Wer hilft Schweini?

Von Für SPOX in Helsinki: Stefan Rommel
Dienstag, 09.09.2008 | 15:58 Uhr
© Getty
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Der Auftakt in Liechtenstein war schon vielversprechend, in Finnland muss die deutsche Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation am Mittwoch (19.20 Uhr im SPOX-TICKER) aber nachlegen, um einen großen Schritt in Richtung WM 2010 in Südafrika zu machen.

Der 6:0-Sieg von Vaduz zeigte eine positive Weiterentwicklung der DFB-Elf: Er offenbarte aber auch eine handvoll Problemfelder, die es im Hinblick auf den deutlich stärkeren Gegner Finnland abzustellen gilt.

SPOX nennt die kleineren und größeren Baustellen im DFB-Team:

Die rechte Verteidigerposition: Clemens Fritz rennt schon seit Saisonbeginn seiner Form hinterher. Selbst gegen die harmlosen Liechtensteiner traute sich der Bremer offensiv nichts zu und gewährte dem Gegner über seine Seite die ein oder andere Chance zum Torabschluss.

Ein wenig erinnert Fritz' unerklärliches Leistungsloch an Miroslav Kloses momentane Verfassung, wenn auch nicht so augenscheinlich. Vielleicht hat Fritz wegen seiner laufenden Vertragsverhandlungen mit Werder Bremen den Kopf nicht frei. Gegen den erfahrenen Joonas Kolkka jedenfalls wird er defensiv erheblich mehr zu tun bekommen als am Samstag.

"Er war nicht so präsent. Er lebt von seiner Technik und seiner Dynamik, die hat ihm da gefehlt. Aber vielleicht bekommen wir das bis morgen noch hin", sagt Bundestrainer Joachim Löw.

Der zweite Angreifer: Es wurde genug geschrieben und geredet. Der Ersatz-Kapitän bekommt womöglich die nächste Chance zur Bewährung. "Ich werde mit ihm noch mal sprechen. Grundsätzlich ist das Vertrauen in Miroslav groß, wir stehen da hinter ihm. Aber dass er momentan nicht die Form hat, ist uns allen auch bewusst", sagte Löw über Miroslav Klose. (Löws Angaben zur Startformation auf der Pressekonferenz)

Es spricht für den Bundestrainer, dass er an einer seiner Säulen auch in der Krise festhält. Die SPOX-User sehen das anders: 54,8 Prozent wünschen sich Mario Gomez neben Lukas Podolski im deutschen Angriff. Nur 26,6 Prozent votierten für Klose (Stand: 16 Uhr).

Das Offensivspiel über rechts: Die Malaise besteht darin, dass der teilnahmslose Fritz und ein unscheinbarer Klose eine wichtige Figur wie Bastian Schweinsteiger isolieren. Der Bayer wird im 4-2-3-1-System der Finnen richtige Probleme bekommen, das Spiel mitzubestimmen, wenn Fritz und Klose ähnlich schwache Leistungen abrufen wie gegen Liechtenstein.

Aber selbst wenn Löw auf Fritz verzichtet und stattdessen überraschend Andreas Hinkel bringen sollte: Der Ex-Stuttgarter wird einen Teufel tun und in seinem ersten Spiel seit über zwei Jahren blind nach vorne rennen. Vielmehr dürfte Hinkel dosiert im Offensivspiel agieren und in erster Linie seine rechte Seite dicht halten.

Die Möglichkeit, Philipp Lahm nach rechts zu ziehen und stattdessen Christian Pander links verteidigen zu lassen, bietet sich Löw nicht mehr: Der Schalker wurde wegen eines grippalen Infekts vorzeitig nach Hause geschickt. Marcell Jansen befindet sich hingegen auf dem Weg der Besserung: Der Hamburger konnte wieder mittrainieren.

Im Sturm fehlt auf rechts ein Äquivalent zu Podolski, der gegen Liechtenstein quasi den Linksaußen gab und immer wieder als Anspielstation für Mittelfeld und Abwehr diente. Schweinsteiger wird also wohl oder übel oft in die Eins-gegen-Eins-Situation gehen müssen und damit auch sehr anfällig sein für Fehler und Ballverluste.

Das offensive Pressing: Die DFB-Elf stand gegen Liechtenstein in den ersten 45 Minuten zu tief. Das von Löw geforderte aggressive Offensivpressing war dadurch schwer, die Räume zwischen Innenverteidigung und Mittelfeldzentrale war zu groß. Der Gastgeber konnte durch simple lange Bälle zwar uneffektiv, aber bis 30 Meter vor dem Tor relativ unbehelligt kontern.

In der zweiten Halbzeit schob die gesamte Viererkette zehn Meter weiter nach vorne und erwartete den Gegner schon kurz hinter der Mittellinie. Die Folge waren schnelle Ballgewinne tief in der Liechtensteiner Hälfte.

Die Spieleröffnung: Simon Rolfes ist technisch sehr versiert, zeigt das aber beim wichtigen ersten Ball nach vorne zu selten. Mit dem ein oder anderen Querpass zu viel macht er das Spiel unnötig langsam. Natürlich ist er als zentraler Mittelfeldspieler auch angehalten, das Tempo zu variieren und auch mal zu verschleppen, allerdings vergaß er gegen Liechtenstein - bis auf ein direktes Zuspiel in den Lauf von Podolski - dass auch der vertikale Flachpass nach vorne ab und an ganz gefährliche Wirkung haben kann.

Rolfes, Thomas Hitzlsperger und auch Heiko Westermann leisteten sich einige schlampige Abspiele im Mittelfeld. Gegen Liechtenstein hatte das keine Konsequenzen. Auf weitere Versuche gegen Finnland sollten sie es besser nicht ankommen lassen.

Hält die Mitte? Gegen Liechtenstein durfte die Frischlingsabwehr noch üben, gegen Finnland wartet jetzt der erste echte Ernstfall. Westermann, Tasci und Rolfes haben zusammen zarte 21 Länderspiele auf dem Buckel, die drei von Torhüter Robert Enke sind auch nicht gerade üppig. Erst zum zweiten Mal spielen die vier in dieser Konstellation zusammen.

Nun ist Finnland nicht unbedingt für herzerfrischenden Offensiv-Fußball bekannt, trotzdem steht der deutschen Bubi-Abwehr auf Seiten der Gastgeber mit Johansson (90), Värynen (37), Kolkka (87) und Forssell (56) die Erfahrung von insgesamt 270 Länderspielen gegenüber.

Die Standards: Auch wenn nach 121 vergeblichen Versuchen endlich wieder ein Tor nach einem ruhenden Ball gelang: Die zahlreichen Versuche davor, im Liechtenstein- und auch im Belgien-Spiel, waren wieder einmal einfallslos und kaum gefährlich. Ein Lichtblick sind Ecken und Freistöße von Marko Marin.

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