Die vergessene Geschichte des Marius Hiller

SID
Donnerstag, 01.07.2010 | 12:12 Uhr
Marius Hiller hätte im Finale 1990 möglicherweise beiden Teams die Daumen gedrückt
© Getty
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Sie nannten ihn El Aleman - oder nur Cuarenta y dos. Marius Hiller, der einzige Fußballer, der je für Deutschland und Argentinien gespielt hat, erinnerte die Gauchos an ein deutsches 42-Zentimeter-Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg. Die Schussgewalt, die Präzision, ein echter Meisterschütze. Geboren in Pforzheim, geliebt und alsbald vergessen am Rio de la Plata.

Marius Hiller kennt heute in Argentinien niemand mehr - noch nicht einmal der nationale Fußball-Verband AFA. Anfragen laufen ins Leere. Sogar in Deutschland wird gestutzt - dabei ist Marius Hiller der bis heute jüngste Spieler, der für die deutsche Nationalelf ein Tor erzielt hat. Am 3. April 1910, beim 3:2 gegen die Schweiz in Basel, mit 17 Jahren, 7 Monaten und 28 Tagen.

"Trickreich, leichtfüßig und trotz seines schmächtigen Körperbaus ungemein schussstark", sei Hiller gewesen, berichtet die Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Kein Wunder, dass diese Qualitäten auch in Argentinien ankamen.

Ein Typ wie Fritz Szepan

1916 wurde Bubi Hiller dort Torschützenkönig, als Repräsentant einer Uhrenfirma aus der Schweiz hatte es ihn nach Südamerika verschlagen.

"Hiller war ein Typ wie Fritz Szepan. Es trieb ihn um. Er spielte bei La Chaux-de-Fonds, spielte in Buenos Aires und wurde El Capitano der Argentinien-Elf. So weit hat es kein deutscher Spieler gebracht", schrieben Richard Kirn und Alex Natan für ein Taschenbuch im Ullstein-Verlag 1958. Gleichwohl ist die letzte Information nicht verbürgt.

Hillers Onkel eine Berühmtheit

Niemand dagegen stellt infrage, dass Marius Hiller am 16. August 1916 seinen Einstand in der Albiceleste gab. Am 1. Oktober erzielte er drei Tore beim 7:2 gegen Uruguay, dennoch folgten keine weiteren Länderspiele. 1917 traf er 52-mal in 39 Meisterschaftsspielen, 1918 wurde er mit River Plate argentinischer Meister.

Nach dem Sieg gegen die Urus schrieb die Deutsche "La Plata Zeitung": "Ganz besonders ist das Spiel von M. Hiller und E. Hanes (zweifacher Torschütze, Anm. d. Red.) hervorzuheben, die auf dem Fußballplatz in Avellaneda eine Klasse für sich bedeuteten, und so ist auch diesen der glänzende Sieg zu verdanken."

Schon der Onkel war eine kleine Berühmtheit. Arthur Hiller, genannt Hiller II, ging 1908 als erster Spielführer einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft in die Geschichte ein. Hiller I war schon für Wilhelm Hiller reserviert, 1906 deutscher Vizemeister mit dem 1. FC Pforzheim. Folgerichtig erhielt Marius, der sich später angeblich in Eduardo umtaufen ließ, den Spitznamen Hiller III.

Letztes Geleit in Buenos Aires

Bubi nahm jede Gelegenheit wahr, mit den Onkeln auf den Fußballplatz oder zum Training zu gehen, wie Joachim Hiller, ein heute noch in Pforzheim lebender Cousin von Marius, schildert: "Er trug ihnen die Sporttaschen, putzte ihnen die Schuhe und half, die Torstangen mit auf den Platz zu tragen." Dabei war Fußball verpönt: "Man beschimpfte sie als Lumpenpack und bewarf sie mit Eiern."

Bei einem seiner drei Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft stellte sich Marius Hillers englischer Gegenspieler artig vor. Er nannte seinen Stammverein Huddersfield Town. Dies hörte sich für Hiller an wie "Henn dr viel z'dun?", was Pforzheimer Mundart ist und auf Hochdeutsch so viel bedeutet wie "Hast du viel zu tun?" Hiller antwortete: "Ha jo, mir schaffe in de Weil" - wir machen Überstunden.

Marius Hiller starb am 17. Oktober 1964, vielleicht am 17. November, auf jeden Fall an einem Herzinfarkt. Mehrere Quellen berichten von Tausenden, die ihm auf dem deutschen Friedhof von Buenos Aires das letzte Geleit gaben. In Archiven argentinischer Zeitungen dagegen ist nichts zu finden. Marius Hiller starb wohl doch als Vergessener.

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