Merk kritisiert ungleiche Regelauslegung

SID
Sonntag, 20.06.2010 | 15:51 Uhr
Markus Merk beendete seine Karriere nach der Saison 2007/08
© Getty
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Die ungleiche Regelauslegung der Referees bei der WM stößt auch bei Markus Merk auf Unverständnis. "Das ist Wettbewerbsverzerrung", so der dreimalige Weltschiedsrichter.

Kartenspieler ohne Charakter und Tordiebe mit Scheuklappen: Bei der WM in Südafrika stehen die Referees am Pranger. Nach zahlreichen Fehlentscheidungen kritisierte am Sonntag auch der dreimalige Weltschiedsrichter Markus Merk die in vielen Fällen ungleiche Regelauslegung der WM-Unparteiischen und attackierte gleichzeitig den Weltverband FIFA.

"Das ist Wettbewerbsverzerrung. Die Diskrepanz in der Regelauslegung bei der WM ist gravierend. Und es sind ja keine Einzelfälle. Das wird sich durch das ganze Turnier ziehen", sagte Merk am Sonntag.

Laut Merk hatte insbesondere die deutsche Nationalmannschaft in ihren ersten beiden WM-Spielen gegen Australien (4:0) und Serbien (0:1) unter der Unberechenbarkeit der Schiedsrichter zu leiden. "Es kann nicht sein, dass die deutschen Spieler in so ein wichtiges Spiel wie gegen Ghana mit angezogener Handbremse gehen müssen, weil zwei Drittel der Mannschaft mit Gelb vorbelastet sind. Das kostet auf jeden Fall ein paar Prozent", meinte Merk.

DFB-Quintett verwarnt

Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Sami Khedira, Kapitän Philipp Lahm und Cacau gehen mit jeweils einer Verwarnung ins letzte Vorrundenspiel gegen Ghana am Mittwoch (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY). Bei einer weiteren Gelben Karte würden sie im Achtelfinale fehlen. Angreifer Miroslav Klose ist wegen seiner Gelb-Roten Karte aus dem Serbien-Spiel gegen die "Black Stars" bereits gesperrt. Die Gelben Karten werden erst nach dem Viertelfinale gestrichen.

Dass ausgerechnet der spanische Top-Referee Alberto Undiano bei der Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Serbien so kleinlich pfiff und insgesamt sieben Gelbe Karten verteilte, war allerdings absehbar. Denn der Chef der FIFA-Schiedsrichter-Kommission ist der Iberer Jose Maria Garcia-Aranda.

Der hatte auch seinen Landsmann vor Turnierbeginn darauf eingeschworen, bei jeder Kleinigkeit sofort durchzugreifen. Und wer ein WM-Finale pfeifen will, der sollte auf den Schiri-Boss hören.

"Wer so Zweikämpfe unterbinden will, zerstört die Seele des Fußballs", sagte Franz Beckenbauer. Garcia-Aranda will sich erst am Montag zu der Kritik an den Schiedsrichtern äußern, die Referees selbst erhielten einen Maulkorb. "Wenn es in jedem Spiel eine Rote Karte gibt, dann kann etwas nicht stimmen. Das ist nicht gut für den Fußball, das zerstört ihn. In der Champions League würde man darüber lachen", sagte Schweinsteiger.

USA fühlt sich betrogen

Die USA fühlten sich unterdessen um den Sieg gegen Slowenien (2:2) betrogen. Schiedsrichter Koman Coulibaly (Mali) erkannte das regelgerechte 3:2 für die US-Amerikaner durch Maurice Edu aus unerfindlichen Gründen nicht an. "Er hat uns das Tor geklaut. Aber er konnte uns nicht erklären, warum. Er sprach wohl kaum Englisch, er hat uns einfach ignoriert", sagte US-Angreifer Landon Donovan.

Merk behauptete allerdings, dass nicht die WM-Referees, sondern die Schiedsrichter-Kommission um den Vorsitzenden Garcia-Aranda Schuld an der Misere sei. Der Spanier war nach der WM 2002 in Südkorea und Japan an die Macht gekommen und habe seitdem das internationale Schiedsrichterwesen komplett auf den Kopf gestellt.

Darunter hatte auch Merk zu leiden. Bei der WM 2006 wurde der Kaiserslauterer nach dem WM-Vorrundenspiel zwischen Ghana und den USA aus dem Aufgebot gestrichen.

"Starke Charaktere will man jetzt nicht mehr haben. Alle Schiedsrichter werden in ein Korsett gezwungen. Das ist ganz bitter. Die Schiedsrichter sind bei der WM derart verunsichert, dass sie entweder total gehemmt oder ganz kleinlich pfeifen. Das beeinflusst die Ergebnisse beim Turnier. Aber die Kommission interessiert ohnehin mehr, ob die Rote Karte mit der rechten oder linken Hand gezeigt wird", sagte Merk.

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