Diego rettet Werder das Remis

Von Stefan Rommel / Benny Semmler
Mittwoch, 18.02.2009 | 22:30 Uhr
Diego erzielte den Ausgleich für Werder Bremen
© Getty

Werder Bremen hat im Hinspiel in der Zwischenrunde des UEFA-Cups gegen den AC Milan nur ein 1:1 (0:1) erreicht und steht damit vor dem frühen Aus auf internationaler Bühne.

Vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Bremer Weserstadion erzielte Filippo Inzaghi mit seinem 66. Tor in einem europäischen Wettbewerb das Tor für die Rossoneri (36.). Bremens Spielmacher Diego konnte in der 84. Minute immerhin noch den Ausgleich erzielen.

Trotzdem steht Werder im Rückspiel in acht Tagen im San Siro vor einer sehr schweren Aufgabe.

"So sind wir im Rückspiel nicht chancenlos"

"Wir haben in der zweiten Halbzeit mehr oder weniger auf ein Tor gespielt, und das gegen den AC Mailand. Das macht Hoffnung. Leider haben wir die Überlegenheit nicht in mehrere Tore umgemünzt", haderte Werder-Trainer Thomas Schaaf.

Seine Hoffnung: "Ein 1:1 gegen Milan ist nicht schlecht, aber nicht gut genug für den Aufwand, den wir betrieben haben. Aber wenn wir in Mailand so auftreten wie hier in der zweiten Halbzeit, sind wir nicht chancenlos."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Werder ohne den gesperrten Frings, für den Baumann den Part vor der Abwehr übernimmt. Diego als Spielgestalter im Zentrum, Özil auf links.

Bei Milan sitzt Beckham nur auf der Bank. Inzaghi ist im 4-3-2-1 einzige Spitze, in der Innenverteidigung vertraut Coach Ancelotti auf Senderos und Favalli.

1.: Riesenchance Werder! Ecke Diego. Über Umwege kommt der Ball zu Tziolis. Der Grieche schießt aber aus sechs Metern genau auf Dida.

15.: Seedorf steckt überragend durch auf Flamini. Dessen Schuss aus 15 Metern hätte im oberen rechten Eck eingeschlagen. Aber Wiese ist da.

36., 0:1, Inzaghi: Fritz spielt in Bedrängnis einen fürchterlichen Querpass vor dem eigenen Sechzehner. Flamini ist dazwischen, flankt auf Inzaghi und der netzt aus sieben Metern flach links ein.

55.: Fernschuss Diego. Dida ist im rechten Eck und hält.

57.: Muss er machen! Langer Flankenball auf Almeida. Der steht am zweiten Pfosten völlig blank, legt den Ball per Kopf aber links am Tor vorbei.

66.: Überragender Pass von Seedorf auf Inzaghi. Der enteilt Mertesacker und nagelt den Ball aus 14 Metern ans rechte Lattenkreuz.

84., 1:1, Diego: Hoher Ball in den Strafraum. Almeida verlängert. Diego nimmt den Ball mit der Brust an und schiebt ihn aus sieben Metern mit links ins rechte Eck.

90.+1: Kopfball Pizarro an den Pfosten! Den Nachschuss haut er höchstpersönlich aus sechs Metern über das Tor.

So lief das Spiel: Werder begann stark, bis zur zehnten Minute konnte sich Milan kaum befreien. Erst danach kamen die Gäste besser ins Spiel und vor allem über die linke Seite zu eigenen Angriffen. Mit zunehmender Spieldauer bekam Milan das Spiel richtig in den Griff, ohne aber selbst gefährlich zu werden. So entwickelte sich eine Partie auf ansprechendem Niveau, aber ohne große Höhepunkte - ehe Fritz das 0:1 mit einem katastrophalen Querpass einleitete.

Werder kam erneut mit Elan aus der Kabine und konnte zumindest phasenweise so etwas wie Druck aufbauen. Allerdings gingen die Gastgeber mit ihren wenigen Chancen zu fahrlässig um. Zumindest stimmte in der zweiten Halbzeit der bedingungslose Einsatz, wodurch sich Bremen klare Feldvorteile erspielte. Milan tat offenbar im Gefühl des sicheren Sieges kaum mehr als notwendig und spielte nur noch sehr vereinzelt seine Konter zielstrebig zu Ende. In der Schlussphase wechselte Werder-Coach Schaaf sehr offensiv, erlöste den überforderten Fritz und warf alles nach vorne. So fiel dann doch noch das erlösende 1:1 durch Diego, als Werder es mit der Brechstange versuchte.

Der Star des Spiels: Clarence Seedorf. Der Niederländer zeigte sein gesamtes Repertoire. Wenn er am Ball war, waren seine Aktionen schlicht weltklasse. Seedorf hatte Ruhe am Ball, war geschickt im Zweikampf und fand dann auch immer wieder Zeit, die von drei Mann bewachte Spitze Inzaghi perfekt zu bedienen. Ganz starker Auftritt des Altstars.

Die Gurke des Spiels: Werders rechte Seite war eine ziemliche Katastrophe. Fritz und Tziolis brachten kaum einen vernünftigen Angriff vor. Beide hatten erhebliche Probleme mit dem Spieltempo und damit auch mit Milans schnellen Kontern. Zambrotta und Ambrosini hatten in der Defensive keinerlei Probleme gegen das Bremer Duo und starteten immer wieder gefährliche Gegenstöße. Fritz' fataler Querpass vor dem 0:1 setzte einer miserablen Vorstellung die Krone auf. Tziolis hätte dem Spiel bereits nach 58 Sekunden eine andere Dramaturgie verpassen können, vergab die Hundertprozentige aber genau so schlampig wie eine Vielzahl guter Schussgelegenheiten später.

Die Lehren des Spiels: Werder ist mit einem Kaliber der Größe des AC Milan momentan nur phasenweise auf Augenhöhe. Den Hausherren fehlte in der ersten Halbzeit das Feuer und die Leidenschaft, um sich richtig in die Partie zu kämpfen. Dadurch fehlte es dem Spiel auch an Geschwindigkeit und Überraschungsmomenten. Im zweiten Durchgang wurde das zwar deutlich besser, wodurch das Remis auch in Ordnung geht. Dass es nicht zu mehr reichte, lag wie zuletzt schon an der eklatanten Abschlussschwäche der Hanseaten.

Aus den Niederlagen der jüngeren Vergangenheit hat Werder allerdings nicht gelernt. Fritz' Fehler war in seiner Entstehung ein Abziehbild von Frings' Bock aus dem Bielefeld-Spiel. Den Ball kann man zum Keeper zurück oder notfalls auch ins Seitenaus spielen. Fritz wählte die Risikovariante und scheiterte spektakulär.

Milan verbuchte den Ausflug ins Weserstadion wohl unter der Rubrik "nette Betriebsfahrt". Bis auf Seedorf und dem immer engagierten Inzaghi spulten die Italiener routiniert ihr Pensum runter, ohne den Anschein allergrößter Anstrengung zu vermitteln.

Selbst zahlreiche Ausfälle etlicher Superstars - unter anderem Kaka, Gattuso, Pato - kann Milan problemlos kompensieren, was einen signifikanten Unterschied zu Werder ausmacht. Die lasche Spielwiese wäre den Rossoneri am Ende aber beinahe noch zum Verhängnis geworden.

Werder Bremen - AC Mailand: Daten & Fakten

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