Daddy Cool lebt

Von Fatih Demireli
Freitag, 04.06.2010 | 11:11 Uhr
Harry Kewell (r.) schoss zwischen 2008 und 2010 in 43 Pflichtspielen für Galatasaray 17 Tore
© Getty
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Harry Kewell war schon abgeschrieben. Kaum jemand hat noch auf ihn gesetzt. Doch in der Türkei feierte Daddy Cool seine Wiedergeburt und will sich trotz aller Probleme nun mit Australien bei der WM beweisen.

Es war im Sommer 2008. Der türkische Spitzenklub Galatasaray warb für sein neues Mobilfunkangebot und ließ seine Stars in den Werbespots als Hauptdarsteller ran.

Jeder sollte seine eigene Geschichte erzählen. Der Youngster Arda Turan sprach davon, wie er als Balljunge hinter dem Tor stand und Vorbildern wie Gheorghe Hagi zujubelte. Lincoln sprach von Gott, der ihm den Weg zu Galatasaray vorzeichnete.

"Er steht nicht mehr auf"

Und da war noch Harry Kewell. Der Australier erzählte, dass ihn alle schon abgeschrieben hatten. "Sie sagten alle: 'Er steht nicht mehr auf, für ihn ist es aus', aber ich wurde bei Galatasaray wiedergeboren." Kewells Spot beruhte auf einer wahren Begebenheit.

Der Australier galt lange Zeit als einer der besten Fußballer in England, spielte für Leeds United und den FC Liverpool auf hohem Niveau und gewann 2005 die Champions League. Beim legendären Finale gegen den AC Mailand stand Kewell in der Startelf.

"Galatasaray? Nein!"

Doch den vielen Highlights in der Karriere des Offensivspielers folgten meistens böse Verletzungen, die ihn lange außer Gefecht setzten und sogar den Fortlauf seiner Karriere bedrohten. Bei Galatasaray schien die Leidenszeit aber endlich ein Ende zu nehmen.

"Der Wechsel zu Galatasaray war absolut die richtige Entscheidung. Ich muss zugeben, dass ich damals, als ich das Angebot bekam, erst einmal gesagt habe: Galatasaray? Nein! Aber beim zweiten Hinsehen habe ich es dann doch gemacht", so Kewell zu Beginn seiner Gala-Zeit im Sommer 2008.

Die Wiedergeburt

Kewell avancierte schnell zum Publikumsliebling und auch die schlimmen Verletzungen gerieten in Vergessenheit. Kewell spielte und spielte. Links, rechts, hinter der Spitze, als Stürmer - sogar als Innenverteidiger half er im UEFA-Cup gegen den Hamburger SV aus. Kewell war wiedergeboren.

Als zu Beginn der vergangenen Saison Frank Rijkaard bei Galatasaray das Zepter übernahm, kamen zunächst Gerüchte auf, dass der Niederländer Kewell in seinem Kader nicht haben will. Konditionelle Probleme wurden dem Linksfuß angelastet - in der Tat spielte Kewell selten 90 Minuten durch.

Liebling der Fans

Aber Kewells überragende Form in der Vorbereitung und in der Hinrunde machten ihm zum Stammspieler. Er war aus dem Team nicht wegzudenken und schon gar nicht aus dem Ali Sami Yen Stadion, indem er einen Sonderstatus genoss.

Die Fans liebten ihn, widmeten ihm persönlich sogar eine leicht abgeänderte Form des Partyschlagers "Daddy Cool" mit dem Namen ihres sympathischen Superstars. Die Liebe der Fans wurde aber zum ernsthaften Problem für den Verein.

Schlimme Verletzung

Als sich Kewell im Januar schwer an der Leiste verletzte und für den Rest der Saison auszufallen drohte, dachte Galatasaray an eine vorzeitige Auflösung des ohnehin zum Ende der Saison endenden Vertrags.

Hintergrund war die Verpflichtung neuer ausländischer Spieler, die Galatasaray plante, aber aufgrund der Ausländerbegrenzung nicht tätigen konnte, ohne einen Spieler gehen zu lassen.

Kewell schien aufgrund seiner Verletzung geradezu prädestiniert, aber die Fans wüteten, gründeten Webseiten und skandierten im Stadion den Namen Kewells.

Trotz Sorgen im WM-Kader

Der Vorstand knickte ein und trennte sich stattdessen von Shabani Nonda - dem damals einzigen gesunden Stürmer. Galatasaray spielte mehrere Wochen ohne einen echten Stürmer und verlor wohl auch aufgrund dieser Tatsache früh den Kampf um den Titel.

Die Genesung Kewells sollte als Trost herhalten, doch dass der Routinier in der Rückrunde nur zwei Minuten auf dem Platz stand, machte das Dilemma perfekt.

Trotz Verletzungs- und Fitnesssorgen hat Pim Verbeek, Trainer Australiens, Kewell nun in seinen Kader für die WM berufen.

"Das schaffe ich"

Kewell hat noch kein Testspiel absolviert, trainierte noch nicht einmal voll mit der Mannschaft. Trotzdem plant Verbeek mit Kewell sogar für den WM-Auftakt gegen Deutschland am 13. Juni.

"Das Team braucht mich in bester Verfassung, und ich glaube, das schaffe ich", sagt Kewell. Daddy Cool gibt ein Lebenszeichen und nicht nur seine Landsleute freuen sich darüber.

Der Kewell-Einsatz zum Auftakt gegen Deutschland bleibt aber weiter offen. Ähnlich wie seine Zukunft. Eine Gruppe von Galatasaray-Fans gründete zwar die Webseite "staywithusharry.com", aber diesmal will sich die sportliche Führung nicht manipulieren lassen.

Neuer Klub gesucht

"Harry wird in der kommenden Saison nicht mehr bei uns sein. Aufgrund seines Alters und seiner Verletzung sind wir zu diesem Schritt gezwungen", sagt Fußballchef Haldun Üstünel. Wohl fühlt er sich bei dieser Aussage nicht.

Kewell würde gerne bleiben, wird die WM aber auch dafür nutzen, um sich neu zu beweisen und sich für neue Klubs zu empfehlen. Und vielleicht stehen ja bald der nächste Werbespot und die nächste Wiedergeburt an.

Australien im Teamporträt: Jesus und die Maschinen

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