Fussball

HSV dreht 0:2 um und steht im Viertelfinale

Von Thomas Gaber/Martin Rösch
Donnerstag, 19.03.2009 | 22:25 Uhr
Paolo Guerrero brachte den HSV mit einem Doppelpack wieder zurück ins Geschäft
© Getty

Der Hamburger SV steht nach einem 3:2 (0:1)-Sieg bei Galatasaray Istanbul im Viertelfinale des UEFA-Cups. Im Hinspiel hatten sich beide Mannschaften 1:1 getrennt. Paolo Guerrero (57./60.) und Ivica Olic (90.) drehten eine 2:0-Führung der Türken durch Tore von Harry Kewell (41./FE) und Milan Baros (48.).

Vor 23.500 heißblütigen Zuschauern im ausverkauften Ali Sami Yen Stadion von Istanbul war die Mannschaft von Trainer Martin Jol am Ende ein glücklicher, aber nicht unverdienter Sieger.

Der HSV gewann auch das fünfte Auswärtsspiel der laufenden UEFA-Cup-Saison.

"Galatasaray hat 2:0 geführt, dann kam Paolo mit zwei wunderschönen Toren. Wir wussten, wenn wir ein Tor schießen, wird das Publikum unruhig. In der ersten halben Stunde waren wir klar besser, dann kam dieser Elfmeter. Das ist auch eine Sache der Erfahrung", sagte Jol.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Dem HSV fehlen die verletzten Mladen Petric, Piotr Trochowski und Guy Demel. Coach Jol schickt seine Mannschaft im ungewohnten 4-2-3-1aufs Feld mit Ivica Olic als einziger Spitze.

Bei Galatasaray muss Offensivmann Harry Kewell für den rotgesperrten Emre Asik in der Innenverteidigung aushelfen.

8.: Akman wird von Turan an der Strafraumgrenze freigespielt und zieht ab. Der Schuss kommt aber zu zentral auf die Kiste und stellt Rost vor keine Probleme.

10.: Pitroipa zirkelt eine Flanke von links genau auf den Kopf von Olic. De Sanctis lenkt den Versuch aus sieben Metern mit den Fingerspitzen über den Querbalken.

32.: Nach einem Freistoß von rechts bekommen die Gäste das Leder nicht geklärt. Sabri probiert es aus spitzem Winkel, aber der Ball rutscht ihm über den Schlappen.

40.: Elfmeter für Galatasaray! Boateng packt gegen Baros im 16er die Grätsche aus und trifft nur das Bein des Tschechen. Klare Sache.

41., 1:0, Kewell: Der erfahrene Kewell nimmt sich der Sache an und zimmert den Elfer humorlos unter den Querbalken. Rost ist im falschen Eck.

48., 2:0, Baros: Arda vernascht an der Strafraumgrenze drei Hamburger und spielt einen tollen Pass in die Gasse. Baros vollendet mit einem überlegten Lupfer gegen den herauseilenden Rost.

56.: Özbek's Schuss aus 14 Metern wird von Benjamin gefährlich abgefälscht und geht nur knapp am linken Pfosten vorbei.

57., 2:1, Guerrero: Pitroipa tanzt über rechts zwei Gegner aus und legt klasse auf Guerrero ab. Der Peruaner fackelt nicht lange und hält aus 18 Metern drauf. De Sanctis ist die Sicht versperrt und der Ball schlägt im linken Eck ein.

60., 2:2 Guerrero: Olic behauptet vor dem Strafraum einen langen Ball aus dem Mittelfeld und passt auf Guerrero. Der Stürmer geht mit der Kugel ab wie ein Zäpfchen und versenkt das Leder aus zwölf Metern unter der Latte. Irre!

74.: Arda setzt sich über links durch und flankt gefährlich vor das Tor. Baros gewinnt den Luftkampf gegen Silva, zielt aber knapp drüber.

82.: Jarolim tankt sich gegen drei Türken durch und steht alleine vor de Sanctis. Aus sieben Metern trifft der Tscheche nur den Pfosten.

90., 2:3, Olic: Das muss es gewesen sein. Schneller Konter des HSV. Jarolim setzt Olic mit einem Steilpass in Szene. Olic läuft alleine auf de Sanctis zu und überlistet den Keeper mit einem sehenswerten  Heber.

So lief das Spiel: Exzellente Anfangsphase der Hamburger. Das Spiel wurde in den ersten zehn Minuten komplett in die Galatasaray-Hälfte verlegt. Die Raumaufteilung des HSV passte, das Mittelfeld wurde schnell überbrückt. Vor allem der agile Pitroipa fiel anfangs positiv auf. Die beste Chance vergab Olic mit einem Kopfball (10.). Nach einer Viertelstunde schaltete der HSV unerklärlicherweise einen Gang zurück und ließ Istanbul so erst ins Spiel kommen. Bis zur 40. Minute gab es kaum Höhepunkte, dann hackte Jerome Boateng sinnlos Milan Baros im Strafraum um. Kewell verwandelte den fälligen Strafstoß (41.).

Ein feiner Spielzug ermöglichte Gala kurz nach der Pause das 2:0 durch Baros, bei dem sich die HSV-Abwehr äußerst naiv anstellte. Die Gäste waren zu Beginn der zweiten Halbzeit völlig von der Rolle, doch dann geschah binnen drei Minuten Unfassbares. Guerrero glich das Spiel mit zwei blitzsauberen Toren aus (57./60.).

Gala brauchte bis zur 75. Minute, um den Doppelschlag zu verdauen. Dann nahm der Druck der Gastgeber zu, Gala erspielte sich in der Endphase einige Torchancen. Zwei starke Paraden von Torhüter Frank Rost und ein von Olic erfolgreich abgeschlossener Konter ließen am Ende aber die Hamburger jubeln. 

Der Star des Spiels: Paolo Guerrero. Beim Peruaner lagen einmal mehr Genie und Wahnsinn eng beieinander. Nach einer miesen ersten Halbzeit als verkappter Rechtsaußen mit vielen unnötigen Ballverlusten, schoss der Peruaner den HSV mit zwei Toren in Hälfte zwei ins Viertelfinale. Energisch schüttelte Guerrero seine Gegenspieler ab und drosch die Pille beide Male humorlos ins Netz.

Die Gurke des Spiels: Marcell Jansen. Der Ex-Münchner kam auf seiner ungewohnten Rolle im defensiven Mittelfeld überhaupt nicht zurecht, irrte planlos in der Gegend rum und verlor seine Gegenspieler immer wieder aus den Augen. Nach der Pause spielte Jansen auf seiner gewohnten linken Seite, konnte aber auch dort keine Akzente setzen und schlug schwache Flanken.

Die Lehren des Spiels: Eine dreiminütige Guerrero-Gala reichte dem HSV zum Einzug ins UEFA-Cup-Viertelfinale. Doch das Experiment von Trainer Jol wäre beinahe schief gegangen. Jansen aus Mangel an Alternativen infolge der langen Verletztenliste ins zentrale und Guerrero ins rechte Mittelfeld zu stellen, war keine großartige Idee - trotz der guten Anfangsphase.

Jol stellte zu Beginn der zweiten Halbzeit auf 4-4-2 um - und hatte damit Erfolg. Pitroipa war auf rechts noch stärker als auf links, Olic bekam endlich Unterstützung und Guerrero bewies seine Torjägerqualitäten.

Dabei war nach 50 Minuten eigentlich alles vorbei. Gala führte 2:0, gab das Spiel aber binnen drei Minuten aus der Hand. Ein unerklärlicher Einbruch zwischen der 50. und 65. Minute.

Der HSV legte den berühmten Schalter um und zog letztendlich verdient in die Runde der letzten Acht ein.

Galatasaray - HSV: Daten und Fakten

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung