Real Madrids Gonzalo Higuain im Porträt

Argentiniens Stürmer aus dem Schatten

Von Andreas Lehner
Dienstag, 02.03.2010 | 20:08 Uhr
Gonzalo Higuain erzielte im argentinischen Nationaltrikot zwei Tore in drei Spielen
© Imago
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Ronaldo, Kaka, Messi. Gonzalo Higuain steht meist im Schatten der großen Stars. Aber wie lange noch? Bei Real Madrid sehen sie in ihm schon den besten Stürmer der Welt. Und auch Argentiniens Sturmproblem könnte auf Dauer gelöst sein.

Kurz nach Weihnachten veröffentlichte die für gewöhnlich gut unterrichtete "Marca" eine Liste mit den spektakulärsten Transferzielen von Real Madrid für die kommende Saison. David Villa, Wayne Rooney und Sergio Agüero. Einer dieser drei Stürmer sollte der neue Blockbuster-Transfer im Sommer werden.

Mittlerweile sind die Herren in der Vorstandsriege um Florentino Perez aber ins Grübeln gekommen, ob es überhaupt nötig sei, den Markt wieder mit Millionen zu überfluten. Erstens hat Real erst vor der aktuellen Saison 35 Millionen Euro in Karim Benzema investiert und zweitens macht sich ein anderer Stürmer gerade unverzichtbar: Gonzalo Higuain.

Der beste Stürmer der Welt

Laut eines internen Communiques, das in spanischen und südamerikanischen Medien kursiert, ist der 22-Jährige für die Real-Verantwortlichen im Moment sogar der beste Stürmer der Welt.

"Zurzeit gibt es keinen Stürmer wie Higuain. Er erzielt alle 77 Minuten ein Tor, Rooney braucht 97 Minuten für einen Treffer. Wir verfolgen die Entwicklung von Higuain mit Wohlwollen, weil sein Werdegang nicht besser sein könnte. Jedes Jahr ist er besser als zuvor und das zeigt, dass er sehr intelligent ist", heißt es in der Mitteilung.

Bei Real glauben sie, dass "La Pipita" (das Pfeifchen) in dieser Saison endgültig den Durchbruch geschafft hat und dass er zu den Spielern zählt, die in den nächsten Jahren auf höchstem Niveau den Unterschied machen.

Schwere Anfangszeit

Seit rund drei Jahren steht Higuain bei Real Madrid unter Vertrag und ist im Moment auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Nachdem er bereits in der vergangenen Saison mit 22 Treffern bester Torschütze der Königlichen war, steht er aktuell schon bei 16.

2007 kam Higuain von River Plate Buenos Aires nach Madrid und verkündete bei seiner Vorstellung wenig originell, dass für ihn ein Traum in Erfüllung gehe. Er konnte auch nicht ahnen, dass die erste Zeit im weißen Trikot eher ein Albtraum werden würde.

Bei nur zwei Toren in 21 Spielen hat man im hektischen Madrider Umfeld alle Kritiker gegen sich. Presse und Fans zogen den unvermeidbaren, aber ungerechtfertigten Vergleich mit seinem Vorgänger Ronaldo und mäkelten an seiner technischen Begabung herum.

"Jetzt bin ich kaum in Europa und schon werfen sie mir vor, dass ich keine Tore mache. Alle Stürmer durchleben solche Zeiten. Ein Tor ist etwas, das man sich erarbeiten muss", sagte er damals etwas gekränkt. "Das schmerzte ihn, es war unangenehm und er hatte kein Verständnis dafür", sagt sein Vater Jorge Higuain, früher selbst Profi.

Im Geiste Di Stefanos

Aber gleichzeitig war es Ansporn für ihn, an seinen Schwächen zu arbeiten. Higuain ist willensstark und besitzt dieses unverwechselbare argentinische Gen eines Kämpfers, das sie bei Real über die Jahrzehnte hinweg zu schätzen gelernt haben. "Keiner verkörpert den alten Geist und Mythos Di Stefanos so sehr wie er", schrieb die "Marca".

Gleichwohl steht er auch jetzt trotz seiner Tore bei Real und in der Nationalmannschaft im Schatten der Mega-Stars Cristiano Ronaldo, Kaka und Lionel Messi. Er ist ein ruhiger, ernsthafter und gelassener Typ. Auf dem Spielfeld aber ist er eine Waffe. Schnell, effektiv, tödlich.

Deshalb hat er momentan die besten Chancen auf den Platz neben Messi im Sturm der Albiceleste. Er ist keiner dieser spielstarken, wuseligen Außenstürmer, die Argentinien im Überfluß produziert. Seine Stärke ist der Abschluss, die Kaltschnäuzigkeit. Eine Qualität, die Argentinien in den letzten Jahren und über weite Strecken der WM-Qualifikation fehlte, und außer ihm nur noch Inters Diego Milito besitzt. Die meisten seiner Treffer erzielt er mit nur einem Kontakt.

Entscheidung gegen Frankreich

Eine Tatsache, die ihn mit David Trezeguet verbindet. Eine zweite ist die argentinische Herkunft und das Geburtsland Frankreich. Higuain wurde 1987 in Brest geboren, weil sein Vater beim dort ansässigen Klub sein Geld verdiente.

Gonzalo war aber nur zehn Monate in Frankreich und wuchs in Argentinen auf, nachdem Jorge zurück in die Heimat wechselte. Während sich Trezeguet für eine Karriere in der Equipe Tricolre entschied, wollte Higuain schon immer für Argentinien spielen. Da änderte auch die Hartnäckigkeit der Franzosen nichts. Nationaltrainer Raymond Domenech berief ihn 2006 für ein Länderspiel gegen Griechenland, aber Higuain lehnte ab.

Auf eine Nominierung für die Albiceleste musste er lange warten. Diego Maradona holte ihn erst für die letzten beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Peru und Uruguay. Im Monumental, dem Stadion von River, erzielte er im ersten Spiel gleich seinen ersten Treffer und leistete einen wichtigen Beitrag zur WM-Qualifikation.

Ein bewegender Moment, denn nichts hat sich Higuain sehnlicher gewünscht, als für die Albiceleste aufzulaufen: "Ich würde für dieses Trikot sterben."

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