Fussball

Lippi erklärt Deutschland zum WM-Mitfavoriten

SID
Italiens Nationaltrainer Marcelo Lippi hält Deutschland für einen Favoriten auf den WM-Titel
© Getty

Italiens Nationaltrainer Marcello Lippi hat in einem Interview der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Südafrika Titelchancen eingeräumt und seiner eigenen Mannschaft einen steinigen Weg zur Titelverteidigung prophezeit.

Dabei rechnet der Weltmeistertrainer von 2006 kaum mit Hilfe großer Klubs wie Inter Mailand, AC Mailand oder Juventus Turin, deren Teams für ihn nicht italienisch, sondern "multinational" seien.

"Deutschland hat eine Mannschaft von Tradition und Qualität. Das von Joachim Löw aufgebaute Team zählt zu den stärksten der Welt und kann in Südafrika bis ins Finale gelangen", sagte der 62-Jährige. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zähle mit Brasilien, Spanien und Italien zu den Favoriten der WM.

Am Schluss werde die Mannschaft gewinnen, die Konzentration und Motivation am längsten bewahren könne. "Für uns Italiener wird es schwierig sein, als Weltmeister zum zweiten Mal in Folge den Titel zu erobern. Das ist in 100 Jahren Fußballgeschichte nur zwei Mal, Italien und Brasilien, gelungen", sagte Lippi, der nach einer zweijährigen Pause 2008 die Squadra Azzura wieder übernommen hatte.

Steiniger Weg zur Titelverteidigung

"Das beweist, dass der Weg zum zweiten WM-Titel in Folge steinig ist." Die Kritik italienischer Medien, er setze hauptsächlich auf ältere Spieler, wies Lippi zurück. "Wenn es um gute Fußballer geht, spielt das Alter keine so wichtige Rolle. Viel wichtiger sind internationale Erfahrung und die Fähigkeit, sich in eine Mannschaft zu integrieren", erklärte er.

Kritik entzündete sich zuletzt vor allem an der Nichtberücksichtigung von Stürmer Mario Balotelli. "Balotelli hat viel Talent, das bei Inter Mailand gut reifen kann. Wenn er soweit ist, wird er bestimmt seine Qualitäten in den Dienst der Nationalelf stellen können. Inzwischen kann er noch vieles mit der U21 leisten", so Lippi.

"Um zu siegen, müssen wir dieselbe Motivation und dieselben Qualitäten wie die Nationalmannschaft aufbringen, die in Berlin gewonnen hat. So können wir wieder bis ins Finale kommen." Kritik äußerte der Trainer an den italienischen Spitzenklubs, die bis auf Inter Mailand in der Champions League auf internationaler Ebene bereits ausgeschieden sind.

"Was ist an Inter italienisch?"

"Große Teams wie Inter, AC Mailand und Juventus sind nicht Ausdruck des italienischen Fußballs, sie sind multinationale Mannschaften", sagte Lippi: "Was ist an einem Klub wie Inter italienisch, der ausschließlich aus ausländischen Spielern besteht und von einem Portugiesen trainiert wird?"

In sein letztes Aufgebot vor dem Länderspiel gegen Kamerun (0:0) berief Lippi keinen einzigen Inter-Profi und nur drei von Milan sowie zwei von Juventus. Vielmehr stünden die Nationalmannschaft und kleinere Klubs wie US Palermo, Cagliari Calcio, FC Genua und Chievo Verona für den italienischen Fußball.

"Alle Mannschaften spielen sehr gut und haben tolle Trainer", so Lippi. Seine eigenen Zukunft ließ der Erfolgstrainer offen. Bereits im Mai will der italienische Fußball-Verband FIGC öffentlich machen, wer die Nationalef nach der WM trainieren werde. "Es interessiert mich nicht, jetzt über meine Zukunft zu sprechen. Es hat keinen Sinn, jetzt darüber zu diskutieren, was nach der WM sein wird".

Bei der WM bestreitet Italien in Gruppe F am 14. Juni in Kapstadt sein Auftaktspiel gegen Paraguay. Danach folgen die Partien gegen Neuseeland am 20. Juni in Nelspruit und am 24. Juni in Johannesburg gegen die Slowakei. Als gefährlichster Rivale in der Gruppe betrachtet Lippi die Slowakei. Die Vorbereitung auf die WM absolvieren die Italiener ab dem 25. Mai in Sestriere.

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