Seeler: "Manchmal fehlte nur noch das Messer"

Von Interview: Benny Semmler
Donnerstag, 01.04.2010 | 12:03 Uhr
Uwe Seeler und SPOX-Reporter Benny Semmler beim Interview
© spox
Advertisement
League Cup
So25.02.
Bohnen-Alarm! Rocket Beans kommentieren das Finale
Six Nations
Sa24.02.
Insel-Gedränge! Schottland - England & Island - Wales
Ligue 1
Live
Dijon -
Caen
Ligue 1
Live
Guingamp -
Metz
Ligue 1
Live
Lille -
Angers
Ligue 1
Live
Nantes -
Amiens
Ligue 1
Live
Rennes -
Troyes
Premier League
Live
West Bromwich -
Huddersfield (DELAYED)
Primera División
Live
FC Barcelona -
Girona
Serie A
Live
Inter Mailand -
Benevento
Primeira Liga
Pacos Ferreira -
Benfica
Premier League
Bournemouth -
Newcastle (DELAYED)
Premier League
Brighton -
Swansea (DELAYED)
Premier League
Burnley -
Southampton (DELAYED)
J2 League
Fukuoka -
Gifu
A-League
FC Sydney -
Sydney Wanderers
Primera División
Villarreal -
Getafe
Eredivisie
Ajax -
Den Haag
Serie A
Crotone -
SPAL
Premier League
Crystal Palace -
Tottenham
Eredivisie
Feyenoord -
PSV
Premiership
Aberdeen -
Celtic
Super Liga
Partizan -
Zemun
Ligue 1
Bordeaux -
Nizza
Serie A
Florenz -
Chievo Verona
Serie A
Sassuolo -
Lazio
Serie A
Hellas Verona -
FC Turin
Serie A
Sampdoria -
Udinese
Premier League
Man United -
Chelsea
Primera División
Bilbao -
Malaga
1. HNL
Rijeka -
Dinamo Zagreb
Ligue 1
Lyon -
St. Etienne
League Cup
Arsenal -
Man City
League Cup
Arsenal -
Man City (Rocket Beans)
First Division A
Lüttich -
Brügge
Serie A
Juventus -
Atalanta
Superliga
Kopenhagen -
Odense
Primera División
Valencia -
Real Sociedad
Primera División
FC Sevilla -
Atletico Madrid
Serie A
AS Rom -
AC Mailand
Ligue 1
PSG -
Marseille
Primeira Liga
Portimonense -
FC Porto
Superliga
Union SF -
Colon
Serie A
Cagliari -
Neapel
Primera División
Levante -
Real Betis
Cup
Akhisar -
Galatasaray
Cup
Akhisar -
Galatasaray (Türkischer Kommentar)
Primera División
Espanyol -
Real Madrid
Coupe de France
Les Herbiers -
Lens
Primera División
Girona -
Celta Vigo
Copa Libertadores
Montevideo -
Gremio
Super Liga
Radnicki Nis -
Partizan
Coppa Italia
Juventus -
Atalanta
Coupe de France
Chambly -
Straßburg
Primera División
Getafe -
La Coruna
Primera División
Bilbao -
Valencia
Primera División
Malaga -
FC Sevilla
Coppa Italia
Lazio -
AC Mailand
Coupe de France
PSG -
Marseille
Primera División
Atletico Madrid -
Leganes
Primera División
Eibar -
Villarreal
Indian Super League
Bengaluru -
Kerala
Cup
Besiktas -
Fenerbahce
Cup
Besiktas -
Fenerbahce (Türkischer Kommentar)
Primera División
Real Betis -
Real Sociedad
Superliga
Midtylland -
Bröndby
Premier League
Arsenal -
Man City
Primera División
Las Palmas -
FC Barcelona
Coupe de France
Caen -
Lyon
Primera División
Alaves -
Levante
A-League
Melbourne City -
Melbourne Victory
CSL
Guangzhou Evergrande -
Guangzhou R&F
Ligue 1
Nizza -
Lille
Ligue 1
Monaco -
Bordeaux
Championship
Dundee United -
St. Mirren
Championship
Middlesbrough -
Leeds
Primeira Liga
FC Porto -
Sporting
A-League
Newcastle -
FC Sydney
J1 League
Kobe -
Shimizu
Primera División
Villarreal -
Girona
Premier League
Burnley -
Everton
Serie A
SPAL -
Bologna
Championship
Nottingham -
Birmingham
Primera División
FC Sevilla -
Bilbao
Ligue 1
Troyes -
PSG
Serie A
Lazio -
Juventus
Eredivisie
PSV -
Utrecht
Premier League
Liverpool -
Newcastle
Primera División
Leganes -
Malaga
Primera División
La Coruna -
Eibar
Championship
Wolverhampton -
Reading
First Division A
FC Brügge -
Kortrijk
Ligue 1
Amiens -
Rennes
Ligue 1
Angers -
Guingamp
Ligue 1
Metz -
Toulouse
Ligue 1
St. Etienne -
Dijon
Premier League
Tottenham -
Huddersfield (DELAYED)
Primera División
Real Madrid -
Getafe
Serie A
Neapel -
AS Rom
Premier League
Leicester -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Southampton -
Stoke (Delayed)
Premier League
Watford -
West Bromwich (Delayed)
Premier League
Swansea -
West Ham (DELAYED)
Primera División
Levante -
Espanyol
Serie A
CFC Genua -
Cagliari
League One
Blackburn -
Wigan
Super Liga
Partizan Belgrad -
Rad
Premier League
Lok Moskau -
Spartak Moskau
Eredivisie
Vitesse -
Ajax
Premier League
Brighton -
Arsenal
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Slaven Belupo
Ligue 1
Caen -
Straßburg
Serie A
FC Turin -
Crotone
Serie A
Udinese -
Florenz
Serie A
Benevento -
Hellas Verona
Serie A
Atalanta -
Sampdoria
Serie A
Chievo Verona -
Sassuolo
Primera División
FC Barcelona -
Atletico Madrid
Ligue 1
Montpellier -
Lyon
Superliga
Brøndby -
Odense BK
Primera División
Real Sociedad -
Alaves
Primera División
Valencia -
Real Betis
Serie A
AC Mailand -
Inter Mailand
Ligue 1
Marseille -
Nantes
Premier League
Crystal Palace -
Man United
Primera División
Celta Vigo -
Las Palmas
Championship
Leeds -
Wolverhampton

Seit 1954 war die deutsche Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften immer unter den besten acht Teams der Welt - eine einmalige Erfolgsstory. In der Rubrik "Damals in..." lässt SPOX zu jeder WM einen deutschen Nationalspieler von seinen Erlebnissen während des WM-Turniers erzählen. Diesmal: Uwe Seeler über die WM 1962 in Chile.

Die WM 1962 in Chile ging als die unfairste Weltmeisterschaft in die Geschichtsbücher ein. Auf dem Rasen spielten sich regelrechte Schlachten ab, die von den Schiedsrichtern in den seltensten Fällen unterbunden wurden.

Die WM 1962 in Chile im Überblick

Viele Spiele waren von einer extrem defensiven Taktik und übertriebener Härte geprägt. Negativer Höhepunkt war die Begegnung zwischen Gastgeber Chile und Italien, die zwischenzeitlich in Schlägereien gipfelte und als die unfairste Partie der WM-Geschichte gilt.

Uwe Seeler war bei dem Turnier dabei und spricht im SPOX-Interview über Sepp Herberger, die Militärschule in Santiago und Frauen bei einer Fußball-Weltmeisterschaft.

SPOX: Herr Seeler, wir wollen über 1962 sprechen.

Uwe Seeler: Ach Gott, das war meine schlechteste Weltmeisterschaft.

SPOX: Das ist vermutlich richtig. Welche Erinnerungen haben Sie an das Turnier?

Seeler: Die Gedanken an Chile sind im Grunde nie gut. Es war durchweg kein gutes Turnier, und damit meine ich nicht nur die Leistung der Deutschen. Im Prinzip waren alle Spiele auf einem schlechten Niveau. Es wurden wenig Tore geschossen, viele Partien wurden überhart geführt. Manchmal fehlte nur noch das Messer auf dem Platz. Nee, Chile hat keinen Spaß gemacht.

SPOX: Es war die Zeit des Catenaccios.

Seeler: Fürchterlich. Alle Trainer wollten nur noch mauern und so spielen wie die Italiener. Nach dem Turnier hat sich Sepp Herberger bei uns entschuldigt, weil er sich auf diesen unmöglichen Trend eingelassen hat.

SPOX: Bis nach Chile sind es 16.000 Kilometer. Das ist selbst heute noch strapaziös. Wie war das vor 48 Jahren?

Seeler: Die Flugzeuge hatten damals eine höllische Lautstärke. Ich bin zwei Wochen später noch mit dem Fluggeräusch eingeschlafen. Ich weiß auch gar nicht mehr, wo wir überall zwischengelandet sind. Die Reise zehrte ziemlich an den Kräften. Wir waren ja fast zwei Tage unterwegs.

SPOX: Hatten Sie denn wenigstens in der Militärschule in Santiago Spaß?

Seeler: Oh ja. Das war herrlich. Für damalige Verhältnisse war die Militärschule ein exzellentes Quartier.

SPOX: Sie wohnten mit vier Mann in einem Zimmer. Das erzählen Sie mal Herrn Ballack.

Seeler: Wissen Sie, es war alles sauber und ordentlich und wenn wir die Schuhe vor die Tür gestellt haben, dann wurden die von den Kadetten geputzt. Das Essen war immer warm, die Trainingsplätze waren einwandfrei und auf den Drahtbetten ließ sich auch bestens schlafen. Der DFB hat damals schon, wenn auch bescheidener als heute, im Vorfeld einer WM alles wunderbar organisiert. Außerdem: Es waren Zweibett-Zimmer.

SPOX: Mit wem haben Sie das Zimmer geteilt?

Seeler: Kann ich Ihnen gar nicht sagen. Ich glaube Horst Szymaniak.

SPOX: Heute hat ja jeder Spieler seinen Laptop oder andere Technik-Spielereien dabei. Wie haben Sie die freie Zeit zwischen den Spielen verbracht?

Seeler: Der eine hat gelesen, der andere hat einen Brief geschrieben.

SPOX: Klingt besonnen.

Seeler: Das war die Zeit. Abends waren wir meistens noch spazieren, oder saßen alle draußen an einem Tisch und haben uns unterhalten. Langeweile hatten wir im Prinzip nie.

SPOX: Wie war das mit den Spielerfrauen? Die Niederländer werden beispielsweise erstmals ohne weibliche Begleitung zu einer WM reisen. Weil sich die Spieler auf das Wesentliche konzentrieren sollen.

Seeler: Alles was nicht mit Fußball zu tun hat, lenkt ab. Das habe ich früher so gesehen, und das sehe ich heute nicht anders. Ich mache mir als Mann doch Gedanken, wenn meine Frau im Hotel nebenan wohnt. Wie geht es ihr? Wann treffe ich sie? Das mag altmodisch klingen. Aber ich bin mir sicher: Das lenkt ab.

SPOX: Was sagt Ihre Frau dazu?

Seeler: Die sagt: Frauen haben bei einer Weltmeisterschaft nichts zu suchen.

SPOX: Dann sprechen wir jetzt mal über die Spiele: Zum Auftakt gab es ein torloses Remis gegen Italien.

Seeler: Richtig. Gegen Catenaccio-Italien 0:0 zu spielen war ein Erfolg.

SPOX: Darauf folgte ein 2:1 gegen die Schweiz. Sie trafen.

Seeler: Ein grausames Spiel. Der "Schweizer Riegel" war schwer zu spielen. Die wollten nur zerstören.

SPOX: Auch im letzten Gruppenspiel gegen den Gastgeber ging es rustikal zu. Aber am Ende stand es 2:0 für Deutschland.

Seeler: Aber schönen Fußball haben wir auch da nicht gespielt. Wir waren einfach viel zu defensiv. Ich war ja vorne immer ganz alleine, und die anderen sollten verteidigen. Keiner von uns hat sich auf dem Platz wirklich wohl gefühlt. Nee, diese Spiele haben keinen Spaß gemacht.

SPOX: Deswegen war im Viertelfinale gegen Jugoslawien Schluss?

Seeler: Na klar. Mit den taktischen Zwängen sind wir schlichtweg nicht zurecht gekommen. Die Spieler, die in Chile dabei waren, haben größtenteils alle offensiv gedacht. Aber wir sollten einen auf Catenaccio machen. Das konnte nicht funktionieren.

SPOX: Wie war die Stimmung in der Kabine?

Seeler: Wenn man rausfliegt, ist sie nie gut. Wir waren echt deprimiert. Aber die Jugoslawen waren an dem Tag besser.

SPOX: Was hat Sepp Herberger nach dem Spiel gesagt?

Seeler: "Jungs, wir haben wohl das falsche System gespielt." Das waren in etwa seine Worte. Er hat die Schuld sofort auf sich genommen.

SPOX: Wie war das überhaupt mit Sepp Herberger?

Seeler: Herberger war sehr streng, aber auch sehr, sehr väterlich. Er hat alles gesehen und konnte auch verkniffen lächeln, wenn wir abends mal ein Bier getrunken haben. Oder: Wenn ich mir abends ein Bier aufs Zimmer geholt habe, ist mir Herberger im Flur jedes Mal über den Weg gelaufen. Jedes Mal. Aber nie hat er etwas dazu gesagt, sondern nur gegrinst. Er war der Zeit einfach weit voraus.

SPOX: Herberger war ihr Lieblingstrainer?

Seeler: Ja. Wie Helmut Schön auch.

SPOX: Was hat Ihnen am meisten imponiert?

Seeler: Seine kurzen und verständlichen Ansprachen. Herberger war kein Selbstdarsteller, der 30 Minuten Redezeit brauchte. Der sagte vor dem Spiel zu jedem: "Passen Sie da auf, machen Sie das." Das hat nicht einmal zehn Minuten gedauert. Und wir haben das kapiert. Nur in Chile vielleicht nicht so.

SPOX: Haben Sie damals eigentlich schon Laufwege einstudiert?

Seeler: Ach was. Wir wollten einfach nur schnell über die Flügel spielen. Batsch, Batsch. Und das hatten wir ja auch drauf. Aber '62 haben wir den Fußball unnötig verkompliziert - und das ging gründlich in die Hose.

SPOX: Damals gab es noch keine Sportschau, geschweige denn Live-Übertragungen. Sepp Herberger musste vor der WM mit den 64 Vereinstrainern per Briefverkehr kommunizieren. Das muss abenteuerlich gewesen sein.

Seeler: Was meinen Sie, was ich als junger Bengel für Briefe bekommen habe. Keiner hat mir so viele Briefe geschickt wie Sepp Herberger.

SPOX: Was stand in den Briefen?

Seeler: Der Herberger war auch ohne Sportschau immer bestens informiert. Er hat dann geschrieben: "Habe gehört, Sie haben gut gespielt. Trainieren Sie noch ihren Vollspannschuss." Und zum Schluss stand dann immer: "Uwe, machen Sie weiter so. Sie sind auf dem richtigen Weg."

SPOX: Kamen die Prämien auch per Post?

Seeler: Von wegen Prämien. In den ersten Jahren haben wir kleine Geschenke bekommen - aber nie Geld. Ich weiß noch, dass ich mal einen Teppich bekommen habe. Später, nach '62, gab es auch mal eine Uhr. Erst bei der WM in Mexiko 1970 haben wir für das Erreichen des Halbfinals 10.000 D-Mark bekommen. Brutto.

SPOX: Herr Seeler, zum Schluss noch ein Blick auf die aktuellen Themen: Was denken Sie, welcher heute aktive Spieler ist am ehesten ein "Uns Uwe"?

Seeler: Ein formstarker Miroslav Klose. So wie er nach hinten arbeitet, sich für das Team komplett einbringt - das imponiert mir immer unheimlich. Horst Hrubesch war auch so ein Spieler. Trotz seiner individuellen Klasse hat er immer im Sinne des Teams gedacht. Diese Typen werden immer seltener.

SPOX: Lukas Podolski, Miroslav Klose, Mario Gomez und Stürmer XY - wie stark ist der deutsche Sturm?

Seeler: Alle haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie auf hohem Niveau Tore schießen können. Das ist schon mal beruhigend. Jedoch gehe ich davon aus, dass Jogi Löw zumindest mit Lukas Podolski sprechen wird. Es ist schließlich problematisch, dass man im Verein über Monate schlecht spielt und trotzdem als feste Größe zu einer Weltmeisterschaft fährt. Wenn aber auch Kießling mit nach Südafrika darf, und davon gehe ich aus, kann ich mit diesen vier Stürmern ganz gut leben.

SPOX: Wie halten Sie es mit Kevin Kuranyi?

Seeler: Der Junge ist super. Seitdem der unter Felix Magath trainiert, ist er lauffreudiger geworden und physisch gewachsen. Er spielt wirklich eine tolle Saison und macht einen sehr guten Eindruck. Mehr will ich dazu auch gar nicht sagen. Ob er jetzt mit zur WM soll oder nicht, das hat allein der Bundestrainer zu entscheiden. Denn er hat diese Entscheidung damals getroffen, und die muss man akzeptieren.

SPOX: Was trauen Sie der deutschen Mannschaft in Südafrika zu?

Seeler: Die Vorrunde ist gut zu schaffen. Da mache ich mir keine Sorgen. Danach ist alles möglich. Auch der WM-Titel.

SPOX: Und über welches WM-Turnier hätten Sie lieber gesprochen?

Seeler: Das in Mexiko 1970 hat Spaß gemacht. Tolles Wetter, wunderbare Spiele, ein legendäres Halbfinale. Ach, im Grunde war jedes Turnier schöner als Chile.

Alle Informationen zur WM 2010

Werbung
Dunkest - The American Fantasy Basketball by SPOX.com
Werbung
Werbung
Werbung