Löw: "Nicht geschafft, Druck aufzubauen"

SID
Donnerstag, 04.03.2010 | 13:13 Uhr
Joachim Löw ist seit Juli 2006 Nationaltrainer von Deutschland
© Getty
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Wenig zugelassen, aber auch zu wenig Druck aufgebaut. Zu diesem Fazit kommt Bundestrainer Joachim Löw im Interview nach der 0:1-Niederlage am Mittwoch gegen Argentinien.

Im letzten Härtetest vor der endgültigen Nominierung des WM-Kaders gegen die von der argentinischen Legende Diego Maradona trainierte Albiceleste musste sich die Löw-Truppe mit 0:1 geschlagen geben.

Der Bundestrainer sah den Grund vor allem in mangelnder Entschlossenheit und fehlendem Mut. Im Interview spricht Joachim Löw außerdem über die Leistung seiner Stürmer sowie seine Erwartungen für Südafrika.

Frage: Joachim Löw, wie bewerten Sie den letzten Auftritt Ihrer Mannschaft vor der Nominierung des WM-Kaders?

Joachim Löw: Das Spiel war von Taktik geprägt. Unsere Defensivleistung war ordentlich. Wir haben nicht viel zugelassen. Wir haben es gegen einen starken Gegner aber nicht geschafft, Druck aufzubauen und Chancen herauszuspielen. Argentinien ist nie in Verlegenheit gekommen.

Frage: Warum konnte Ihr Team keinen Druck aufbauen?

Löw: Argentinien stand gut, war ballsicher und hat unser Spiel gut gestört. Uns ist es nicht gelungen, die Bälle in den Rücken der Abwehr zu spielen. Es gab keine Anspielstationen. Wir haben zu häufig quer gespielt, sind zu lange mit dem Ball gelaufen. Wir haben zu wenig Mut und Entschlossenheit gezeigt. Erst mit Cacau wurde es etwas lebendiger. Er hatte Zug zum Tor und Mut.

Frage: Welche Erkenntnisse können Sie aus so einem Spiel ziehen?

Löw: Natürlich gibt es Erkenntnisse. Die müssen wir in der Vorbereitung aufarbeiten. Wir müssen wieder mehr Druck entwickeln, mutiger spielen und den Gegner zu Fehlern zwingen. Wir haben gegen Argentinien ein paar Fehler zu viel gemacht. Das wird auf diesem Niveau brutal bestraft.

Frage: Wie hat Ihnen die Variante mit Bastian Schweinsteiger im zentralen defensiven Mittelfeld neben Michael Ballack gefallen?

Löw: Ich möchte im Mittelfeld ballsichere und fußballerisch gute Spieler. Sie können zusammenspielen, es fehlt nur die Detailarbeit. Das muss gut abgestimmt sein.

Frage: Es war die letzte Partie, bevor Sie das WM-Aufgebot benennen. Inwieweit steht Ihr Gerüst?

Löw: Das Gerüst steht. Es wird weitgehend aus den Spielern bestehen, die schon bei der EM und WM dabei waren. Bei Einigen kommt es nun darauf an, was sie in der Liga zeigen. Wenn Spieler bis Anfang Mai starke Leistungen zeigen, dann ist das sicher ein Vorteil.

Frage: Sehen Sie noch viele Baustellen vor der WM?

Löw: Natürlich gibt es noch die ein oder andere Baustelle in jedem Mannschaftsteil. Wir müssen in den vier Wochen vor der WM konsequent arbeiten, wir müssen die Detailabstimmung verbessern. Wir müssen unser mutiges und schnelles Spiel wiederfinden. In diesem Spiel konnten wir leider nicht unsere Leistung abrufen. Aber wir werden eine gute WM spielen.

Frage: Was sagen Sie zur Leistung der beiden Neulinge Müller und Kroos?

Löw: Sie haben ihre Sache ordentlich gemacht. Man hat gesehen, dass sie Potenzial haben. Thomas Müller kann auf der rechten Seite dauerhaft eine Alternative werden.

Frage: Geben Sie Rene Adler eine Mitschuld am 0:1?

Löw: Rene Adler kam weit aus seinem Tor heraus. Das war richtig. Das haben die Argentinier klasse gemacht. Da kommt ein Pass, dann sind sie weg. Das hat drei Sekunden gedauert.

Frage: Sie haben Lukas Podolski und Miroslav Klose von Beginn an aufgeboten. Könnte dies mit Blick auf die WM nicht ein Problem geben?

Löw: Es ist vor der WM wichtig, dass sie sehr intentsiv trainieren, wenn sie, wie im Fall von Miro, nicht regelmäßig spielen. Sie müssen jede Möglichkeit nutzen. Aber ich bin nach wie vor von ihnen überzeugt. Sie spielen eine wichtige Rolle. Wir werden alles tun, damit sie bei der WM in guter Form sind.

Löw hat Gerüst für WM-Team im Kopf

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