Freitag, 14.05.2010

32 Länder - 32 Geschichten: Griechenland

Griechisches Schleudertrauma

32 Teams nehmen an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Jedes Teilnehmerland hat seine eigene Geschichte zu erzählen. SPOX greift aktuelle Entwicklungen auf, lässt Protagonisten zu Wort kommen oder beleuchtet historische Ereignisse. Heute: Griechenland.

Zico war nur gut vier Monate als Trainer bei Olympiakos Piräus tätig
© Getty
Zico war nur gut vier Monate als Trainer bei Olympiakos Piräus tätig

Arthur Antunes Coimbra, weltbekannt und geliebt als Zico, hat in seiner 57 Jahre alten Lebensgeschichte viel erlebt.

Der Brasilianer war ein überragender Fußballer, ein torgefährlicher Spielmacher, einer der besten Freistoßschützen der Geschichte. Zico nahm an drei Weltmeisterschaften teil und ist heute Bestandteil des Dream Teams - die beste brasilianische Selecao aller Zeiten.

Seine Trainerkarriere ist ähnlich bewegt. Mit Japan wurde er 2004 Asienmeister. Fenerbahce Istanbul führte er erstmals in der Vereinsgeschichte in das Viertelfinale der Champions League, im usbekischen Bunjodkor löste er eine Rieseneuphorie aus, mit ZSKA Moskau wurde er Pokalsieger.

Justizbeamter entlässt Zico

Auch bei seiner letzten Station wurde Zico gefeiert. Mit Olympiakos Piräus schaffte der "weiße Pele" die Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League und das Los Girondins Bordeaux machte Hoffnung, dass die Reise mindestens bis in die Runde der letzten Acht weitergehen könnte.

Einem Mann war das egal: Socrates Kokkalis. Der mächtige Olympiakos-Boss setzte Zico auf die Straße, weil er nicht nur gegen Bordeaux gewinnen wollte, sondern auch im Ligaspiel gegen die graue Maus Kavala. Weil das Spiel aber 0:0 endete und die Fans auf die Barrikaden gingen, folgte die frühzeitige Entlassung.

WM-Stadien: Sky-Walk und afrikanische Erde
Oktober 2009: Das 200-Millionen-Euro-Wahrzeichen der WM ist fast fertig. Soccer City in Johannesburg. Die Farben der Hülle symbolisieren die afrikanische Erde
© Getty
1/18
Oktober 2009: Das 200-Millionen-Euro-Wahrzeichen der WM ist fast fertig. Soccer City in Johannesburg. Die Farben der Hülle symbolisieren die afrikanische Erde
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba.html
94.700 Fans können im Johannesburger Soccer City Stadion das Eröffnungsspiel und das Finale der WM live mitverfolgen. Soccer City: die Heimat des südafrikanischen Fußballs
© Getty
2/18
94.700 Fans können im Johannesburger Soccer City Stadion das Eröffnungsspiel und das Finale der WM live mitverfolgen. Soccer City: die Heimat des südafrikanischen Fußballs
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=2.html
Der Ellis Park ist eines der beiden Johannesburger WM-Stadien. Bereits 1982 erbaut, wurde es für die WM 2010 auf 62.000 Plätze erweitert
© Getty
3/18
Der Ellis Park ist eines der beiden Johannesburger WM-Stadien. Bereits 1982 erbaut, wurde es für die WM 2010 auf 62.000 Plätze erweitert
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=3.html
Der Ellis Park nach dem Umbau: Das so genannte Coca-Cola Park ist eine moderne Fußballarena mitten in Johannesburg
© Getty
4/18
Der Ellis Park nach dem Umbau: Das so genannte Coca-Cola Park ist eine moderne Fußballarena mitten in Johannesburg
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=4.html
Juli 2008: Der Neubau des Moses Mabhida Stadions in Durban wird mit einer Kapazität von 70.000 Sitzplätzen das zweitgrößte Stadion der WM. Ein Halbfinale wird hier ausgetragen
© Getty
5/18
Juli 2008: Der Neubau des Moses Mabhida Stadions in Durban wird mit einer Kapazität von 70.000 Sitzplätzen das zweitgrößte Stadion der WM. Ein Halbfinale wird hier ausgetragen
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=5.html
Die Bögen des Moses Mabhida Stadions in Durban symbolisieren südafrikansiche Einheit. Der 106 Meter hohe Sky Walk ist begehbar
© Getty
6/18
Die Bögen des Moses Mabhida Stadions in Durban symbolisieren südafrikansiche Einheit. Der 106 Meter hohe Sky Walk ist begehbar
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=6.html
Das Free State Stadion in Bloemfontein wurde bereits 1952 erbaut und wird für die WM modernisiert und aufgestockt. 45.000 Fans finden hier Platz
© Getty
7/18
Das Free State Stadion in Bloemfontein wurde bereits 1952 erbaut und wird für die WM modernisiert und aufgestockt. 45.000 Fans finden hier Platz
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=7.html
März 2009: Das Green Point Stadion im Kapstadt besticht durch seine herrliche Lage direkt am Atlantik. Seine Wellenform erhält eine spezielle Dachkonstruktion aus Glas
© Getty
8/18
März 2009: Das Green Point Stadion im Kapstadt besticht durch seine herrliche Lage direkt am Atlantik. Seine Wellenform erhält eine spezielle Dachkonstruktion aus Glas
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=8.html
Kapstadts Perle: Im Green Point Stadion findet eines der beiden Halbfinals statt. 68.000 Zuschauer haben Platz. Nach der WM wird das Stadion eine reine Rugby-Arena
© Getty
9/18
Kapstadts Perle: Im Green Point Stadion findet eines der beiden Halbfinals statt. 68.000 Zuschauer haben Platz. Nach der WM wird das Stadion eine reine Rugby-Arena
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=9.html
Januar 2008: Das Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth mit seiner außergewöhnlichen Dachkonstruktion. 43.000 Zuschauer haben hier später Platz
© Getty
10/18
Januar 2008: Das Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth mit seiner außergewöhnlichen Dachkonstruktion. 43.000 Zuschauer haben hier später Platz
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=10.html
Ein architektonisches Meisterwerk für 70 Millionen Euro: Das Nelson Mandela Bay Stadion ist bereits fertig. Hier findet das Spiel um Platz drei statt
© Getty
11/18
Ein architektonisches Meisterwerk für 70 Millionen Euro: Das Nelson Mandela Bay Stadion ist bereits fertig. Hier findet das Spiel um Platz drei statt
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=11.html
Juni 2008: Das Mbombela Stadion in Nelspruit wird extra für die WM gebaut. Hier entsteht auch das neue Medienzentrum
© Getty
12/18
Juni 2008: Das Mbombela Stadion in Nelspruit wird extra für die WM gebaut. Hier entsteht auch das neue Medienzentrum
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=12.html
Oktober 2009: Das Mbombela Stadion in Nelspruit fasst 46.000 Zuschauer. Die Pfeiler sind der Form von Giraffenköpfen nachempfunden
© Getty
13/18
Oktober 2009: Das Mbombela Stadion in Nelspruit fasst 46.000 Zuschauer. Die Pfeiler sind der Form von Giraffenköpfen nachempfunden
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=13.html
Juli 2008: Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane wurde für 112 Millionen Euro extra für die WM 2010 gebaut. Polokwane ist die nördlichste Spielstätte
© Getty
14/18
Juli 2008: Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane wurde für 112 Millionen Euro extra für die WM 2010 gebaut. Polokwane ist die nördlichste Spielstätte
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=14.html
Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane fasst 45.000 Zuschauer. Es wurde nach einem berühmten Gegner des Apartheit-Regimes benannt
© Getty
15/18
Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane fasst 45.000 Zuschauer. Es wurde nach einem berühmten Gegner des Apartheit-Regimes benannt
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=15.html
Mit 42.000 Sitzplätzen ist der Royal Bafokeng Sports Palace in Rustenburg das kleinste Stadion der WM in Südafrika
© Getty
16/18
Mit 42.000 Sitzplätzen ist der Royal Bafokeng Sports Palace in Rustenburg das kleinste Stadion der WM in Südafrika
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=16.html
Der Royal Bafokeng Sports Palace in Rustenburg nord-westlich der Hauptstadt Johannesburg wurde 1999 für 33 Millionen Euro umgebaut
© Getty
17/18
Der Royal Bafokeng Sports Palace in Rustenburg nord-westlich der Hauptstadt Johannesburg wurde 1999 für 33 Millionen Euro umgebaut
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=17.html
Im alt-ehrwürdigen Loftus Versfeld Stadion in Südafrikas Hauptstadt Pretoria haben 50.000 Zuschauer Platz. "Loftus" ist eines des ältesten Stadien in Südafrika
© Getty
18/18
Im alt-ehrwürdigen Loftus Versfeld Stadion in Südafrikas Hauptstadt Pretoria haben 50.000 Zuschauer Platz. "Loftus" ist eines des ältesten Stadien in Südafrika
/de/sport/diashows/wm-2010-suedafrika-stadien/wm-2010-suedafrika-stadien-green-point-soccer-city-ellis-park-mbombela-peter-mokaba,seite=18.html
 

Und das auf eine Weise, die den sonst besonnenen Zico in Rage brachte. Der Bote Hiob war die Webseite des Klubs. Wenig später klingelte es an Zicos der Haustür. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich wurde von einem Justizbeamten entlassen, als hätte ich etwas Rechtswidriges gemacht", so Zico.

Ketsbaias kurzes Vergnügen

Das Aus bei Olympiakos ließ den 57-Jährigen kurzzeitig sogar über den Fortlauf seiner Karriere zweifeln. "Ich bin traurig und enttäuscht. Es ist nicht mehr sicher, im Fußball zu arbeiten", sagte er damals. Dabei ist Zico einer von vielen - das Trainerentlassen hat sich Klub-Eigentümer Kokkalis zum Hobby gemacht, obwohl seine Übungsleiter oft sehr erfolgreich sind.

Auch Zico-Vorgänger Temur Ketsbaia wurde mit Pauken und Trompeten eingestellt, hatte er doch mit seinem Ex-Klub Anorthosis Famagusta in der Saison zuvor in der Qualifikation zur Champions League ausgerechnet Olympiakos ausgeschaltet und sich einen Namen in Griechenland und vor allem beim alten Kokkalis gemacht.

Kokkalis als Barca-Trainer

Aber Ketsbaia durfte sich kein halbes Jahr beweisen und musste gehen. Ketsbaias Vorgänger Ernesto Valverde holte mit Olympiakos 2008 sogar das Double, bekam aber keinen neuen Vertrag.

"Wann wird Herr Valverde jemals wieder mit einem Verein das Double holen? Selbst wenn ich als Trainer bei Barcelona einsteigen würde, komme ich unter die ersten drei", so Kokkalis über die Entlassung des Spaniers, der heute beim FC Villarreal arbeitet.

Für Ewald Lienen sind die zum Teil kuriosen Entlassungen keine Überraschung. "Ich war zweieinhalb Jahre in Griechenland. In dieser Zeit gab es nur ein, zwei Trainer, die ebenfalls die komplette Zeit über beim gleichen Klub waren", so Lienen im Gespräch mit SPOX.

Auch Lienen musste gehen

Der Trainer des TSV 1860 München war zwischen 2006 und 2008 bei Panionios Athen tätig. Zwei Mal führte er den Hauptstadtklub in den UEFA-Pokal und wurde deswegen sogar 2007 zu Griechenlands Trainer des Jahres gewählt.

Aber auch Lienen wurde Opfer des griechischen Traumas auf dem Schleudersitz, als sich die Wege 2008 trennten. "Die Fluktuation war damals schon groß, das war immer so", so der 57-Jährige.

Charisteas: "Sie denken nicht an die Zukunft"

Angeführt von den Vorzeigeklubs Olympiakos und Panathinaikos, das in der aktuellen Meistersaison Henk ten Cate vor die Tür setzte, herrscht im griechischen Profifußball ein Trainerchaos. Geduld gibt es keine. Wer nicht funktioniert, muss gehen. Zwölf der 16 Erstliga-Klubs wechselten in der gerade abgelaufenen Saison ihre Trainer - teilweise sogar mehrmals.

"Die Klubverantwortlichen denken nicht an die Zukunft, sondern wie sie am besten durch den Tag kommen", sagt Angelos Charisteas.

Während der Stürmer des 1. FC Nürnberg ein trübes Bild über die Situation in seiner Heimat malt ("Die Tendenzen sind eindeutig negativ"), blickt Lienen aber durchaus positiv in die Zukunft: "Der griechische Fußball hat sich sehr positiv entwickelt. Es gibt sehr viele große Talente in Griechenland."

Der Finanzkollaps als Chance?

Allerdings wird noch zu wenig auf die eigene Jugend gesetzt. Dies gilt sowohl für die Spieler als auch für die Trainer. Besonders die Großklubs engagieren lieber Ausländer, die mit hoch dotierten Verträgen ausgestattet werden und bei ihrer Entlassung die horrenden Abfindungen dankend mitnehmen. Die Klubs verlieren Geld, Konstanz und Erfolg, der vor allem international ausbleibt.

Vielleicht ist sogar die aktuell sehr angespannte Situation auf dem griechischen Finanzmarkt eine Chance für den griechischen Fußball. Der Engpass wird auch vor dem Fußball keinen Halt machen, zumal viele Klubs von privaten Gönnern, wie Kokkalis bei Olympiakos, unterstützt werden.

Die Gürtel müssen nun enger geschnallt werden. Schon vor dem Kollaps in Griechenland gab es immer wieder Gerüchte über Geldsorgen der großen Klubs. Eine Chance für die Jugend?

Rehhagel als Vorbild

Ob jetzt ein Umdenken stattfindet, ist noch unklar. Die junge griechische Trainerzunft wartet auf ihre Chance und Ex-Panionios-Coach Lienen sieht die Voraussetzungen für Griechenlands Trainer geschaffen: "Bis vor kurzem gab es noch keine so intensive Trainer-Ausbildung. Das wurde in den letzten Jahren deutlich verbessert. De Ausbildung dort erreicht mittlerweile UEFA-Niveau."

Wie es geht, langfristig am Trainer festzuhalten, beweist der griechische Fußballverband.

Otto Rehhagel, dessen Griechen in Südafrika wieder mit dabei sind, heuerte 2001 an, holte 2004 die Europameisterschaft, verpasste aber 2006 die Qualifikation zur WM und schied 2008 in der EM-Vorrunde sang- und klanglos aus.

An eine Trennung dachte der Verband aber nie. "König Otto" ist damit aber die einsame Ausnahme in Griechenland.

Der komplette WM-Spielplan im Überblick

Fatih Demireli

Diskutieren Drucken Startseite
Achtelfinale
Viertelfinale
Halbfinale
Finale

WM 2010 - Achtelfinale

WM 2010 - Viertelfinale

WM 2010 - Halbfinale

WM 2010 - Finale / Spiel um Platz 3


www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.