Das Spiel ihres Lebens

Von Philipp Dornhegge
Samstag, 29.05.2010 | 16:39 Uhr
Stolz, Jubel und ungläubiges Staunen: Nordkorea nach dem 1:0 gegen Italien
© Imago
Advertisement
NFL
Sa21.01.
US-Kommentar gesucht? DAZN lässt dir die Wahl!
Ligue 1
Bordeaux -
Caen
Ligue 1
Marseille -
Straßburg
Ligue 1
Monaco -
Nizza
Club Friendlies
FC St. Pauli -
VfL Bochum 1848
Ligue 1
Amiens -
Montpellier
Ligue 1
Angers -
Troyes
Ligue 1
Guingamp -
Lyon
Ligue 1
Lille -
Rennes
Ligue 1
Metz -
St. Etienne
Ligue 1
Toulouse -
Nantes
Copa del Rey
DAZN-Konferenz: Copa del Rey
Copa del Rey
Atletico Madrid -
FC Sevilla
Copa del Rey
Valencia -
Alaves
Ligue 1
PSG -
Dijon
Copa del Rey
Espanyol -
FC Barcelona
Indian Super League
Mumbai City -
Bengaluru
Copa del Rey
Leganes -
Real Madrid
Primeira Liga
Setubal -
Sporting
Ligue 1
Caen -
Marseille
Championship
Derby County -
Bristol City
Primera División
Getafe -
Bilbao
Primeira Liga
FC Porto -
Tondela
Primera División
Espanyol -
FC Sevilla
Premier League
Brighton -
Chelsea
Championship
Aston Villa -
Barnsley
Primera División
Atletico Madrid -
Girona
Ligue 1
Nantes -
Bordeaux
Premier League
Man City -
Newcastle
Primera División
Villarreal -
Levante
Championship
Sheffield Wed -
Cardiff
Ligue 1
Amiens -
Guingamp
Ligue 1
Montpellier -
Toulouse
Ligue 1
Rennes -
Angers
Ligue 1
Straßburg -
Dijon
Ligue 1
Troyes -
Lille
Premier League
Arsenal -
Crystal Palace (DELAYED)
Primera División
Las Palmas -
Valencia
Premier League
West Ham -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Burnley -
Man United (DELAYED)
Premier League
Stoke -
Huddersfield (DELAYED)
Premier League
Leicester -
Watford (DELAYED)
Premier League
Everton -
West Bromwich (DELAYED)
A-League
Melbourne City -
Adelaide Utd
Primera División
Alaves -
Leganes
Serie A
Atalanta -
Neapel
Eredivisie
Ajax -
Feyenoord
Ligue 1
Nizza -
St. Etienne
Serie A
Bologna -
Benevento
Serie A
Lazio -
Chievo Verona
Serie A
Hellas Verona -
Crotone
Serie A
Sampdoria -
Florenz
Serie A
Udinese -
SPAL
Serie A
Sassuolo -
FC Turin
Primera División
Real Madrid -
La Coruna
Eredivisie
Heracles -
PSV
Ligue 1
Monaco -
Metz
Premier League
Southampton -
Tottenham
First Division A
Genk -
Anderlecht
Serie A
Cagliari -
AC Mailand
Primera División
Real Sociedad -
Celta Vigo
Primera División
Real Betis -
FC Barcelona
Serie A
Inter Mailand -
AS Rom
Ligue 1
Lyon -
PSG
Serie A
Juventus -
CFC Genua
Premier League
Swansea -
Liverpool
Primera División
Eibar -
Malaga
Coupe de France
Nantes -
Auxerre
League Cup
Bristol City -
Man City
Premiership
Partick Thistle -
Celtic
Coupe de France
Epinal -
Marseille
Copa del Rey
FC Sevilla -
Atletico Madrid
Coupe de France
PSG -
Guingamp
Serie A
Lazio -
Udinese
Copa del Rey
Alaves -
Valencia
Serie A
Sampdoria -
AS Rom
League Cup
Arsenal -
Chelsea
Coupe de France
Monaco -
Lyon
Copa del Rey
Real Madrid -
Leganes
Indian Super League
Kalkutta -
Chennai
First Division A
Brügge – Oostende
Coupe de France
Straßburg -
Lille
Copa del Rey
FC Barcelona -
Espanyol
A-League
Melbourne Victory -
FC Sydney
Ligue 1
Dijon -
Rennes
Primera División
Bilbao -
Eibar
Primera División
La Coruna -
Levante
Championship
Bristol City -
QPR
Primera División
Valencia -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Montpellier
Serie A
Sassuolo -
Atalanta
Primera División
Malaga -
Girona
Primera División
Villarreal -
Real Sociedad
Primera División
Leganes -
Espanyol
Eredivisie
Utrecht -
Ajax
Eredivisie
Feyenoord -
Den Haag
Premiership
Ross County -
Rangers
Primera División
Atletico Madrid -
Las Palmas
First Division A
Lüttich – Anderlecht
Primera División
FC Sevilla -
Getafe
Primera División
FC Barcelona -
Alaves
Ligue 1
Marseille -
Monaco
Primera División
Celta Vigo -
Real Betis

32 Teams nehmen an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Jedes Teilnehmerland hat seine eigene Geschichte zu erzählen. SPOX greift aktuelle Entwicklungen auf, lässt Protagonisten zu Wort kommen oder beleuchtet historische Ereignisse. Heute: Nordkorea.

"Der Schleier über Asiens einzigem WM-Teilnehmer ist gelüftet - und von dieser Mannschaft droht in Gruppe vier keinem Gegner Gefahr." So beschrieb der WM-Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" 1966 seine Eindrücke von der nordkoreanischen Nationalmannschaft.

Das war nach dem ersten Gruppenspiel, das die Asiaten mit 0:3 gegen die Sowjetunion verloren. Was danach folgte, war die vielleicht größte Sensation der WM-Geschichte. Angefeuert von ihrem Staatschef leisteten die Nordkoreaner schier Unglaubliches.

Denn ein direktes Ausscheiden kam für den damaligen Diktator Kim Il-Sung nicht in Frage. "Der große Führer hatte uns befohlen, ein oder zwei Spiele zu gewinnen. Wir waren fest entschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen", erklärte Pak Doo-Ik die folgenden Ergebnisse.

Gegen Chile glich Pak Seung-Zin in der 88. Minute das frühe 0:1 nach einem Elfmeter aus, im letzten Spiel konnte sich Nordkorea mit einem Sieg sensationell für das Viertelfinale qualifizieren. Chile war da praktisch schon ausgeschieden, die Sowjetunion nach zwei Siegen bereits durch.

Überhebliches Italien verzockt sich

Es kam also zu einem Finale gegen die Squadra Azzurra. Zu diesem Zeitpunkt lachte ganz Italien noch über die "Mannschaft voller Clowns", die niemand auf der Rechnung hatte. Die Fußball-Fans in England sahen die Verhältnisse offenbar ähnlich, nur 18.000 Zuschauer kamen ins Stadion von Middlesbrough.

Und die sahen eine über alle Maßen überhebliche italienische Mannschaft, die in der eigenen Hälfte den Ball hochhielt, sich Kabinettstückchen am eigenen Strafraum leistete und das Spiel nach vorne komplett vernachlässigte.

Das rächte sich in der 41. Minute, als Pak Doo-Ik einen leichten Ballverlust seines Gegners für einen Sololauf nutzte. In dieser Situation war die technische Unzulänglichkeit der Nordkoreaner ihr größter Trumpf: Denn als Pak beim Schussversuch in den Boden trat, rutschte Verteidiger Aristide Guarneri ins Leere und gab seinem Gegner so freie Bahn für einen zweiten Versuch.

Diesmal machte Pak alles richtig und traf zur 1:0-Führung. Die ganze Fußball-Welt stand in diesem Augenblick unter Schock.

Faule Eier und Tomaten für die Squadra Azzurra

In der zweiten Hälfte versuchten die Blauen noch, das Ergebnis zu ihren Gunsten zu drehen, aber die Bemühungen nahmen mit ablaufender Uhr immer groteskere Formen an.

Nordkorea verteidigte, als würde es um das Leben jedes Einzelnen gehen und stürzte Italien somit in eine Blamage, deren Narben noch heute nicht ganz verheilt sind.

Damals wurde die Squadra in der Heimat mit Tomaten und faulen Eiern empfangen. Abwehrmann Giacinto Facchetti flüchtete sich nach dem Debakel in Ausreden: "Ohne den Ausfall von Giacomo Bulgarelli hätten wir nicht verloren." In der Tat musste der Stürmer schon nach einer halben Stunde verletzt raus. Damals durfte noch nicht gewechselt werden.

Aber bitte schön: Die Italiener hatten sich die Pleite selbst zuzuschreiben. Wegen ihrer Arroganz - und weil sie überhaupt keine Ahnung hatten, was da auf sie zukam.

Schlaflose Nächte im Kloster

Die Nordkoreaner erwiesen sich trotz aller Unkenrufe als perfekt vorbereitet und legten eine Spielweise an den Tag, die seither Markenzeichen aller ostasiatischen Teams ist: immer schnell, immer aggressiv und mit grenzenloser Leidenschaft.

Die englischen Fans lernten dieses Teamangesichts seiner unkonventionellen Art lieben und feuerten es auch in der Runde der letzten Acht bedingungslos an. Und das, obwohl zu dieser Zeit auf der Insel der Rassismus noch offen grassierte.

Vor dem Viertelfinale taten viele Spieler kein Auge zu. Aber nicht aus Nervosität, sondern weil sie nach einem Quartierswechsel in einem Jesuitenkloster untergebracht waren und sich vor der Figur eines misshandelten Mannes fürchteten. Es war das erste Mal, das die Nordkoreaner den gekreuzigten Jesus sahen.

In Liverpool trafen sie übermüdet auf Portugal und gingen trotzdem nach nur 24 Minuten mit 3:0 in Führung.

Galaauftritt von Eusebio

Insbesondere das zweite Tor war sinnbildlich für die Art der Asiaten, Fußball zu spielen: Nach einem Pfostenschuss des iberischen Superstars Eusebio schalteten sie blitzschnell um, stürmten auf das gegnerische Tor zu und nutzten die Überzahlsituation zum Treffer, ehe die Portugiesen überhaupt wussten, wie ihnen geschah.

Der Goodison Park in Liverpool stand Kopf, und der Underdog hätte die Partie wohl auch gewonnen, hätte Eusebio nicht das Spiel seines Lebens gemacht.

Mit schierer Willenskraft und außerordentlicher Klasse verkürzte er per Doppelpack noch vor der Pause auf 2:3, ehe er in der zweiten Hälfte erneut zweifach traf und die Partie drehte. Sein Eckstoß war die Vorlage zum entscheidenden 5:3.

Italien-Schreck Pak schlägt wieder zu

Das nordkoreanische Märchen endete am 23. Juli 1966, aber die Party ging gerade erst los. In Pjöngjang wurden die Nationalspieler wie Helden gefeiert, in der ganzen Welt für ihre erfrischende Art bewundert.

Insbesondere die Beziehung zum damaligen Gastgeberland England ist seitdem eine ganz besondere. 2002 drehte die "BBC" eine Dokumentation über das nordkoreanische Team von '66 mit dem Titel "The Game of their Lives".

Zu diesem Zweck reisten die sieben noch lebenden Akteure im Oktober auf die Insel und durchlebten durch Interviews und Fernsehauftritte die schönste Zeit ihrer Karriere aufs Neue. Mit dabei war auch Italien-Schreck Pak Doo-Ik.

Der fuhr auf seiner Reise übrigens auch nach Wales, wo prompt am selben Tag die Waliser in der EM-Qualifikation einen 2:1-Sieg über Italien einfuhren.

Nordkorea auch 2010 die große Unbekannte

2010 ist Nordkorea zum zweiten Mal bei der WM dabei. Nachdem das Team für die Turniere 1998 und 2002 nicht einmal bei der Qualifkation mitmachte, ist dies erneut ein kleines Wunder.

Ob der derzeitige Führer Kim Jong-Il eine ähnliche Forderung an seine Nationalmannschaft gestellt hat oder noch stellen wird wie 44 Jahre zuvor sein Vater, ist nicht bekannt. Genauso wenig, ob Nordkorea auch diesmal für eine Sensation sorgen kann.

Denn die Europa-Reise im vergangenen Sommer war die erste offizielle einer nordkoreanischen Nationalmannschaft seit 1966. Auch vor Südafrika weiß die breite Öffentlichkeit nicht, was sie von diesem Team zu erwarten hat.

Gruppe G: Brasilien, Elfenbeinküste und Portugal

Die Statistik aus der Asien-Qualifikation gibt lediglich Aufschluss darüber, dass die Verteidigung solide ist, die Angreifer um Kapitän Hong Yong-Jo aber Probleme haben, das Tor zu treffen.

"Wir spielen einen Fußball, der von Schnelligkeit und ausgereifter Technik geprägt ist sowie die Anforderungen an eine moderne Spielausrichtung erfüllt, die ein ausgeprägtes körperliches Durchsetzungsvermögen beinhaltet", sagte Trainer Kim Jong-Hun zwar.

Ob das aber reichen wird, um erneut die Gruppenphase zu überstehen, darf bezweifelt werden. Mit den Gegnern Brasilien, Elfenbeinküste und Portugal haben die Asiaten eine Herkules-Aufgabe vor sich.

Aber dass die große Unbekannte des Weltfußballs zu Außergewöhnlichem fähig ist, davon können nicht zuletzt die Italiener ein Lied singen.

Wie weit kommt Underdog Nordkorea? Der WM-Spielplaner

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung