Donnerstag, 13.05.2010

WM 2010

Tickets: Vom Wucherpreis zum Schnäppchen

Nach anfänglich schleppender Nachfrage entwickeln sich die Tickets für die WM in Südafrika immer mehr zu Schnäppchen. FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke gestand bereits Fehler ein.

In den Stadien werden insgesamt circa 3 Millionen Zuschauer erwartet
© Getty
In den Stadien werden insgesamt circa 3 Millionen Zuschauer erwartet

Vom Wucherpreis zum Schnäppchen: Weil der Kartenverkauf für die Weltmeisterschaft in Südafrika anfangs wegen der hohen Kosten für die Fans schleppend lief, werden die Tickets und Flüge den Anhängern mittlerweile fast aufgedrängt.

Die Macher haben sich bei der Kalkulation offenbar gründlich verzockt und wollen nun mit einer Dumping-Offensive retten, was noch zu retten ist. "Ich kann versichern, dass 95 Prozent der Spiele ausverkauft sein werden", sagte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis?

Ticket-Preise drastisch gesenkt

Um zu verhindern, dass Superstars wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo vor leeren Zuschauerrängen spielen, hatte die FIFA in der letzten Verkaufsphase die Ticketpreise drastisch gesenkt und den Erwerb vor Ort vereinfacht. Offenbar mit Erfolg, denn am Montag meldete die FIFA, dass 90 Prozent der insgesamt 2,9 Millionen Tickets verkauft seien.

Um vor allem ärmere Menschen aus dem Gastgeberland den Besuch im Stadion zu ermöglichen, führte die FIFA eine besonders günstige Preiskategorie ein. Die Billig-Tickets konnten in Einkaufszentren für 140 Rand (umgerechnet 14 Euro) erworben werden.

Wegen des begrenzten Angebots kam es zu Beginn der Verkaufsphase zu chaotischen Szenen. Tausende Südafrikaner stürmten die Ticketschalter, ein 64-Jähriger starb in Kapstadt, als er beim Warten in der Schlange einen Schlaganfall erlitt.

Valcke: "Müssen flexibler sein"

FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke gestand bereits Fehler ein: "Wir hätten die Ticketing-Zentren viel früher öffnen müssen. Zudem müssen wir in Zukunft flexibler sein." Der Online-Verkauf war auf Widerstand gestoßen, denn viele Fußball-Fans in der Kap-Republik verfügen nicht über einen Internetzugang oder eine Kreditkarte. Außerdem überstieg die Vorauszahlung die finanziellen Möglichkeiten vieler Südafrikaner.

Auch die Airlines haben auf die schleppende Nachfrage reagiert und verramschen nun Flüge zwischen den Spielorten. Ein Inlandsflug ist mittlerweile für rund 30 Euro zu haben. Das Preis-Konzept der FIFA und deren Exklusiv-Agentur Match war offenbar nicht aufgegangen und hatte bei Südafrikas Tourismus-Branche für leer stehende Hotelzimmer und reichlich freie Plätze in den Flugzeugen gesorgt.

Seit Dezember hat Match hunderttausende Zimmerreservierungen freigegeben, weil die Buchungen hinter den Erwartungen zurückblieben. "Ich glaube nicht, dass wir unsere Zimmer jetzt noch alle vermieten können," sagte Ian Anderson, Marketingdirektor von Sun International Hotels. Durch Dumping-Preise sollen vor allem die Fans aus den afrikanischen Nachbarländern angelockt werden.

Deutschen Fans hilft Dumping-Offensive wenig

Den deutschen Fans aber hilft die Dumping-Offensive kaum - es sei denn, man fliegt auf eigene Faust nach Südafrika und hofft auf günstige Tickets und Unterkünfte vor Ort. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss eine organisierte Reise buchen, die im Preis in den letzten Wochen relativ konstant blieb. Flug, Hotel und Eintrittskarten für die Vorrundenspiele des deutschen Teams kosten im Internet mindestens 2700 Euro.

Im April waren von den 21.000 Karten, die dem DFB für die Gruppenspiele zustehen, erst 3500 Karten verkauft. Auf Anfrage gab der DFB keine Auskunft zum derzeitigen Stand der Verkaufszahlen.

Die Bilanz der deutschen Reiseveranstalter, die zu dem exklusiven Kreis der FIFA-lizenzierten Agenturen gehören, fällt durchwachsen aus. "Der Verkauf von Angeboten mit Vorrundenspielen läuft eher mau, mit dem Absatz der Reisen ab dem Achtelfinale sind die Veranstalter durchaus zufrieden", sagte Torsten Schäfer, Leiter Kommunikation des Deutschen Reise-Verbandes (DRV).

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