Versetzung gefährdet

Von Thomas Gaber
Donnerstag, 24.04.2008 | 15:32 Uhr
podolski
© Imago
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München - Luca Toni hier, Luca Toni da. Luca Toni links, Luca Toni rechts. Luca Toni vorne, Luca Toni hinten. Luca Toni einfach überall.

Beim FC Bayern sind sie ja einiges gewohnt, aber der Hype um den italienischen Torjäger erreicht  nicht für möglich gehaltene Dimensionen. Toni kann eigentlich gar nichts dafür, er erfüllt lediglich einen Auftrag. Er soll Tore schießen. Dafür überweist ihm Bayern jeden Monat eine geschmeidige sechsstellige Summe.

Heute Abend muss der FC Bayern allerdings auf seine Tormaschine aus Pavullo nel Frignano in der Provinz Modena verzichten. Toni ist für das Halbfinal-Hinspiel gegen Zenit St. Petersburg (20.45 Uhr im SPOX-TICKER und Internet TV) gesperrt. Eine unnötige Rangelei mit Getafes David Belenquer brachte dem 30-Jährigen die dritte Gelbe Karte ein.

Nur zwölf Tore für Bayern

Den freien Platz im Angriff neben dem rechtzeitig von einer Fußverletzung genesenen Miroslav Klose nimmt Lukas Podolski ein. Es ist Poldis Chance, sich für den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft unentbehrlich zu machen und diesmal sollte er sie nutzen.

Viel zu selten konnte Podolski in den letzten Monaten seine Kritiker mundtot machen. Seine zweite Saison beim FC Bayern ist fast zu Ende und bislang rechtfertige Podolski seine Ablösesumme in Höhe von elf Millionen Euro nicht. Sechs Tore erzielte Poldi in 42 Bundesligaspielen für die Bayern, die gleiche Anzahl in 17 Europacupspielen.

Sein Standing im Verein litt unter dem Eindruck, er könne die Mannschaft nicht verstärken. Bayern-Manager Uli Hoeneß war Mitte Januar sogar kurz davor, Podolski auszuleihen. "Ich bin hin- und hergerissen. Wir müssen uns unterhalten, was wir da machen", so Hoeneß damals.

Kloses Schwächephase nicht genutzt

Letztlich scheiterte Poldis Fortbildung am Veto von Trainer Ottmar Hitzfeld. Doch an Toni und Klose war weiterhin kein Vorbeikommen. Zwischenzeitlich war Podolski hinter dem fleißigen Jan Schlaudraff sogar nur Stürmer Nummer vier.

Erst als Klose anfing zu schwächeln und Podolski öffentlich einen Stammplatz forderte ("Ich habe keine Lust mehr auf die Bayern-Bank"), gewährte ihm Hitzfeld mehr Einsatzzeit. Zwei Tore gegen Nürnberg und Dortmund reichten Podolski jedoch nicht, Klose langfristig zu verdrängen.

Podolski steht vor einer ungewissen Zukunft. Bayern wird ihn in der Sommerpause nicht verkaufen, Jürgen Klinsmann will es so. Der neue Bayern-Coach hat ein Faible für den Nationalspieler, bei der WM 2006 war Podolski neben Klose gesetzt und zahlte das Vertrauen mit Toren zurück.

Unter Klinsi fangen alle Bayern-Spieler wieder bei Null an. Die Vergänglichkeit von Erfolgen ist bei Klinsmann besonders ausgeprägt, was zählt, ist das hier und jetzt. Wenn Klinsmann am 1. Juli anfängt, werden die Uhren in München anders gehen. Auch für Podolski. Er startet unter dem Ex-Bundestrainer einen Neuanfang, einen hoffentlich erfolgreicheren. Und wenn nicht beim FC Bayern, dann eben woanders.

"Poldi wird Toni würdig vertreten"

Aber erstmal geht es gegen St. Petersburg für Podolski und den FC Bayern um den Einzug ins UEFA-Cup-Finale. Poldi blieb vor seinem großen Auftritt gewohnt gelassen. Auf die Frage eines Journalisten, wer denn die Tore für die Bayern schießen soll, antwortete er: "Na die zwei, die vorne spielen."

Von seinen Mitspielern bekommt Poldi die notwendige Unterstützung. "Natürlich ist es blöd, dass mit Luca unser bester Torschütze ausfällt. Aber Podolski wird sein bestes geben, um ihn würdig zu vertreten", sagte Franck Ribery.

Podolski muss eigentlich nur seinen Auftrag erfüllen und ein Tor schießen. Der Hype kommt dann schon von ganz alleine.

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