32 Länder - 32 Geschichten: Deutschland

Drei Titel, drei Zeitgeschichten

Von Stefan Rommel
Freitag, 11.06.2010 | 11:46 Uhr
Andreas Brehme (2.v.l.) erzielte im 1990 im Finale das entscheidende Tor per Elfmeter
© Getty
Advertisement
Championship
Ipswich -
Sheffield Wed
Copa Libertadores
Gremio -
Lanus
Indian Super League
Chennai -
NorthEast United
Copa Sudamericana
Flamengo -
Junior
Indian Super League
Kerala -
Jamshedpur
Ligue 1
St. Etienne -
Straßburg
Premiership
Dundee -
Rangers
Premier League
West Ham -
Leicester
Primera División
Celta Vigo -
Leganes
A-League
FC Sydney -
Brisbane
Primera División
Alaves -
Eibar
Championship
Barnsley -
Leeds
Serie A
Bologna -
Sampdoria
Championship
Norwich -
Preston
Primera División
Real Madrid -
Malaga
Ligue 1
Rennes -
Nantes
Serie A
Chievo Verona -
SPAL
Serie A
Sassuolo -
Hellas Verona
Premier League
Liverpool -
Chelsea
Primera División
Real Betis -
Girona
Championship
Sheff Utd -
Birmingham
Ligue 1
Caen -
Bordeaux
Ligue 1
Dijon -
Toulouse
Ligue 1
Metz -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Lille
Ligue 1
Troyes -
Angers
Premier League
Tottenham -
West Bromwich (DELAYED)
Primera División
Levante -
Atletico Madrid
Premier League
Swansea -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
Stoke (DELAYED)
Premier League
Man United -
Brighton (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Watford (DELAYED)
J1 League
Cerezo Osaka -
Kobe
J1 League
Kashima -
Kashiwa
Primera División
La Coruna -
Bilbao
Eredivisie
Excelsior -
PSV
Premier League
Southampton -
Everton
Super Liga
Cukaricki -
Roter Stern
Ligue 1
Nizza -
Lyon
Serie A
Genua -
AS Rom
Serie A
AC Mailand -
FC Turin
Serie A
Udinese -
Neapel
Primera División
Real Sociedad -
Las Palmas
Ligue 1
Marseille -
Guingamp
Premier League
Huddersfield -
Man City
1. HNL
Cibalia -
Rijeka
Serie A
Lazio -
Florenz
Primera División
Villarreal -
Sevilla
Premier League
Burnley -
Arsenal (DELAYED)
First Division A
Brügge -
Zulte-Waregem
Primera División
Valencia -
Barcelona
Serie A
Juventus -
Crotone
Ligue 1
Monaco -
PSG
Primeira Liga
Benfica -
Setubal
Superliga
River Plate -
Newell's Old Boys
Premier League
Spartak -
Zenit
Serie A
Atalanta -
Benevento
Championship
QPR -
Brentford
Primera División
Espanyol -
Getafe
Ligue 1
Amiens -
Dijon
Ligue 1
Straßburg -
Caen
Coppa Italia
Sampdoria -
Pescara
Ligue 1
Bordeaux -
St. Etienne
Premier League
Watford -
Man United
Copa del Rey
Real Madrid -
Fuenlabrada
Premier League
Brighton -
Crystal Palace (DELAYED)
Premier League
West Bromwich -
Newcastle (DELAYED)
Premier League
Leicester -
Tottenham (DELAYED)
Copa Sudamericana
Independiente -
Libertad
Coppa Italia
Chievo Verona -
Hellas Verona
Ligue 1
Angers -
Rennes
Ligue 1
Guingamp -
Montpellier
Ligue 1
Lyon -
Lille
Ligue 1
Metz -
Marseille
Ligue 1
Nantes -
Monaco
Ligue 1
Toulouse -
Nizza
Copa del Rey
Barcelona -
Murcia
Premiership
Rangers -
Aberdeen
Cup
Anderlecht -
Lüttich
Ligue 1
PSG -
Troyes
Premier League
Stoke -
Liverpool
Copa del Rey
Atletico Madrid -
Elche
Premier League
Bournemouth -
Burnley (DELAYED)
Premier League
Arsenal -
Huddersfield (DELAYED)
Premier League
Man City -
Southampton (DELAYED)
Premier League
Everton -
West Ham (DELAYED)
Premier League
Chelsea -
Swansea (DELAYED)
Copa Libertadores
Lanus -
Gremio
Indian Super League
Goa -
Bengaluru
Copa del Rey
Villarreal -
Ponferradina
Cup
Zulte-Waregem -
Brügge
Coppa Italia
Genua -
Crotone
Copa Sudamericana
Junior -
Flamengo
Indian Super League
Jamshedpur -
Kalkutta
Serie A
AS Rom -
SPAL
Primeira Liga
Sporting -
Belenenses
Ligue 1
Dijon -
Bordeaux
Serie A
Neapel -
Juventus
Championship
Leeds -
Aston Villa
Primera División
Malaga -
Levante
Primeira Liga
Porto -
Benfica
J1 League
Iwata -
Kashima
J1 League
Kobe -
Shimizu
A-League
Newcastle -
Melbourne City
Primera División
Barcelona -
Celta Vigo
Premier League
Chelsea -
Newcastle
Premier League
Lok Moskau -
Kasan
Premier League
Brighton -
Liverpool
Championship
Millwall -
Sheffield Utd
Primera División
Atletico Madrid -
Real Sociedad
Ligue 1
Straßburg -
PSG
Premier League
Arsenal -
Man Utd
Primera División
Sevilla -
La Coruna
Championship
Bristol City -
Middlesbrough
Ligue 1
Lille -
Toulouse
Ligue 1
Monaco -
Angers
Ligue 1
Nizza -
Metz
Ligue 1
Rennes -
Amiens
Ligue 1
Troyes -
Guingamp
Premier League
Watford -
Tottenham (DELAYED)
Eredivisie
Feyenoord -
Vitesse
Primera División
Bilbao -
Real Madrid
Serie A
FC Turin -
Atalanta
Premier League
Everton -
Huddersfield (DELAYED)
Premier League
West Brom -
Crystal Palace (DELAYED)
Primera División
Leganes -
Villarreal
Serie A
Benevento -
AC Mailand
Premiership
Aberdeen -
Rangers
Eredivisie
PSV -
Sparta
Premier League
Bournemouth -
Southampton
Ligue 1
St. Etienne -
Nantes
Serie A
Bologna -
Cagliari
Serie A
Florenz -
Sassuolo
Serie A
Inter Mailand -
Chievo Verona
Primera División
Getafe -
Valencia
Ligue 1
Caen -
Lyon
Premier League
Man City -
West Ham
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Inter Zapresic
Primera División
Eibar -
Espanyol
First Division A
Zulte-Waregem -
Gent
Primera División
Las Palmas -
Real Betis
Serie A
Sampdoria -
Lazio
Ligue 1
Montpellier -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Arsenal
Serie A
Crotone -
Udinese
Championship
Birmingham -
Wolverhampton
Primera División
Girona -
Alaves
Serie A
Hellas Verona -
Genua

32 Teams nehmen an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Jedes Teilnehmerland hat seine eigene Geschichte zu erzählen. SPOX greift aktuelle Entwicklungen auf, lässt Protagonisten zu Wort kommen oder beleuchtet historische Ereignisse. Heute: Deutschland.

Alle drei deutschen WM-Titel gingen einher mit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen Umwälzungen im Land. Ein Rückblick.

Und plötzlich wurde es Fritz Walter wieder schlecht. Der alte Fritz hatte vor seinen Spielen immer mal wieder mit Magenkrämpfen und Übelkeit zu kämpfen, oft genug musste er sich übergeben.

So war es auch dieses eine Mal. Aber diesmal war es kein gewöhnliches Spiel der Südwestliga gegen Homburg oder Pirmasens. Diesmal stand Walter in den Katakomben und blickte den Spielern der ungarischen Nationalmannschaft in die Gesichter.

Jenen Ungarn, die seine Mannschaft knapp zwei Wochen zuvor mit 8:3 vom Platz gefegt hatte wie eine starker Wind ein paar welke Blätter von einem Baum.

Als Niemand zur WM

Deutschland war zum ersten Mal nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wieder bei einer WM dabei. Als ein Niemand, sportlich, politisch und wirtschaftlich.

Deutschland hatte in den Nachkriegsjahren im Ausland einen schweren Stand, die Erinnerungen an den Krieg waren noch viel zu frisch. Wir waren nicht anerkannt. Wer bitteschön war Deutschland?", beschreibt Horst Eckel im Gespräch mit SPOX das unsichere Gefühl, mit dem sich er und seine Kameraden im Juni 1954 in die Schweiz aufmachten.

Zu Hause lagen einige Landstriche noch in Trümmern, die Nation erholte sich von den Gräueln des Krieges. Überall gab es viele Zweifel und wenig Hoffnung. Obwohl die neue Regierung um Bundeskanzler Konrad Adenauer im Ausland erste zaghafte Bande knüpfen konnte.

In Deutschland konnte nicht jeder verstehen, warum ausgerechnet für etwas Unwichtiges wie Fußball Gelder ausgegeben wurden, wo jede Mark besser gerbraucht werden konnte.

Aufschwung dank Anti-Helden

Das 3:2 im Finale von Bern und vor allen Dingen dessen Zustandekommen versetzten dann nicht nur Fußball-Fans in einen Rausch. Auch der Rest der Nation erwachte aus dem Koma.

Und mindestens genauso wichtig: Deutschland widersprach dem Klischee. Hier hatte keine herrische Kampfmaschine den Pokal gewonnen. Sondern eine Ansammlung demütiger Anti-Helden.

Genau diese Bescheidenheit stand im krassen Gegensatz zu den Weltmachtsphantasien, denen der Großteil der deutschen Bevölkerung nur zehn Jahre zuvor noch blind ins Verderben gefolgt war. Und das machte die Deutschen wieder ein Stück weit sympathisch.

Ludwig Erhard mag bis heute als Synonym für das danach folgende Wirtschaftswunder in Deutschland gelten. Die Mannschaft um Fritz Walter aber war dessen heimlicher Initiator.

Fußball rückt in den Hintergrund

Zwanzig Jahre später war Deutschland längst eine Weltwirtschaftsmacht und vor der WM im eigenen Land der Topfavorit auf den Titel. Zwei Jahre zuvor hatte Deutschland zum ersten Mal den EM-Titel errungen, mit einem Fußball, so schön und leichtfüßig, wie er den Deutschen gar nicht zugetraut wurde.

Und trotzdem lagen einige Schatten auf der Weltmeisterschaft 1974. Im Land tobte ein Kampf der 68er Bewegung gegen die alten Kader, die Studenten revoltierten gegen die bürgerlichen Lebensformen. Die RAF bombte sich durch die Republik.

Zwei Jahre zuvor, bei den Olympischen Spielen von München, stürmte der "Schwarze September" das olympische Dorf und das Appartement der israelischen Mannschaft. 19 Menschen starben, alle 13 Geiseln, die fünf palästinensischen Entführer und ein deutscher Polizist.

Klassenkampf elektrisiert die Massen

Mit den noch frischen Erinnerungen und dem tobenden Klassenkampf im Hintergrund bestritt Deutschland die WM - die im Vorfeld im Prinzip nur ein Thema hatte: Das Vorrundenspiel gegen die DDR.

1500 handverlesene Fans durften die Grenze nach Westen passieren und sahen mit 60.000 anderen im Hamburger Volkspark, wie der kleine Bruder im einzigen Vergleich der Geschichte mit 1:0 die Oberhand behielt. Ein Sieg des Systems für die DDR.

Für die BRD dagegen in der Stunde der schlimmsten Niederlage die Geburt der zweiten Weltmeistermannschaft. Der kleine Ort Malente in Schleswig-Holstein sollte sich in der Nacht nach dem Spiel jenen Ruf erwerben, den Spiez zwanzig Jahre zuvor hatte.

Rotwein hilft zu vergessen

Auf einer von Kapitän Franz Beckenbauer einberufenen Krisensitzung wurden aufgestauter Ärger und Streit innerhalb der Mannschaft förmlich in ein großes Glas geschüttet und mit literweise Rotwein runtergespült.

Plötzlich wurde aus einem Haufen begabter, aber zaudernder Einzelkönner eine verschworene Gemeinschaft. Deutschland war längst nicht mehr der große Favorit. Aber plötzlich war Deutschland auf den Punkt da.

In der Zwischenrunde gelangen drei Siege in drei Spielen, mit dem unvergessenen 1:0 bei der Regenschlacht von Frankfurt gegen die Polen als Abschluss. Das 2:1 im Finale gegen die Niederlande war der logische Schlusspunkt einer verrückten WM, deren Gewinn Deutschland zu einem großen Teil ausgerechnet dem Klassenfeind zu verdanken hatte.

Deutschland zittert sich nach Italien

Als 1989 in Ungarn die Schlagbäume fielen und Hans-Dietrich Genscher im September auf den Balkon der Deutschen Botschaft in Prag trat, zitterte der DFB wie selten zuvor um sein Ticket zu einer Weltmeisterschaft.

Im Trubel um die sich anbahnende Wiedervereinigung ging beinahe unter, dass Deutschland im letzten Spiel gegen Wales einen Sieg brauchte, um bei der WM in Italien dabei zu sein. Das erzitterte 2:1 ist bis heute eine der größten Nervenschlachten der DFB-Geschichte.

Im darauffolgenden Sommer wurde dann das wahr, was sich Deutsche in Ost und West fast vier Jahrzehnte lang nicht mehr vorstellen konnten: Deutschland feuerte wieder eine Mannschaft an. Vom Trabi bis zum Mercedes überschwemmten die Teutonen den Brenner.

DFB-Team einigt Fußball-Deutschland

In Mailand, Rom oder auf Sardinien waren Kennzeichen der noch existierenden Länder zu sehen. De facto aber waren sie längst eins. Wenn auch mit Berührungsängsten auf beiden Seiten. Da traf es sich sehr gut, dass die deutsche Mannschaft schnell zur nötigen Völkerverständigung beitrug.

Deutschland marschierte glanzvoll durch die Vorrunde, im Achtelfinale wurde der Erzfeind Niederlande aus dem Weg geräumt. Nach Siegen über die Tschechoslowakei und England wurde das Finale von Rom gegen Argentinien quasi zu einem Heimspiel.

Knapp 40.000 deutsche Fans feierten den dritten Triumph, unten auf dem Rasen ging Franz Beckenbauer seine wohl berühmtesten Schritte. Drei Monate später war Deutschland nicht mehr "nur" Weltmeister - sondern endlich wieder Deutschland, einig Vaterland.

Teamporträt Deutschland: Ohne den Häuptling

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung