Arne Friedrich im Porträt

Plötzlich ein Held

Von Für SPOX in Südafrika: Stefan Rommel
Mittwoch, 30.06.2010 | 21:54 Uhr
Arne Friedrich spielt bisher eine überragende WM in Südafrika
© Imago
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Arne Friedrich hat das schlimmste Jahr seiner Karriere hinter sich. Auch sein Weg in der Nationalmannschaft war steinig. In Südafrika entpuppt er sich als Abräumer mit Überblick. Für die DFB-Elf ist er aber noch aus einem anderen Grund unverzichtbar.

Am Mittwoch ist David Silva vom FC Valencia zu Manchester City gewechselt. Silva ist ein toller Stürmer von wahrlich internationalem Format, er war eine der Hoffnungen der Spanier bei dieser Weltmeisterschaft.

Aber seit seinem Startelfeinsatz beim 0:1 gegen die Schweiz zum Auftakt wärmt Silva nur noch die Bank. Er ist zum Ergänzungsspieler geworden, allenfalls kann er sich im teaminternen Ranking noch Mitläufer nennen. Und trotzdem wird City die sagenhafte Summe von rund 35 Millionen Euro nach Spanien überweisen.

Arne Friedrich hat den umgekehrten Weg eingeschlagen. Er ist mit Hertha BSC aus der Bundesliga abgestiegen und als Wackelkandidat und dem zweifelhaften Image der grauen Maus zur WM angereist.

Der größte Gewinner

Nach vier Spielen ist der Noch-Berliner der größte Gewinner in der Mannschaft der Gewinner. "Arne hat bisher ein super Turnier gespielt. Er ist kompromisslos im Zweikampf und hilft seinen Nebenleuten", sagt Torhüter Manuel Neuer, der Friedrichs Arbeit immerhin aus bester Position beobachten darf.

Als Per Mertesacker in den ersten drei Spielen teilweise große Probleme mit sich selbst und seinem Spiel hatte, war es Friedrich, der den Laden hinten dicht hielt. Und der dem Langen in der Bredouille auch verbal zur Seite stand.

"Er hatte eine schwierige Phase. Aber auch das gehört dazu: Auch mal ein Tal zu durchschreiten. Dann kommt man nur noch gestärkter wieder daraus hervor", sagt er im Duktus eines elder statesman.

Schwierige Jahre beim DFB

Er muss es wissen. Schließlich war es jahrelang er, der die Prügel bezog. Vor acht Jahren startete Friedrich nach nur zwei Bundesligaspielen seine Karriere in der Nationalmannschaft. Groß aufgefallen ist er seither dort eigentlich nie. Es sei denn, es wurde ein Sündenbock gesucht. Dann stand Friedrich schnell auf der Liste.

Es entwickelte sich eine Spirale aus Vorwürfen der Presse und allzu empfindlicher Reaktionen des Gescholtenen. Friedrich reagierte zu sensibel auf die Kritik an seiner Spielweise, also nahmen die negativen Schlagzeilen nur noch mehr zu.

"Herthanischer Rückpassautomat" taufte ihn die "Süddeutsche Zeitung" in Anlehnung an seine Sicherheitsspielweise, die angeblich nicht mehr dazu passte zum deutschen Hurra-Fußball unter Klinsmann.

Lichtblick als Sonderbewacher

2006 verzauberte eine gute deutsche Mannschaft die Nation, das Unternehmen wird noch heute als Sommermärchen verklärt. Vor vier Jahren war Friedrich aber gemäß seinem Image einer der Blassen geblieben in einer Ansammlung grell schillernder Helden.

Klinsi, Poldi und Schweini, selbst der damalige Co-Trainer Jogi war populärer als er. Er war der elfte Mann, der eben auch dazugehört und dem die Rolle des rechten Außenverteidigers nur deshalb zugefallen war, weil sich partout kein anderer dafür finden ließ.

Einen ersten Lichtblick erlebte er dann zwei Jahre später bei der Europameisterschaft im Viertelfinale gegen Portugal, als die halbe Nation Angst vor dem vorzüglich aufgelegten Cristiano Ronaldo hatte und Friedrich die undankbare Aufgabe zuteil wurde, dem Wunderknaben das Handwerk zu legen.

In der Zeit suchte er auch einige Monate Hilfe bei einem Psychologen, wie er damals als einer der ersten überhaupt unumwunden zugab.

Friedrich schließt zwei Lücken

Seit dieser Partie war der 31-Jährige lange Zeit immer vor allem dann zu gebrauchen, wenn einem Star auf des Gegners Seite eine ganz spezielle Art der Bewachung gewidmet werden sollte. Bis zur WM sollte dies so bleiben - aber die etwas anderen Umstände veränderten dann doch so viel.

Mertesacker war längst sein langjähriger Gefährte Christoph Metzelder abhanden gekommen, Bundestrainer Joachim Löw konnte aber selbst in zweijähriger Suche keinen geeigneten Nachfolger finden.

Mit Michael Ballack fiel der große Boss der Mannschaft einer Verletzung zum Opfer. Also waren gleich zwei Planstellen im Team vakant. Nur erschien Friedrich nach einer katastrophalen Saison mit Hertha BSC nicht unbedingt derjenige, der eine davon würde ausfüllen können.

Abräumer mit Überblick

Aber irgendwie wirkte die Rückkehr in den Kreis der Nationalmannschaft für ihn wie eine Befreiung. Ohne Ballack, mit dem er sich 2008 schüchtern angelegt hatte, erhielt Friedrichs Wort immer mehr Gewicht. Als Mitglied des Mannschaftsrats sieht er sich in der Pflicht, die Jungen zu leiten.

"Ich bin jetzt seit acht Jahren bei der Nationalmannschaft, aber so einen Zusammenhalt wie jetzt habe ich noch nie erlebt", sagt er. Das Hohelied auf den Kader ist dann aber auch eine kleine Anklage an die Zeit davor, mit den Ballacks, Frings' und Lehmanns.

Seinen Job als Leithammel jedenfalls füllt er perfekt aus. Er ist einer derjenigen, die selbst in der Stunde des Triumphs mahnende Worte finden, wie zuletzt nach dem zittrigen 1:0 gegen Ghana. Eine Mannschaft brauche Typen, die den Überblick bewahren. Friedrich ist derzeit dafür der ideale Mann, auch auf dem Feld.

Er geht deutlich öfter ins Tackling als sein Kollege Mertesacker, er ist dann der, der "auch mal ein Zeichen setzt", wie er selbst es nennt, wenn er abräumt. "Der Gegner soll ruhig wissen, mit wem er es zu tun hat."

Zukunft weiter unklar

Mit wem er es selbst ab August zu tun hat, steht angeblich immer noch nicht fest. Er wird Berlin wohl verlassen, neulich hat der VfL Wolfsburg wieder sein konkretes Interesse bekundet. Dieter Hoeneß ist da ja seit ein paar Monaten Manager.

Hoeneß hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Rennen um den Innenverteidiger: Er kennt Friedrichs Vertragswerk nur zu gut, schließlich hat er es in seiner Zeit bei der Hertha mit ausgehandelt.

Also bot Hoeneß angeblich die fast schon lächerliche Summe von 1,1 Millionen Euro Ablöse. Natürlich holte er sich in Berlin damit ein klares "Nein" ab. David Silva, der Bankdrücker aus Spanien, kostet schließlich rund 30-mal so viel.

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