Fussball

Werder steht im Viertelfinale

Von Stefan Moser / Christian Günthner
Bremens Peter Niemeyer stoppt St. Etiennes Bafetimbi Gomis
© Getty

Werder Bremen steht im Viertelfinale des UEFA-Cups. Die Elf von Trainer Thomas Schaaf kam im Achtelfinal-Rückspiel zu einem verdienten 2:2 (0:2) beim französischen Vertreter St. Etienne. Das Hinspiel gewannen die Bremer mit 1:0.

Vor 28.000 Zuschauern im Stade Geoffroy Guichard in St. Etienne sorgte Sebastian Prödl (6.) nach einer Ecke von Torsten Frings schon früh für die Führung für Werder. In der 28. Minute traf Claudio Pizarro nach Vorarbeit von Mesut Özil zum 2:0 und sorgte damit de facto schon für eine Vorentscheidung.

Nach dem Seitenwechsel ließen es die Bremer allerdings deutlich gemächlicher angehen, und so kam St. Etienne durch Yohan Benalouane (64.) und Sebastian Grax (90.) noch zum Unentschieden. Unter dem Strich aber qualifizierte sich Werder verdient fürs Viertelfinale.

Für Unmut sorgten allerdings die eigenen Fans: Wiederholt wurden aus dem Werder-Fanblock Leuchtkörper gezündet - einige davon flogen auch in Richtung der gegnerischen Anhänger. Die französische Polizei nahm drei Bremer Anhänger fest. Bremens Sportchef Klaus Allofs verurteilte das Verhalten der Werder-Fans schon zur Halbzeit aufs Schärfste.

"Dafür habe ich keinerlei Verständnis und wir werden alles daran setzen, die Schuldigen ausfindig zu machen. Das ist unsportlich, gesundheitsgefährdend und kostet Werder Bremen außerdem viel Geld. Denn ich gehe davon aus, dass wir eine ordentliche Strafe aufgebrummt bekommen", sagte Allofs.

Gegen wen Werder nun im Viertelfinale am 9. und 16. April antreten muss, wird am Freitag in Nyon ausgelost.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Mertesacker und Naldo sind zurück und bilden wieder die Bremer Innenverteidigung. Dafür rückt Prödl auf die rechte Seite der Viererkette. Im Angriff beginnt wieder Rosenberg neben Pizarro.

St.Etienne-Coach Perrin schont tatsächlich wie angekündigt zwei seiner stärksten Spieler für den Abstiegskampf in der Ligue 1. Payet und Ilan sitzen nur auf der Bank. Ist ja auch nur UEFA-Cup-Achtelfinale...

6., 0:1, Prödl: Frings tritt die erste Bremer Ecke von rechts genau ins Zentrum. Prödl steht komplett frei, und köpft aus fünf Metern ins linke Eck. Gomis hat in der Defensive gepennt!

8.: Die Bremen Fans feiern auf ihre Art und Weise. Massig Leuchtraketen und Bengalos werden im Werder-Block gezündet.

9.: Schöne Aktion von Dernis. Frings attackiert nur halbherzig im Mittelfeld. Dernis zieht aus 20 Metern ins lange Eck ab. Der Ball geht nur knapp einen Meter vorbei.

28., 0:2, Pizarro: Frings bedient aus dem Zentrum Özil auf links. Der flankt zehn Meter hinterm Strafraumeck in die Mitte. Pizarro startet und netzt per Flugkopfball aus acht Meter ein.

57.: Pizarro! Frings bringt eine Ecke von links auf den kurzen Pfosten. St. Etiennes Hintermannschaft klärt den Ball nur ans Fünfer-Eck. Pizarro nimmt den Ball artistisch volley aus der Drehung, Dernis klärt auf der Linie!

64., 1:2, Benalouane: Bremen bekommt dreimal den Ball nicht raus und so steht der lange Verteidiger Benalouane auf einmal am zweiten Pfosten ganz frei. Er nimmt die Flanke von rechts mit dem Kopf und trifft aus sechs Metern.

71.: Rosenberg flankt auf Pizarro. Der nimmt am Fünfereck den Ball in Ruhe an und legt auf Diego zurück, der nach einem angetäuschten Schuss aus 14 Metern abzieht. Aber Verrault klärt auf der Linie.

75.: Gomis behauptet den Ball gegen Tziolis, Mertesacker und Naldo. Dann zieht er aus 18 Metern ab. Der Flachschuss geht nur wenige Zentimeter links am Tor vorbei.

90., 2:2, Grax: Bremen bekommt den Ball gegen Payet nicht weg, so dass der im Strafraum rechts auf Grax ablegen kann. Aus spitzem Winkel, acht Meter vor dem Tor, haut der klasse ins lange Eck.

So lief das Spiel: Rasanter Auftakt in die Partie: Werder machte sofort Dampf und suchte mit schnellem und direktem Spiel das Heil in der Offensive. St. Etienne hielt, angepeitscht durch die fantastische Atmosphäre im Stadion, gut dagegen. Daran änderte zunächst auch der frühe Rückstand nach dem Kopfball von Prödl nichts: Feuer auf dem Rasen, Feuer auf den Rängen - leider auch im buchstäblichen Sinn.

Aus dem Werder-Block flogen etliche Feuerwerkskörper auf den Platz und in Richtung der St.-Etienne-Fans. Die Bremer Spieler immerhin bekamen den Gegner immer besser in den Griff, sorgten damit für mehr Ruhe vor dem eigenen Tor und auf der Tribüne - und ging nach knapp einer halben Stunde hoch verdient mit 2:0 in Führung. Die Vorentscheidung.

Mit der beruhigenden Führung im Rücken kam Werder doch etwas lässig aus der Kabine. St. Etienne erhöhte den Druck und kam entsprechend verdient in der Schlussminute noch zum Ausgleich. Dennoch hatte man eigentlich immer das Gefühl, dass Bremen jederzeit Herr der Lage war - und verdient im Viertelfinale steht.

Star des Spiels: Torsten Frings. Gedankenschnell, zweikampfstark, umsichtig im Spielaufbau. Torsten Frings ist auf dem Weg zu seiner alten Stärke. Er war der Chef im Bremer Mittelfeld, stopfte Löcher, eroberte viele Bälle und schlug brandgefährliche Standards. War zudem an beiden Toren als Vorbereiter beteiligt.

Gurke des Spiels: Alain Perrin. St. Etiennes Trainer sorgte schon vor der Partie mit der Aussage für Wirbel, er würde lieber ausscheiden, um sich voll auf den Abstiegskampf in der französischen Liga zu konzentrieren. Tatsächlich schonte er mit Dimitri Payet und Ilan dann auch zwei seiner stärksten Akteure. Für ein UEFA-Cup-Achtelfinale eine durchaus unorthodoxe Maßnahme...

Lehren des Spiels: Werder bestätigte, zumindest in der ersten Halbzeit, die Aufwärtstendenz der letzten Spiele. Vor allem die Formkurve der Schlüsselfiguren zeigt weiter nach oben, das Selbstbewusstsein steigt. Torsten Frings zeigte sein wohl bestes Saisonspiel, Per Mertesacker und Naldo organisierten die konzentrierte Viererkette und vor allem: Pizarro scheint vom Wirbel um seine Person völlig unbeeindruckt: viel Engagement, positive Körpersprache - und eine richtig kalte Schnauze vor dem Tor.

Insgesamt ein sehr runder Abend für die Bremer. Die Schaaf-Elf kam von Beginn an gut in die Zweikämpfe, war sehr präsent, engagiert und gedankenschnell, beschäftigte den Gegner dadurch ausreichend in dessen Hälfte und kam damit defensiv kaum in Bedrängnis.

Gleich die erste Standardsituation führte zum Tor und sorgte in der Addition schon früh für einen komfortablen Vorsprung - so in etwa dürfte Schaaf sich das vorher auf seinem Wunschzettel aufgemalt haben.

Auch nach der Führung blieb Werder am Drücker, legte nach und kam so noch in der ersten Hälfte zum verdienten 2:0 - die Vorentscheidung.

Der Leichtsinn nach der Pause ist zwar ärgerlich, ändert aber nichts am generellen Fazit: Werder scheint begriffen zu haben - nur der UEFA-Cup kann die verkorkste Saison nach retten.

Daten & Fakten: St. Etienne - Werder Bremen

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