Montag, 28.07.2008

Nach dem Sieg über Ramenskoje

Fans machen Ljuboja nieder

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat sich beim mühevollen 3:0 n.V. (1:0, 0:0) nach einer schweißtreibenden Zusatz-Schicht im Rückspiel der dritten UI-Cup-Runde gegen Saturn Ramenskoje nicht mit Ruhm bekleckert. Für den negativen Höhepunkt des Abends sorgten allerdings die Fans.

UI-Cup, Stuttgart, Ramenskoje, Hilbert
© DPA

Als die Spieler nach der Partie in die Fankurve gingen, um sich bei den Fans zu bedanken, wurden sie mit einem gellenden Pfeifkonzert und übelsten Beleidigungen eingedeckt.

Allerdings galt der Unmut nicht der Mannschaft, sondern einem Mann, der gar nicht zum Einsatz gekommen war: Danijel Ljuboja. Der Serbe ist nach seinem Verhalten in den Vertragsverhandlungen 2006 bei den Fans unten durch und das lassen sie ihn bei jeder Gelegenheit spüren.

Heldt sauer auf die Fans

Nachdem er an Hamburg und Wolfsburg ausgeliehen worden war, gab ihm Trainer Armin Veh vor der Saison eine zweite Chance, die er bei den Anhängern allerdings nicht hat.

"Es ist eine Frechheit, was sich einige wenige Fans erlaubt haben", ärgerte sich Manager Horst Heldt, "die Mannschaft wollte sich bedanken und wurde ausgepfiffen. Danijel Ljuboja gehört zum Team, deshalb war es korrekt, wie die Spieler reagiert haben." Denn seine Mannschaftskollegen zeigten sich solidarisch und marschierten ohne die obligatorische LaOla in die Kabine.

Veh mit Leistung zufrieden 

Dort konnten sie sich von der anstrengenden Partie gegen die Russen erholen. Denn der VfB hatte durch das Fehlen einer Stamm-Fünf, das gerade beendete Trainingslager und die drückende Schwüle Schwerstarbeit zu verrichten.

Trainer Armin Veh nahm seine Profis deshalb in Schutz: "Ich war sehr zufrieden. Wer nur ein bisschen Ahnung vom Fußball hat, weiß, dass wir bei dem Stand der Vorbereitung nicht weiter sein können."

Lehmann nicht im Stadion

Eine Messlatte für das Leistungsvermögen des Bundesligisten war die lästige Pflichtaufgabe nicht. Mehr Aufschlüsse über das wahre Potenzial dürfte der reizvolle und prestigeträchtige Test gegen den englischen Spitzenklub FC Arsenal geben, dem die Schwaben entgegenfiebern.

Gegen seinen alten Verein soll Jens Lehmann seine Premiere beim VfB feiern. Am Sonntagabend weilte der Nationaltorwart nicht einmal im Stadion. Sportdirektor Horst Heldt spielte das Fehlen des prominenten Neuzugangs herunter: "Das ist kein Problem, das war so abgestimmt. Jens muss noch ein paar private Dinge regeln."

Mit Nationalspielern gegen Arsenal

Neben Lehmann verzichtete Veh gegen Ramenskoje freiwillig auf die beiden anderen Vize-Europameister Mario Gomez und Thomas Hitzlsperger, den niederländischen Nationalspieler Khalid Boulahrouz und zwangsläufig auf den angeschlagenen Stürmer Cacau.

Diese fünf Leistungsträger kann Stuttgart offensichtlich nicht annähernd ersetzen. "Einige Leute fehlten, die für uns nicht ganz unwichtig sind", sagte der Coach mit leicht spöttischem Unterton. Wozu der VfB mit dem Quintett fähig ist, soll sich gegen Arsenal wenigstens ansatzweise zeigen.

Zweite Reihe kann nicht überzeugen

Gegen Ramenskoje nutzte keiner der Kandidaten aus der zweiten Reihe die Chance, sich für die Stammformation aufzudrängen. Ciprian Marica sicherte mit seinem Doppelpack in der Verlängerung (108. und 110. Minute) nach Jan Simaks Führungstreffer (83.) zwar den Einzug in die zweite Qualifikationsrunde des UEFA-Cups, blieb aber ansonsten blass.

Großverdiener Yildiray Bastürk, im Vorjahr mit viel Vorschusslorbeeren als neuer Spielgestalter verpflichtet, droht bei vollständiger Besetzung ein Stammplatz auf der Bank.

Der vor der EM von Bundestrainer Joachim Löw ausgemusterte Roberto Hilbert scheint noch weit von einem Comeback in der Nationalmannschaft entfernt.

Rätselraten um Boateng

Veh erstickte trotz teilweise dürftiger Darbietungen Kritik im Keim: "Wir haben das Spiel kontrolliert und sind für unsere Geduld belohnt worden." Er sei froh, dass der VfB weitergekommen sei. Der Trainer hatte im Vorfeld mehrfach klar gemacht, wie wenig ihm die Zusatzbelastung UI-Cup ins Konzept passt.

Heldt entschied sich nach dem harten Stück Arbeit gegen das russische Bollwerk ebenfalls fürs Schönreden und forderte Geduld: "Wir müssen alles langsam zusammenführen." Die Mannschaft habe nie aufgegeben und "auch nicht Harakiri gespielt".

Zudem versicherte der Manager, dass der VfB keinen vierten Innenverteidiger verpflichten werde. Dass der frühere Herthaner Kevin-Prince Boateng von Tottenham Hotspur kommt, scheint unwahrscheinlich.

"Wir haben seit Wochen nichts mehr von Tottenham gehört", sagte Heldt. "Bei den Verpflichtungen wird sich nicht mehr viel bewegen."


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