Felipe Melo: Brasiliens neuer Dunga

Von Christian Bernhard
Donnerstag, 25.06.2009 | 15:48 Uhr
Felipe Melo erzielte in bisher acht Spielen für Brasilien zwei Tore
© Getty
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Brasilien hat in Südafrika seinen Confederations-Cup-Titel von 2005 verteidigt. Neben den Superstars Kaka und Robinho kommt auch Newcomer Felipe Melo eine wichtige Rolle im Spielsystem von Selecao-Coach Carlos Dunga zu. SPOX stellt den Mittelfeldmann des AC Florenz im Porträt vor.

Carlos Dunga hatte von Anfang an klare Ideen. "Um Weltmeister zu werden, brauchen wir das brasilianische Talent und das Taktik-Vermögen der Europäer. Meine Selecao wird niemals nur Samba-Fußball sein."

Mit diesem Kurs machte sich Brasiliens Nationalcoach bei seinen von Zauberfußball verwöhnten Landsleuten nicht sonderlich beliebt, Dunga ließ sich aber zu keiner Zeit von seinem Weg abbringen und zieht ihn eiskalt durch.

Melo wandelt in Florenz auf Dungas Spuren

Auf dem Platz bedeutet das: Ganz vorne zaubern Kaka, Robinho und Co. und dahinter wird den Superstars von emsigen Mittelfeldarbeitern der Rücken freigehalten - so wie es der Ex-Stuttgarter in seiner aktiven Zeit selbst tat.

Heute erledigt zum Beispiel Gilberto Silva, der lange Jahre Arsene Wengers Abfangjäger bei Arsenal war und jetzt bei Panathinaikos Athen tätig ist, diesen Job. Und Felipe Melo.

Felipe wer? Der 26-Jährige war bis vor einem Jahr wohl nur eingefleischten Kennern der Primera Division ein Begriff. Von Almeria wechselte Melo im vergangenen Sommer zum AC Florenz und vollendete dort seinen beeindruckenden Aufstieg.

Ein gutes Pflaster, wie Dunga selbst weiß. Er spielte zwischen 1988 und 1992 ebenfalls in der italienischen Kunst-Hauptstadt am Arno. "Was ich besonders an Felipe schätze? Dass er die Gegner regelrecht auffrisst", erzählte Dunga erst vor kurzem.

Seit Januar immer in Brasiliens Startelf

Kraftvoll, gute Spielübersicht, Leaderqualitäten und ein unbändiger Kampfeswillen - das ist Felipe Melo. "Ich bin ein Kämpfer. Ich liebe die harte, aber faire Auseinandersetzung auf dem Rasen", sagt auch der dreifache Familienvater von sich selbst.

Dazu kommt noch eine Prise Torgefährlichkeit - besonders nach Standards, wie er beim Confederations Cup mit seinem 1:0 per Kopf gegen die USA eindrucksvoll unterstrich.

An Selbstvertrauen mangelt es dem ehemaligen Flamengo-Profi auch nicht. Bei seiner Antritts-Pressekonferenz in Florenz im vergangenen Juli nahm Melo gleich das Wort Nationalmannschaft in den Mund. "Ich weiß, dass ich die dafür nötige Persönlichkeit habe", verkündete Melo.

Gesagt, getan: Anfang des Jahres feierte er in London gegen Italien sein Debüt in der Selecao. Melo durfte von Beginn an ran, nahm einen gewissen Andrea Pirlo nahezu komplett aus der Partie und spielte 90 Minuten durch - seither hat er seine Position im defensiven Mittelfeld nicht mehr hergegeben.

Melo: Dunga ist mein Vorbild

Seit 14 Spielen ist Brasilien mittlerweile unbesiegt, in den letzten acht davon stand Melo immer 90 Minuten auf dem Rasen. Carlos Dunga hat es tatsächlich geschafft, den brasilianischen Schnörkel mit europäischer Effizienz zu verbinden -  und Melo ist das Gesicht dieser Entwicklung.

Nicht ohne Grund: Seit vier Jahren ist Melo bereits in Europa, vor seiner Florenz- und Almeria-Zeit schnürte er auch schon für Santander und Mallorca seine Fußballschuhe.

Klar, dass der Fiorentina-Mittelfeldmotor nur warme Worte für seinen Teamchef übrig hat: "Er ist ein Vorbild für mich. Nach der enttäuschenden WM 1990 kam er 1994 in den USA eindrucksvoll zurück und stemmte den WM-Pokal in die Höhe. Seine Kampfkraft und sein Siegeswillen waren wichtiger als das Talent vieler unserer Stars."

Europas Großklubs wollen Melo

Acht Millionen hatte Pantaleo Corvino, der umtriebige Sportdirektor der Fiorentina, im vergangenen Sommer für Melo an Almeria überwiesen. Der Deal war aber bereits im Frühjahr in trockenen Tüchern.

Erst danach streckten auch Real, Barca und Valencia ihre Fühler nach Melo aus - doch der stand zu seinem Wort. "Corvino trat an mich heran, als sich noch keiner für mich interessierte. Ich habe ihm mein Wort gegeben und ich stehe zu meinen Versprechen", so Melo.

Mittlerweile ist Melos Marktwert auf rund 20 Millionen Euro taxiert. In den vergangenen Wochen klopften Arsenal, Juve, Inter, ManCity und erneut Real an Corvinos Tür, in Kürze soll Melos Vertrag verlängert und mit einer festgeschriebenen Ablösesumme von 20 Millionen versehen werden.

Auf dem Weg zum neuen Dunga

Große Zahlen, die den strenggläubigen Brasilianer aber momentan nicht berühren. Für ihn zählen nur zwei Dinge: Familie und Fußball. Nicht umsonst heißt sein ältester Sohn Lineker, in Anlehnung an den großen Gary.

Seine Frau und die drei Kinder sind Melos Lebensmittelpunkt, sein großer Bruder kümmert sich um alle außerfußballerischen Angelegenheiten. So kann Felipe weiter daran arbeiten, der "neue" Dunga zu werden.

Und wie wichtig es ist, so einen Spielertyp in der Mannschaft zu haben, wissen auch die Superstars. "Ohne Dunga wären wir 1994 niemals Weltmeister geworden", unterstrich  Bebeto nach dem WM-Triumph in den USA. "Romario und ich haben viel Lob bekommen, aber er war der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft." Davon träumt heute Felipe Melo.

Felipe Melo im Steckbrief

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