Dienstag, 06.07.2010

GER - ESP: Entwicklung seit dem EM-Finale 2008

Deutschland kann auch anders

Zwei Jahre nach dem EM-Finale 2008 treffen Deutschland und Spanien im WM-Halbfinale aufeinander (Mi., 20 Uhr im LIVE-TICKER und auf Sky). Beide Teams sind in dieser Zeit höchst unterschiedliche Wege gegangen. Aus nachvollziehbaren Gründen. Doch Spaniens System gerät ins Wanken. Ein Vergleich.

EM-Finale 2008: Fernando Torres düpiert Philipp Lahm und Jens Lehmann und schießt Spaniens 1:0
© Getty
EM-Finale 2008: Fernando Torres düpiert Philipp Lahm und Jens Lehmann und schießt Spaniens 1:0
WM-Ergebnisse
Gruppen und Tabellen

Das Personal

Deutschland

Joachim Löw hat lediglich neun Vize-Europameister im Kader. Zentrale Figuren wie Torhüter Jens Lehmann, Abwehrchef Christoph Metzelder, Abräumer Torsten Frings oder Kapitän Michael Ballack sind aus unterschiedlichsten Gründen nicht (mehr) im Kader.

In der deutschen Startelf stehen nur sechs Vize-Europameister, von denen die Säulen Philipp Lahm, Arne Friedrich, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski auch noch ihre Spielpositionen gewechselt haben.

Dazu gesellen sich 14 Neue. Einige waren vor der EM 2008 schon im Blickfeld, andere spielten sich in der Zwischenzeit in Löws Kader und ein paar sogar erst in den letzten Tagen vor der Weltmeisterschaft. Dabei darf aber auch nicht vergessen werden, dass einige Personalentscheidungen auch den Verletzungssorgen vor dem Turnier geschuldet waren.

Trotzdem stellt Deutschland den drittjüngsten Kader aller WM-Teilnehmer und die jüngste Nationalmannschaft seit 76 Jahren. Als Unterbau haben sich die zuletzt ungemein erfolgreichen U-Nationalmannschaften bestens bewährt, aus deren Reservoir Löw fast beliebig schöpfen konnte und das auch tat.

Einige hoffnungsvolle Talente mit großem Potenzial und Ambitionen wie Benedikt Höwedes oder Mats Hummels müssen noch zwei Jahre auf ihr erstes großes Turnier warten.

Von den Neuen haben Manuel Neuer, Mesut Özil, Thomas Müller und Sami Khedira voll eingeschlagen, Jerome Boateng spielt eine immer wichtigere Rolle. Das alles konnte man in der Form vorher nicht erwarten.

Andere wie Serdar Tasci, Dennis Aogo, Jörg Butt und Tim Wiese stehen zwar bei null Spielminuten, sind aber "für das Mannschaftsgefüge unheimlich wichtig", wie Löw immer wieder betont. Anders als noch in Österreich und der Schweiz dringt kein Mucks nach außen - von Lahms angestoßener Kapitän-Diskussion einmal abgesehen.

Innerhalb der Mannschaft herrscht eine große Harmonie, selbst schwierige Charaktere halten sich an die Regeln und ordnen dem Erfolg des Kollektivs alles unter. Ein wichtiger Faktor ist hierfür auch die neue, flachere Hierarchie im Kader.

Mit Ballack hat der letzte Platzhirsch das Feld räumen müssen, das Machtvakuum füllen mehrere Spieler aus, auf und abseits des Platzes.

Spanien

15 Europameister stehen im WM-Kader. Die tragenden Säulen sind die gleichen geblieben, alle Schlüsselspieler der EM 2008 hatten nach dem EM-Titel Lust auf mehr. Torhüter Iker Casillas hat bereits über 100 Länderspiele gemacht, wenngleich die Nummer eins von Real Madrid vor dem Turnier in Testspielen seltene, eklatante Fehler machte und nicht wenige Experten in Spanien Victor Valdes oder Pepe Reina im Kasten sehen wollten.

Von den acht neuen Spielern kommen vier vom FC Barcelona. Valdes als Nummer drei. Innenverteidiger Gerard Pique ist über jeden Zweifel erhaben. Pedro ist Del Bosques Joker und Sergi Busquets hat den Job als Abräumer vor der Abwehr von Marcos Senna übernommen. Senna spielte eine überragende EM und kam auch in den meisten Quali-Spielen zum Einsatz. Doch eine durchwachsene Saison in Villarreal hat ihn den Platz im WM-Kader gekostet.

Busquets dagegen verdrängte bei Barca Yaya Toure und ist bei Del Bosque mittlerweile gesetzt. Auch Santi Cazorla, der in der Quali regelmäßig zum Einsatz kam, fehlt in Südafrika.

Party am Kap - die Fans der WM (Viertelfinale)
ARGENTINIEN - DEUTSCHLAND: Ausschließlich lange Gesichter im Block der argentinischen Fans nach der Demontage ihrer Albiceleste
© Getty
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Dabei hatte es vor dem Spiel noch so gut ausgesehen. Die Argentinier waren vor Beginn des Spiels aufreizend entspannt unterwegs
© Getty
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Der Jabulani in seiner schönsten Ausführung. Schwarz-Rot-Gold dominierte das Spielgerät dann auch auf dem Rasen
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Ekstase pur bei den Deutschen kurz nach dem Abpfiff. Diese Anhänger haben dem Coach der Gauchos noch eine Botschaft zu übermitteln
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PARAGUAY - SPANIEN: Heiß her ging es auf dem Feld hauptsächlich rund um die beiden verschossenen Elfmeter. Auf der Tribüne war die Stimmung schon vor Anpfiff grandios
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So klein und schon so laut. Ob seine Eltern dieses Geschenk noch irgendwann bereuen?
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URUGUAY - GHANA: Wie gehabt sind die ghanaischen Fans äußerst farbenfroh unterwegs - dieser Exot hat seine Hörner ganz clever mit kleinen Haarspangen befestigt
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Zu einem zähen Spiel gehören zähe Fans: Der hier sieht mit seiner Maske aus wie ein Wesen aus Mittelerde mit Howard-Carpendale-Perücke
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Nur eines der beiden Lieblingsteams dieses Anhängers hat es ins WM-Viertelfinale geschafft. Trotzdem hält er den nicht qualifizierten Schweden weiterhin die Treue
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Ganz bitteres Ende für Ghana. Auch die zahlreichen internationalen Anhänger konnten im Elfmeterschießen nicht mehr helfen
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NIEDERLANDE - BRASILIEN: "The Simple Life of South Africa"? Beim Anblick dieser Oranje- Damen denkt man unweigerlich an die Berufs-Blondinen Paris Hilton und Nicole Richie
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Samba-Feeling auf den Rängen: Auch die weiblichen Anhänger Brasiliens wussten, die Aufmerksamkeit der Kameraleute auf sich zu ziehen
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Die Männer im Publikum setzten auf Kreativität, wie diese beiden Burschen beweisen. Vorbildliches Verhalten: Unterschiedliche Anhänger in gemeinsamer Beklopptheit vereint
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Dieses sportliche Highlight konnte sich auch der Klon von Brasiliens Sturm-Legende Ronaldo nicht entgehen lassen. Inklusive waschechtem Bugs-Bunny-Equipment
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Die beiden Oranje-Fans links und rechts hatten wohl mehr zu lachen als der Brasilien-Anhänger in der Mitte. Optimistisch: Den WM-Pokal haben sie auch gleich mal eingepackt
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Sergio Ramos, Xavi, Andres Iniesta und David Villa, allesamt Stammspieler bei der EM 2008, sind auf ihren Positionen weitgehend konkurrenzlos. In der Abwehr hat Del Bosque viel ausprobiert. Arbeloa, Albiol, Navarro, Juanito, Iraola wurden getestet. Bei der WM spielt wie in Österreich und der Schweiz Carles Puyol in der Innenverteidigung und Joan Capdevila links.

Mit Jesus Navas ist ein dynamischer Spieler für die rechte Außenbahn dabei, der aber nicht ins System passt. Navas ist ein Dribbler, kein Kombinationsfußballer. Fernando Llorente ist der David Güiza der EM. Mit Javi Martinez und Juan Manuel Mata hat Del Bosque zwei aufstrebende Talente nach Südafrika mitgenommen.

Der Kern ist anders als bei Deutschland zusammengeblieben. Das gleiche gilt für die Hierarchie. Casillas ist Kapitän und Wortführer. Busquets und vor allem der herausragend spielende Pique haben die Barca-Achse mit Puyol, Xavi und Iniesta noch vergrößert.

"Wir müssen uns danach richten, was in den Vereinen passiert und gerade ist es der FC Barcelona, der die Spielweise auch in der Nationalmannschaft vorgibt. Es sind gerade die Mittelfeldakteure, die das Spiel einer Mannschaft definieren", sagte Del Bosque Mitte 2009.

Jahrzehntelang war die rote Furie von Neid und Missgunst zwischen Spielern von Real Madrid und Barcelona zerfressen. Früher redete ein Real-Spieler außerhalb des Platzes kein Wort mit einem Barca-Akteur und umgekehrt. Mittlerweile betonen alle das exzellente Verhältnis untereinander.

Staatsheiligtum Raul spielt bei Del Bosque wie unter Vorgänger Luis Aragones keine Rolle.

Deutschland vs. Spanien: Der Spielstil

Deutschland vs. Spanien: Das Umfeld

Stefan Rommel / Thomas Gaber

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