32 Länder - 32 Geschichten: Elfenbeinküste

Drogba: Der Rüpel mit dem Herz aus Gold

Von Florian Bogner
Freitag, 26.03.2010 | 11:26 Uhr
Didier Drogba erzielte in 66 Spielen 43 Tore für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste
© Getty
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32 Teams nehmen an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Jedes Teilnehmerland hat seine eigene Geschichte zu erzählen. SPOX greift aktuelle Entwicklungen auf, lässt Protagonisten zu Wort kommen oder beleuchtet historische Ereignisse. Heute: Elfenbeinküste.

Die Kamera lief und ließ Didier Drogba nicht mehr aus dem Fokus. Die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste hatte im Oktober 2005 soeben die Qualifikation für die WM perfekt gemacht und das nationale Fernsehen übertrug live aus der Kabine der neugeborenen Helden.

Im Gegensatz zu europäischem Usus fingen die Kameras aber keine überschäumenden Champagner-Duschen ein. Die Menschen bekamen Kapitän Drogba zu sehen, der, auf die Knie gesunken, einen politischen Appell an die Nation richtete.

Legt die Waffen nieder, flehte er die opponierenden Parteien des seit mehr als einem halben Jahrzehnt schwelenden Bürgerkrieges im Land an: Legt bitte die Waffen nieder. Eine Woche später war der Waffenstillstand beschlossene Sache.

Zwischen Gott und Präsident

"Was ich damals tat, machte ich instinktiv. Wir Spieler hassten es, was mit unserem Land passierte und ich dachte, dass das Erreichen der Weltmeisterschaft das perfekte emotionale Umfeld für meinen Appell sei", sollte Drogba später über seine Ansprache sagen.

Natürlich hatte Drogbas Appell nicht alleine für das Abkommen gesorgt, das seit Monaten im Raum stand. Dass es dennoch auch am Stürmer festgemacht wurde, zeigt, welche Strahl- und Symbolkraft Drogba im Land an der afrikanischen Westküste genießt: Er steht irgendwo zwischen Gott und den politischen Führern des Landes.

"Drogba ist ohne Zweifel der einzige sportliche Superstar der Elfenbeinküste", sagt Arouna Kone von Hannover 96 gegenüber SPOX anerkennend: "Es gibt keinen anderen Sportler, der auf so hohem Niveau aktiv ist - daher wird er von allen Ivorern respektiert."

Sozial sehr engagiert...

Respekt, der bisweilen in grenzenlose Bewunderung übergeht. Ein englischer Journalist, der Drogba 2007 in der Hauptstadt Abidjan besucht, schreibt anschließend, Drogba könne mit Fug und Recht behaupten, in seiner Heimat ohne einen einzigen Cent überleben zu können - die Menschen brächten ihm schlichtweg alles, was er braucht. Für den Großteil der Bevölkerung ist Drogba ein echter Heiliger.

Als arm gilt man in der Elfenbeinküste, wenn man weniger als 250 Euro pro Jahr verdient - über 40 Prozent der Menschen fallen unter diese Armutsgrenze. Drogba hingegen verdient knapp 120.000 Euro pro Woche und engagiert sich mit zahlreichen Projekten am Aufbau des Landes - so setzt er sich als UN-Botschafter für den Kampf gegen AIDS ein und spendete bereits eine komplette Werbegage (rund drei Millionen Euro) für den Bau eines Krankenhauses.

Drogba betreibt nebenbei eine eigene Stiftung (The Didier Drogba Foundation), die er ins Leben rief, als er vom Fall eines kleinen Jungen hörte, der in seiner Heimat an Leukämie erkrankt war. Drogba setzte alle Hebel in Bewegung, um den Jungen medizinisch versorgen zu können, doch zwei Tage nachdem das Visum des Jungen für die Einreise nach Europa endlich bewilligt worden war, starb er. Ein Schock für den Stürmer, der seither seine karitativen Einsätze mindestens genau so wichtig nimmt wie die auf dem Platz.

"Meine Stiftung ist sehr wichtig für mich. Wir haben mit Waisen-Projekten angefangen, aber ich strebe größere Projekte an, etwas, das mehr Wirkung hat", sagt Drogba. "Ein Krankenhaus zu bauen, wird zumindest das Leid von ein paar Menschen lindern." Wie gesagt - ein echter Heiliger.

...auf dem Platz oft übermotiviert

Der Heiligenstatus beschränkt sich bei Drogba allerdings vornehmlich auf den Bereich abseits des Fußballplatzes. Sicher, an der Cote d'Ivoire wird jedes seiner Tore frenetisch gefeiert, und er gilt als der große Hoffnungsträger, wenn vom ersten afrikanischen WM-Titel der Fußball-Geschichte geträumt wird, doch im Vereinsfußball ringt der 32-Jährige immer noch um Anerkennung. Das liegt vor allem daran, dass sich Drogba bisweilen nicht im Griff hat.

Im Sommer 2008 fliegt er im Champions-League-Finale nach einem Ellenbogenschlag gegen Nemanja Vidic vom Platz. Im Herbst desselben Jahres wird er beim Pokalspiel in Burnley von Fans mit sämtlichem Unrat beworfen, der gerade greifbar ist - Drogba schleudert eine Münze zurück ins Publikum und wird prompt von der FA für mehrere Spiele aus dem Verkehr gezogen.

Und dann war da noch die Sache mit Tom Henning Övrebö - nachdem der Norweger Chelsea 2009 im CL-Halbfinale gegen Barcelona eine Handvoll Elfmeter verweigert hatte, attackierte Drogba den Schiedsrichter nach Spielschluss derart aufbrausend, dass er erneut für drei Spiele gesperrt wurde.

Drogba gelobte anschließend Besserung, weil ihn sein 8-jähriger Sohn nach dem Spiel zur Seite genommen und sinngemäß gesagt hatte: Papa, was zur Hölle machst Du da? "Mein Verhalten hatte ihn wirklich verwirrt", stellte Drogba schockiert fest. "Ich bin kein schlechter Kerl, aber manchmal geht die Leidenschaft mit mir durch. Manchmal sehe ich Videos von mir und denke: 'Das habe ich wirklich getan?'"

"Didier wer?"

Vor kurzem tat er es wieder: Beim CL-Aus gegen Inter Mailand flog Drogba erneut wegen einer Tätlichkeit vom Platz. "Klar sind die Roten Karten nicht gut für sein Image", sagt Landsmann Kone, verteidigt seinen Nationalmannschaftskapitän aber auch: "Wenn man immer am Limit spielt, kann so was passieren. Und wenn man sich vor Augen führt, unter welchem Erfolgsdruck er und seine Teams mitunter stehen, kann ich als Profi verstehen, dass er manchmal zu viel riskiert."

Es ist die Kehrseite des Mannes, der sich, seit er in England ist, sehr oft missverstanden und nicht genug wertgeschätzt fühlt. "Als ich nach England kam, sagten die Leute: 'Wer ist der Typ? Wir haben einen Star erwartet und nun kommt da einer aus Marseille? Marseille - von denen habe ich zuletzt 1993 was gehört'", schildert Drogba lebhaft die Skepsis, die ihm 2004 in London entgegen schlug.

In seinem ersten Jahr beschrieb ihn der "Daily Telegraph" als einen, der in einem Spiel gleichsam den besten und den schlechtesten Stürmer der Welt verkörpern könnte - weil er zu viele Chancen liegen ließ. Ein anderes Blatt bezeichnete seinen Spielstil als den eines Hundes, der einem Luftballon nach jagt.

"Ich war sehr traurig darüber, schließlich stand ich zuvor mit Olympique im UEFA-Cup-Finale und war Spieler des Jahres in Frankreich geworden. Ich sagte: 'Ich bin Didier Drogba', aber die Leute fragten nur: 'Didier wer?' Ich musste wieder von ganz unten anfangen. Das war nicht leicht", sagt Drogba.

Profi erst mit 22

Von ganz unten - auch geographisch - war er schon in seiner Kindheit gekommen. In Abidjan lernt er Laufen, mit fünf Jahren schicken ihn seine Eltern nach Frankreich. Der Junge, den alle Tito nennen, soll bei seinem Onkel Michel Goba unterkommen - einem Halbprofi, der sich als Wandervogel in den Niederungen des französischen Fußballes verdingt.

Wo Goba spielt, spielt auch der junge Drogba - am Ende sind es über ein halbes Dutzend Teams, die er bis zu seinem 19. Lebensjahr bereits durch hat. Dennoch vertraut er ganz dem Urteil seines Onkels. Als ihn ein Trainer als Rechtsverteidiger aufbietet, sagt ihm Goba: Du bist Stürmer! Spiel vorne! Drogba sucht das Gespräch mit dem Trainer und wird erhört. "Er hielt mich wohl für einen guten Angreifer", scherzt Drogba heute über das treffende Urteil seines Onkels.

Erst mit 20 Jahren - mittlerweile bei UC Le Mans gelandet - kommt Drogba mit dem Profi-Fußball in Berührung. Erstmals trainiert er täglich, erstmals hat er den Glauben daran, er könne es als Profi schaffen. Mit 21 gibt er sein Debüt in der zweiten französischen Liga, mit 22 bekommt er seinen ersten Profi-Vertrag. Was schleppend anläuft, wird zur Rakete: Nur fünf Jahre später wird er zu Frankreichs Fußballer des Jahres gewählt und wechselt für 37 Millionen Euro von Marseille nach London.

WM-Titel? "Wir sind bereit"

Und nun, mit 32, greift Drogba wieder nach den Sternen. "Alle im Team glauben daran, dass wir als erste afrikanische Mannschaft die WM gewinnen können", meinte er im Januar vollmundig. "Die Elfenbeinküste ist bereit dafür." Im Gegensatz zu Chelsea ist Drogba im Nationalteam der absolute Anführer. Gerade jetzt, wo die Mannschaft zweieinhalb Monate vor der WM noch ohne Trainer dasteht, kommt dem Kapitän viel Verantwortung zu.

"Abseits des Platzes ist er ein netter, zurückhaltender Mann, fast schon schüchtern. Auf dem Platz und in der Kabine ist er dafür ein echter Leader, der viel mit den anderen Spielern kommuniziert, motiviert und auch kämpferisch immer ein Vorbild ist", sagt Kone. "Er redet nicht nur, sondern lässt auf dem Platz Taten sprechen. Didier ist unersetzlich für uns", beschreibt ihn Yaya Toure vom FC Barcelona.

Pünktlich zur WM scheint Drogba auch in der Form seines Lebens zu sein: Am Dienstag erzielte er gegen Portsmouth seine Saisontreffer 23 und 24 in der Premier League, das ist jetzt schon seine Bestmarke. Wayne Rooney (26) ist in Reichweite.

Als sein Coach Carlo Ancelotti unlängst zu einem Vergleich zwischen Rooney und Drogba genötigt wurde, machte der Italiener den Stellenwert von Drogba auf seine Art klar: "Rooney soll der beste Stürmer der Welt sein?", sagte Ancelotti ungläubig. "Er ist vielleicht der beste von United. Er ist ein Champion, ein Weltklasse-Torjäger und ein idealer Mitspieler, weil er überall spielen kann. Aber ich habe Drogba."

Alle Termine und der Kader: Die Elfenbeinküste im Steckbrief

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