besonders angeknockt war Bayern-Star Arjen Robben, denn er hatte zweimal in der regulären Spielzeit die Chance zum Siegtreffer - doch er vergab oder wurde im letzten Moment gestoppt.

So blieb es dabei: Oranje bleibt der ewige WM-Zweite, nach 1974 (1:2 gegen Deutschland) und 1978 (1:3 n.V. gegen Argentinien) ging auch das dritte WM-Endspiel gegen Europameister Spanien (0:1 n.V.) verloren.

Massive Kritik an Schiedsrichter Webb

Robben war untröstlich über seine vergebene Großchance in der 62. Minute, als er nach Pass von Wesley Sneijder allein auf das gegnerische Tor losstürmte, aber der spanische Torwart Iker Casillas per Fußabwehr klärte.

"Da gibt es keine Entschuldigung für, den musste ich reinmachen", konstatierte der 26-Jährige, der sieben Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit nochmals eine ähnliche Chance besaß, aber von Spaniens Abwehrrecke Carles Puyol an der Grenze Legalität am Torschuss gehindert und schließlich von Torhüter Iker Casillas gestoppt wurde.

"Da hätte man Carles Puyol vom Platz stellen müssen", schimpfte Robben und wetterte auf den Unparteiischen Webb: "Der Schiedsrichter hat eine schlechte Rolle gespielt. Das war ein Weltklasse-Finale, da muss auch ein Weltklasse-Schiedsrichter pfeifen."

13 Verwarnungen und eine Gelb-Rote Karte für den Niederländer Johnny Heitinga (109.) zeigte der Brite und stellte damit einen WM-Endspiel-Rekord auf. "Das ist eine Schande für den Sport", ätzte Spielmacher Wesley Sneijder. Die Elftal fühlte sich vor dem entscheidenden Treffer dadurch benachteiligt, dass ihr vor dem Konter der Spanier ein Eckball verweigert wurde.

Niederlande sorgt für Härte im Spiel

Die Härte hatten Robben und Co. allerdings selbst ins Spiel gebracht. Der Ex-Hamburger Nigel de Jong hätte nach einer halben Stunde für seinen Kung-Fu-Tritt gegen Xabi Alonso Rot sehen müssen.

"Wir wollten gewinnen, auch wenn es nicht so schöner Fußball war", sagte Bondscoach Bert van Marwijk zum harten Einsteigen seiner Schützlinge, die am Dienstag von König Beatrix im Palais Nooreinde in Den Haag empfangen werden. Am Dienstagnachmittag ehrt die Stadt Amsterdam die Mannschaft um Kapitän Giovanni van Bronckhorst mit einem Fest auf dem Museumsplein.

"Es war nicht das schönste Spiel, aber es war sehr spannend. Wir können stolz auf unsere Mannschaft sein. Sie hat das ganze Land förmlich einen Monat lang verführt und begeistert. Oranje kann mit erhobenen Haupt nach Hause fahren", resümierte Kronprinz Willem-Alexander, der auf der Tribüne Spaniens Königin Sofia gratulierte.

Ein F16-Kampfjet eskortierte die Maschine mit der Elftal am Montagnachmittag, als das Flugzeug niederländischen Lauftraum erreichte, in Richtung Flughafen Schiphol.

Van Gaal sieht verdienten Sieger

Dass die Niederländer verdient das Endspiel verloren, unterstrich Bayern-Coach Louis van Gaal. "Es fällt mir schwer zu sagen, aber Spanien hat die bessere Leistung gezeigt", äußerte der Meister-Trainer und meinte im Hinblick auf den "Straßenkampf" beider Teams in Soccer City.

"Die Niederlande haben hart gespielt. Das kommt auch durch das spanische Positionsspiel. Ich sage meinen Spielern immer, ihr müsst den Schiedsrichtern keine Chancen für Karten geben", erklärte van Gaal. "Von der VIP-Tribüne aus, aus 100 Metern Abstand habe ich die niederländischen Fouls noch gesehen."

Schwer enttäuscht war Bayern-Kapitän Mark van Bommel. "Wir sind hierhergekommen, um den Pokal mit nach Hause zu nehmen. Das ist uns nicht geglückt. Das werde ich mein ganzes Leben mit mir rumschleppen", sagte der Mittelfeldroutinier.

Van Marwijks Zukunft ungeklärt

Um die Zukunft seines Schwiegervaters, Coach van Marwijk, setzte nach dem Abpfiff Rätselraten ein.

Dieser besitzt zwar einen gültigen Vertrag bis zum Ende der EURO 2012 in Polen und der Ukraine, doch der Direktor des niederländischen Fußball-Bundes KNVB, Henk Kesler, soll von einer Offerte eines großen Fußballverbandes für van Marwijk berichtet haben.

"Ich habe mit dem KNVB eine Absprache getroffen. Ich kann gehen, wenn da etwas kommt, zu dem ich nicht nein sagen kann", sagte van Marwijk. Nun wird gerätselt, welche große Fußballnation möglicherweise beim Bondscoach angeklopft hat.

Festnahmen in Den Haag nach Final-Niederlage

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