Winnie Schäfer im Interview

Schäfer: "Nigeria hat mich kontaktiert"

Von Interview: Haruka Gruber
Donnerstag, 18.02.2010 | 11:12 Uhr
Winnie Schäfer (r.) bestritt als Spieler 403 Bundesliga-Partien und erzielte 46 Treffer
© Imago
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Führt ein Deutscher John Mikel und Obafemi Martins zur WM? Nigeria sucht nach Shaibu Amodus Entlassung einen neuen Trainer - und denkt an Winnie Schäfer, der mit Kamerun 2002 den Afrika-Cup gewann und in den letzten vier Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten arbeitete. Nach der Trennung von Al Ain ist er seit Dezember 2009 aber frei für eine neue Aufgabe. Schäfer stellt jedoch eine Bedingung.

SPOX: In Dubai sind es derzeit knapp 30 Grad, Sie wiederum wohnen nach dem Weggang von Al Ain wieder im badischen Ettlingen. Temperaturen am Gefrierpunkt, Schnee und Matsch. Wie geht es Ihnen?

Winfried Schäfer: Die Temperaturen sind natürlich nicht alles, und am Dienstag war ja auch in Süddeutschland schönes Wetter. Aber klar: Regen und Schnee bleiben Regen und Schnee. Mir fehlt die Wärme in den Emiraten, dieses wunderschöne Klima im Herbst und Winter. Und mir fehlt die Leichtigkeit, die dort herrscht, weil jeden Tag die Sonne scheint.

SPOX: Warum hat sich Al Ain von Ihnen getrennt? Die Ergebnisse haben immerhin gestimmt.

Schäfer: Es haben zwei Faktoren eine Rolle gespielt: Wir sind zwar gut in die Saison gestartet, verloren aber dann das prestigereiche Derby gegen Al-Wahda, was für den Scheich sehr enttäuschend war. Auf der anderen Seite waren die Bedingungen nicht optimal, um die Meisterschaft zu gewinnen.

SPOX: Warum?

Schäfer: Ich war mit dem Verhalten der beiden ausländischen Stars bei uns nicht einverstanden. Chiles Star Jorge Valdivia kam verspätet von der Nationalmannschaft zurück, obwohl er wusste, dass wir nicht einmal 24 Stunden später ein wichtiges Ligaspiel hatten. Und der Brasilianer Emerson nahm es mit der Pünktlichkeit ebenfalls nicht so ernst. So sehr sich die Local Player, also die Spieler aus den Emiraten, auch bemühen, solche Ausfälle kann man auf Dauer nicht kompensieren. Daher kamen der Verein und ich zum Schluss, dass eine Trennung das Beste wäre.

SPOX: Wie verbringen Sie nun Ihre freie Zeit?

Schäfer: Ich halte mich auf dem Laufenden, beobachte die Bundesliga, den internationalen Fußball und natürlich die Champions League intensiv. Zum Beispiel genieße ich es, dass ich völlig unbeteiligt ein Spiel auf Spitzenniveau in Ruhe anschauen und meine Schlüsse daraus ziehen kann. Es ist ein neues Gefühl, nur aus Neugierde die Partie zwischen Milan und Manchester United zu analysieren und zu verfolgen, welche taktischen Änderungen beispielsweise Sir Alex Ferguson vorgenommen hat.

SPOX: Werden Sie melancholisch, wenn Sie die große Fußball-Bühne nur als Zuschauer beobachten können?

Schäfer: Es ist nicht so, als ob ich zuhause neben dem Telefon verharre und auf einen Anruf warte. Aber es gibt Anfragen.

SPOX: Es wird gemunkelt, dass Nigeria an Ihnen interessiert ist.

Schäfer: Der nigerianische Verband hat mich kontaktiert und angefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, die Nationalmannschaft zur WM nach Südafrika zu führen.

SPOX: Und?

Schäfer: Natürlich kann ich es mir vorstellen. Ich stehe offenbar auf einer Liste mit drei weiteren Kandidaten, jetzt geht es darum, die Details zu klären. Ich mache den Job nur, wenn alles stimmt. Das Finanzielle ist eher sekundär, vielmehr geht es darum, dass die Organisation stimmt. Wenn man zur WM fährt, dann nur mit entsprechenden Zielen.

SPOX: Was ist mit Kamerun und der Elfenbeinküste? Beide suchen angeblich auch schon nach neuen Trainern - und Sie sind als ehemaliger Nationalcoach Kameruns ein bekanntes Gesicht in Afrika.

Schäfer: Beide Mannschaften haben beim Afrika-Cup enttäuscht und es war offensichtlich, dass ihnen die taktische und organisatorische Disziplin gefehlt hat. Daher war ich nicht verwundert zu hören, dass sie jeweils den Trainermarkt sondieren, wobei die Elfenbeinküste wohl einen französischen Coach bevorzugt. Kontakt gab es noch nicht.

SPOX: Es klingt, als ob Sie das Ausland bevorzugen. Ist Deutschland kein Thema mehr?

Schäfer: Den Erfahrungsschatz, den ich in den letzten Jahren gesammelt habe, kann man nicht in einer Hochschule lernen. Ich habe die verschiedensten Kulturen kennengelernt und bewiesen, wie erfolgreich man trotz aller Widrigkeiten arbeiten kann. Aber wenn man so lange weg war, ist es schwer, in der Bundesliga einen Job zu finden.

SPOX: Kommt die 2. Liga in Frage?

Schäfer: Kommt auf den Verein an. Kategorisch will ich nichts ausschließen. Das Wichtigste für mich ist, dass die Zusammenarbeit mit der Klubführung klappt. Eine Mannschaft kann man sich zusammenbauen, die Chefetage aber nicht. Vielleicht gehe ich aber auch in eine der arabischen Ligen zurück. Ich bin auf jeden Fall bereit für ein neues Abenteuer.

Winfried Schäfer im Steckbrief

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