Lutz Pfannenstiel im Interview

"Schönen Dank, Herr Blatter"

Von Interview: Matthias Kerber
Freitag, 16.07.2010 | 10:26 Uhr
Afrikas Teams konnten bei der WM nicht überzeugen - die Enttäuschung auf dem Kontinent ist groß
© Getty
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Lutz Pfannenstiel ist nicht nur ein Fußball-Globetrotter, der auf allen Kontinenten als Profi aktiv war. Er hat auch das Projekt "Global United FC" ins Leben gerufen, das gegen die globale Erderwärmung kämpft. Mittlerweile ist er Torwarttrainer der namibischen Nationalmannschaft. Im SPOX-Interview spricht er über das Abschneiden der afrikanischen Mannschaften bei ihrer Heim-WM und was verbessert muss, damit der Fußball auf dem schwarzen Kontinent in Zukunft Erfolge feiern kann.

SPOX: Sind Sie enttäuscht von der Leistung der afrikanischen Teams bei der WM?

Lutz Pfannenstiel: In erster Linie sind die Afrikaner sehr enttäuscht. Es war die erste WM auf dem eigenen Kontinent. Die Erwartungen waren natürlich riesengroß. Man hatte gehofft, dass bei sechs Mannschaften mindestens eine ins Halbfinale kommt. Man ist hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben.

SPOX: Welche Erwartungen hatten Sie persönlich an die afrikanischen Vertreter?

Pfannenstiel: Meine Prognose ist zu 95 Prozent eingetreten. In Südafrika ist man beispielsweise davon ausgegangen, dass man Weltmeister werden könnte. Wir haben im März mit unserer Nationalmannschaft in Namibia gegen die Bafana Bafana gespielt. Das Spiel ist 1:1 ausgegangen und wir hätten das Spiel eigentlich gewinnen müssen. Da habe ich schon gesagt, dass es Südafrika sehr schwer haben wird, die Vorrunde zu überstehen.

SPOX: Warum?

Pfannenstiel: Man muss hier mal Klartext reden. Südafrika war zu diesem Zeitpunkt Nummer 83 der FIFA-Weltrangliste. Auch wenn sie eine unglaubliche Unterstützung im eigenen Land haben sowie einen großen Trainer, kann man Qualität natürlich nicht in die Mannschaft zaubern. Dass sie in der Vorrunde ausgeschieden ist, war für mich keine Überraschung. Mannschaften wie Mali oder Gabun stehen in der Weltrangliste sehr viel höher. Und für den Afrika-Cup haben sie sich gar nicht qualifiziert.

SPOX: Und wie bewerten Sie die positive Leistung Ghanas?

Pfannenstiel: Nur bei den Black Stars hatte ich das Gefühl, dass die was reißen können. Die sind schon im Jugendbereich ganz anders strukturiert als die meisten anderen Afrikaner. Anthony Baffoe ist im Jugendbereich ja sehr stark involviert.

SPOX: Wie sehen diese Strukturen genau aus?

Pfannenstiel: Das sieht man schon am Spielstil. Vorbei sind die Zeiten des Spaßfußballs. Die Ghanaer spielen eine knallharte Defensivtaktik, alle Spieler befinden sich hinter dem Ball. Die Ergebnisse sprechen für sich. Ich denke, man sollte dem Beispiel Ghanas folgen. Die sind 2009 U-20-Juniorenweltmeister geworden, standen als einziges Team im WM-Viertelfinale und zudem im Finale des Afrika-Cups. Ich hoffe, dass das einen entsprechenden Nachahmungseffekt auslöst. Man erkennt eine gewisse Handschrift in ihrem Spiel und es gibt Kontinuität. Trainer Rajevac ist jetzt seit zwei Jahren dort und er hat dem Team seine Spielphilosophie erfolgreich vermitteln können. Die anderen Mannschaften machen diesen typisch afrikanischen Kardinalfehler alle Jahre wieder.

SPOX: Was meinen Sie genau?

Pfannenstiel: Die Elfenbeinküste holt ein paar Monate vorher Sven-Göran Eriksson, Südafrika holt Carlos Alberto Parreira zurück und Nigeria holt Lars Lagerbäck kurz vor dem Turnier. Wie will man da erfolgreich sein? Da muss sich auch der Trainer fragen, ob es sinnvoll ist, der Mannschaft in sehr kurzer Zeit ein neues Spielsystem beizubringen.

SPOX: Warum werden immer wieder kurzfristig ausländische Trainer verpflichtet? Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?

Pfannenstiel: Die Trainer werden ja meist vom Sportminister oder dem Präsidenten geholt. Der Grund ist ganz einfach. Ein großer Name bedeutet in Afrika automatisch Qualität. Und da die Funktionäre ihre Position behalten wollen, holen sie namhafte Trainer. Wenn die Teams dann ausscheiden, sagt der Sportminister, dass er alles getan habe für den Erfolg. Ergo: Mannschaft und Trainer haben versagt. In Afrika ist es eher so, dass sich der Fußball auf die Politik auswirkt und nicht die Politik auf den Fußball.

SPOX: Glauben Sie, dass dieses Leaderprinzip, also die kurzfristige Fokussierung auf einen großen Namen den Erfolg der Afrikaner verhindert?

Pfannenstiel: Das glaube ich schon. Wenn man sich die Mannschaften anschaut, sieht man ja das spielerische Potenzial. Die meisten Spieler sind bei europäischen Klubs, zum Teil Spitzenklubs unter Vertrag. Aber bei den großen Turnieren kommt durch die Trainer eine so komische Struktur in die Teams, sodass es dann nicht klappt.

SPOX: Langfristigkeit ist eine Komponente. Aber scheitern nicht auch viele europäische Trainer daran, dass sie mit der Mentalität der Spieler nicht umgehen können? Man hat doch oft den Eindruck, dass die Trainer, auch wenn sie im einen oder anderen Fall längerfristig eine Mannschaft betreuen, wie ein Fremdkörper wirken.

Pfannenstiel: Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Die Trainer müssen ein afrikanisches Team einfach anders führen, als sie das aus Europa gewöhnt sind. Man muss bestimmte Spieler einfach anders angehen.

SPOX: Da wäre die Variante eines afrikanischen Trainers doch die einfachste Lösung. Warum wird so wenigen Trainern Vertrauen geschenkt?

Pfannenstiel: Ein Grund sind sicherlich die politischen Umstände. Es ist für einen afrikanischen Trainer nicht einfach sich durchzusetzen. Die Kompetenzbereiche in den Fußballverbänden sind anders abgesteckt als beispielsweise in Deutschland. Theo Zwanziger würde vor dem Spiel nie in die Kabine gehen und Jogi Löw die Aufstellung diktieren. Das kommt aber in Afrika durchaus vor und der betreffende Trainer würde sich nie gegen den Präsidenten auflehnen, der ihm den Job verschafft hat. Das ist eine ganze andere Mentalität. Dass zu viele Leute Einfluss nehmen können, ist eines der Hauptprobleme im afrikanischen Fußball.

SPOX: Also doch zurück zu den ausländischen Trainern?

Pfannenstiel: Der Rückgriff auf europäische Trainer ist per se nicht schlecht, sofern man das Engagement langfristig anlegt. Wer allerdings einen Job als Nationaltrainer annimmt, muss aber auch mit voller Leidenschaft dabei sein. Das bedeutet, dass er nicht nur ein paar mal im Jahr das Land besucht. Er muss sich den Großteil des Jahres vor Ort befinden, sich Jugendspiele anschauen, um sich so auf die Mentalität und die Befindlichkeiten der Leute besser einstellen und einlassen zu können. Nur so kann man Erfolg haben.

SPOX: Wie nehmen Sie Ihre eigene Tätigkeit als Torwarttrainer Namibias wahr? Bei Namibia ist mit dem Belgier Tom Saintfiet ja auch ein europäischer Trainer im Amt?

Pfannenstiel: Mit Tom haben wir einen Trainer, der sich absolut mit dem Land und seiner Tätigkeit identifiziert. Der ist das ganze Jahr hier, der schaut sich jedes einzelne Ligaspiel an. Er betreut hier nicht nur die Nationalmannschaft, sondern ist auf jeder Ebene vom Jugendbereich bis zu den Profis involviert. Tom hat sich durch seine tägliche Arbeit natürlich ein ganzes anderes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Er hat eine ganz andere Bindung zu den Menschen. Er kann hier ganz in Ruhe arbeiten. Tom ist jetzt zwei Jahre im Amt und die Mannschaft hat sich kontinuierlich weiterentwickelt.

SPOX: Bringt die erste WM in Afrika den Fußball auf dem Kontinent weiter? Was bleibt von dem Turnier hängen?

Pfannenstiel: Ich bin davon überzeugt, dass die WM viele positive Auswirkungen haben wird. Für das Selbstbewusstsein des Kontinents sind die erfolgreiche Durchführung und die perfekte Organisation des Turniers enorm wichtig. Ich denke, ganz Afrika kann stolz sein. Die Weltmeisterschaft hat aber auch deutlich gemacht, wo es im sportlichen Bereich fehlt. Auch die Verbände haben gesehen, was gut und was schlecht gelaufen ist. Für die Zukunft gilt es, diese Erkenntnisse umzusetzen. Die Afrikaner haben womöglich die talentiertesten Spieler. Von ihren körperlichen Voraussetzungen sind die meisten Afrikaner anderen Teams überlegen. Um das Potenzial ausschöpfen zu können, bedarf es aber auch der nötigen Infrastruktur.

SPOX: Wo sehen Sie sonst noch Verbesserungsbedarf?

Pfannenstiel: Das Hauptproblem im afrikanischen Fußball liegt in der Position des Torhüters. Es gibt wenige bis gar keine guten afrikanischen Torhüter. Wir haben zwar einige gute Leistungen bei der Weltmeisterschaft gesehen, aber auch wieder katastrophale. Deshalb muss man das Torwartspiel durch Akademien und Torwarttrainer verbessern und weiterentwickeln. Ich denke, man kann durch spezifisches Training Einiges verbessern. Es hat sich aber in jedem Fall rentiert, die WM nach Südafrika zu vergeben. Ich muss wirklich sagen: Schönen Dank, Herr Blatter. So sehr er auch für die Vergabe der WM nach Südafrika kritisiert wurde; wie er das trotz aller Widerstände durchgezogen hat, verdient allerhöchsten Respekt.

SPOX: Was muss konkret geändert werden, damit die afrikanischen Teams in Zukunft erfolgreich Fußball spielen werden?

Pfannenstiel: Man braucht gute Jugendtrainer, man braucht gute Plätze und man braucht gutes Equipment. Eine gute Jugendausbildung ist das A und O. Nur so kann man in Zukunft erfolgreich sein.

Der Fußball-Globetrotter: Lutz Pfannenstiel im Steckbrief

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