"Deutschland kehrt auf die Erde zurück"

SID
Samstag, 19.06.2010 | 14:43 Uhr
Miroslav Klose sah in der 37. Minute Gelb-Rot
© Getty
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Mit einer Mischung aus Häme, Erleichterung und Verwunderung hat die internationale Presse auf Deutschlands 0:1-Niederlage gegen Serbien bei der WM in Südafrika reagiert. Die amerikanischen Medien fühlen sich betrogen, die Briten prügeln verbal auf die Three Lions ein.

Deutschland - Serbien (0:1)

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Deutschland, ein harter Hieb von den Serben. Die junge deutsche Nationalmannschaft hat begriffen, dass sie nicht mehr mit Gegnern aus Pappe wie Australien, sondern mit felsigen Serben zu tun haben. Die Deutschen verlieren nicht nur wegen des Schiedsrichters, sondern auch wegen der fehlenden Inspiration von Özil und Müller."

Corriere dello Sport: "Deutschland Flop, Serbien fliegt. Verwunschenes Match für die Deutschen. Die Euphorie nach dem Match gegen Australien ist für die Deutschen verflogen."

Tuttosport: "Die Niederlage gegen Serbien darf nicht täuschen. Deutschland bleibt eine Mannschaft, die ein Protagonist dieser WM sein kann, vor allem wenn sie im Angriff konkreter wird. Die Leistungen der Deutschen sind stark von dem Schiedsrichter bedingt worden, der auf ungerechte Weise Klose vom Platz gestellt hat."

La Repubblica: "Deutschland kehrt auf die Erde zurück. Ab heute lebt das Super-Deutschland der vier Tore gegen die eingeschüchterten Australier wieder auf dem Planeten der Normalen."

Corriere della Sera: "Kein Respekt für Deutschland. Die Mannschaft stürzt gegen Serbien ab und muss jetzt um die Qualifikation bangen. Bei dieser WM gibt es keinen Respekt für große Mannschaften"

ENGLAND

Daily Mail: "Der kann doch kein Deutscher sein! Podolski verpatzt einen Elfmeter... aber er wurde auch in Polen geboren."

Daily Mirror: "Wir hätten nie gedacht, dass wir das mal erleben würden: Die Deutschen verschießen zum ersten Mal seit 28 Jahren einen Elfmeter bei einer Weltmeisterschaft. Wir dürfen alle erleichtert einmal tief durchatmen. Deutschland ist doch nicht unfehlbar."

The Sun: "Freut euch... wenigstens haben die Deutschen verloren! England-Fans haben zumindest etwas, das sie zum Lächeln bringen wird: Deutschland hat verloren. OK, die Three Lions haben beim schrecklichen 0:0 gegen Algerien enttäuscht. Aber wenigstens können wir uns mit Deutschlands Niederlage trösten."

The Times: "Sie sind wohl doch menschlich. Wahrscheinlich ist es tatsächlich ein neues Deutschland - mit all der glitzernden Jugend, dem Talent und der lähmenden Zerbrechlichkeit. Haltet die Zeitungsdruckereien an, macht die erste Seite frei, ernennt einen offiziellen Feiertag: Diese historisch disziplinierte und erbarmungslose Fußball-Nation hat gerade ihren ersten Elfmeter während einer WM seit 1974 verschossen."

The Guardian: "Zehn-Mann-Deutschland rutschte in eine kontroverse und erstaunliche Niederlage, nachdem es zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder einen Elfmeter verschoss."

SPANIEN

AS: "Undiano und Podolski töten Deutschland. Undiandos Rot für Klose war viel zu streng, und Podolski vergeigt beim Elfmeter. Es gibt einfach keinen Schiedsrichter, der Spanien bei einem großen Turnier gut aussehen lässt, nicht einmal dieser, der Beste, den wir seit Jahren geschickt haben."

Marca: "Deutschland fällt aufs Maul. Die Deutschen konnten nicht ihre Linie aus dem Australien-Spiel fortsetzen und müssen jetzt noch einmal um das Achtelfinale kämpfen."

El Mundo Deportivo: "Deutschland von Serbien vom Sockel gestoßen. Kloses Rot schadete der deutschen Mannschaft."

Sport: "Der Ausblick für Deutschland ist düsterer geworden. Die deutsche Dampfwalze muss jetzt gegen Ghana um alles oder nichts spielen."

Slowenien - USA (2:2)

USA

New York Daily News: "Bestohlen beim World Cup!"

New York Post: "Stole the Goal!"

New York Times: "Erst Desaster, dann Hoffnung. Dann wurden sie bestohlen. Aber wenn sie so energisch von Beginn an gespielt hätten, hätten sie das Tor, das mit Sicherheit berechtigt war, gar nicht gebraucht."

Chicago Tribune: "Der Schiedsrichter hat etwas gesehen, was keiner sah. Das Spiel endete 2:2, doch die Amerikaner werden immer behaupten können, sie hätten 3:2 gewonnen."

Boston Globe: "Macht schon, jammert über das amerikanische Tor, das keines war. Der Pfiff war sicherlich fragwürdig. Aber wenn du (wieder) so zurückhaltend anfängst, wenn du (wieder) früh in Rückstand gerätst, wenn du (wieder) deine Chancen nicht nutzt, dann verlierst du dein Recht, dich zu beschweren."

USA Today: "Ein kontroverser Pfiff versagt den USA einen Comeback-Sieg gegen Slowenien."


England - Algerien (0:0)

ENGLAND

The Times: "Rooney 0, Capello 0, England 0, Algerien 0. Fürchtet euch. Fürchtet euch sehr. Eine erneute schwache Vorstellung lässt England zittern. Englands Unfähigkeit, den Ball flach, flüssig und mit Kreativität in den eigenen Reihen kreisen zu lassen, liegt ausschließlich an den selben alten Schwächen."

The Sun: "Roo-Boo-Zela. Das Geräusch der Vuvuzelas wurde übertönt von Buhrufen, während die Three Lions nach dem schwachen 0:0 vom Platz schlichen. Die Höhepunkte des Spiels in der Zusammenfassung: 19.30 Uhr: Algerien hat Anstoß. 19:42 Uhr: Ein kleiner brauner Vogel sitzt auf dem Tor Algeriens - ähm, das wars. An dem Tag, an dem man erwartet hatte, dass sie ihre beste Seite zeigen würden, um den 70. Jahrestag der berühmten Kriegsrede von Winston Churchill zu ehren, winselten die Three Lions eher, als dass sie brüllten."

Daily Mail: "Der beste Spieler der Welt? Rooney wendet sich gegen buhende Fans, die viel Geld zahlten, um ihren Helden zu sehen. Der Torwart war ein anderer. Sonst änderte sich nicht viel. Nicht die Qualität des Fußballs. Nicht das Ergebnis. Nicht die Erkenntnis, dass England eine Mannschaft ist, die viel verspricht, aber wenig liefert. Der bestbezahlte Trainer im internationalen Fußball sollte seinen 64. Geburtstag schnell vergessen und anfangen, sich sein Geld wirklich zu verdienen. Er sollte sich besser schnell etwas überlegen und mit einer Idee um die Ecke kommen, die einem Team, das im Moment dabei ist, aus dem Turnier zu stolpern, neues Leben einhaucht."

Daily Star: "Capellos Trottel sind ein einziges Chaos. Rooney gibt buhenden Fans das F-Wort. Eine höllische Geburtstagsparty, bei der die Fab-Boys enttäuschen. Capello hat am selben Tag wie Paul McCartney Geburtstag - und gestern wollte die ganze Nation rufen: Help! Wenn Rooney vorher das Spiel als leichte Aufgabe bezeichnet und davon spricht, die letzten beiden Gruppenspiele problemlos zu gewinnen, dann sollten unsere Spieler vielleicht anfangen so etwas wie Demut zu zeigen."

Daily Mirror: "Cape Clowns. Capello ist hilflos - und England steht kurz vor dem Aus. Ein grässliches England scheitert erneut, und Rooneys Form bereitet große Sorgen. Das sollte Rooneys WM werden. Er sollte auf Augenhöhe mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo spielen und zeigen, wer der beste Spieler auf diesem Planeten ist. Dies sollte die WM werden, bei der England zeigt, wie sehr sich die Spieler unter Capello entwickelt haben, wie sich der Ethos und die Einstellung der Three Lions geändert hat. Davon haben wir nichts gespürt. England spielte, als sei es nicht in Kapstadt, sondern am Kap der Angst."

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