Bayerns Bilanz auf spanischem Boden

Wie einst der Babbel Markus

Von Für SPOX.com in Getafe: Florian Bogner
Donnerstag, 10.04.2008 | 08:41 Uhr
babbel, barcelona, bayern
© Getty
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München - Es ist irgendwie sinnbildlich für den Unterschied zwischen Champions League und UEFA-Cup, was die Spieler des FC Bayern seit Mittwochmittag auf ihrer Madridreise erfahren.

Flüge nach Madrid sind die arrivierten Kräfte des deutschen Rekordmeisters ja mittlerweile gewohnt, auch das Westin Palace Hotel unweit des Parque del Retiro kennen die Spieler aus zahlreichen Besuchen bereits aus dem Eff-Eff.

In Madrid war man in den vergangenen acht Jahren gleich fünfmal zu Gast, da steckt also bereits eine gewisse Routine drin.

Hoeneß spürt den Druck 

Der Unterschied zu früheren Erlebnissen: Am Donnerstagabend (20.45 Uhr im SPOX-TICKER und im Internet TV) wird sie der Mannschaftsbus nicht die paar hundert Meter gen Norden zum Estadio Bernabeu, der Heimstätte von Real Madrid, bringen. Die Reise geht in den Süden der Stadt, in einen Vorort der Metropole, zum FC Getafe.

Dass es dort um mehr gehen wird, als sich ein paar lästiger Vorort-Kicker zu erwehren, dafür hat der FC Bayern selbst gesorgt. Mit dem 1:1 im Viertelfinal-Hinspiel vor einer Woche verbauten sich die Münchner leichtfertig eine bessere Ausgangsposition. "Das erste Mal in der Saison spüren wir einen gewissen Druck. Ich bin gespannt, wie die Mannschaft reagieren wird", meinte Manager Uli Hoeneß.

Gut, glaubt zumindest der Trainer. " Wir werden frech nach vorne spielen. Ich bin überzeugt davon, dass wir das Finale erreichen werden", sagte Ottmar Hitzfeld kurz vor dem Abflug nach Madrid selbstbewusst. "Wir sind immer gut für zwei Auswärtstore.

Beste Erinnerungen an UEFA-Cup in Spanien

Auch in der Vergangenheit haben die Bayern schon bewiesen, dass sie in Spanien bestehen können. Als bestes Beispiel dient den Münchnern ausgerechnet ein Erfolgserlebnis aus der Saison 1995/96, in der der FCB erst- und letztmals den UEFA-Cup gewann.

Große Siege, herbe Enttäuschungen: SPOX.com wirft einen Blick zurück auf sechs markante Spanienreisen der Bayern:

Saison 1987/88: Landesmeistercup-Viertelfinale, Real Madrid - FC Bayern 2:0 (Hinspiel: 2:3)

Schon einmal vermasselten sich die Bayern in der Schlussphase eines Hinspiels gegen ein spanisches Team eine bessere Ausgangposition: Im Olympiastadion führten die Münchner durch Tore von Pflügler, Eder und Wohlfarth nach 47 Minuten bereits mit 3:0 gegen die Königlichen, ehe Butragueno (88.) und Sanchez (90.) kurz vor Schluss eiskalt vollstreckten.

Im Rückspiel war der Vorjahresfinalist dann chancenlos, Jankovic und Michel schossen Real in die Vorschlussrunde.

Saison 1995/96: UEFA-Cup-Halbfinale, FC Barcelona - FC Bayern 1:2 (Hinspiel: 2:2)

Im Hinspiel hatte Zauberfuß Hagi in der 77. Minute für den 2:2-Ausgleich gesorgt und die Bayern damit in tiefe Depression gestürzt. Wohl dem, der einen Markus Babbel (im Bild links) hat: Der Abwehrspieler erwischte Barca im Camp Nou nach 40 Minuten mit seinem Tor eiskalt.

Danach rannten die Hausherren hilflos an, Witeczek vollendete sechs Minuten vor Schluss einen Konter zum 2:0. De la Penas Freistoß zum 1:2 in der 89. Minute brachte den Katalanen nichts mehr. Bayern zog ins Finale ein und besiegte dort Girondins Bordeaux mit dem jungen Zidane mit 2:0 und 3:1.

1998/99: Champions-League-Vorrunde, FC Barcelona - FC Bayern 1:2

In der Hammergruppe mit Barca und ManU leistete sich der FCB zu Beginn ein peinliches 1:2 bei Bröndby Kopenhagen und war so am 4. Spieltag in Barcelona und im Rückspiel gegen die Dänen zum Siegen verdammt, wollte man es nicht auf ein "Siegen-oder-Fliegen"-Endspiel beim letzten Gruppenspiel in Manchester ankommen lassen.

Die Bayern (natürlich mit Babbel) lagen im Camp Nou bereits durch einen Elfmeter von Giovanni mit 0:1 hinten, ehe Zickler (47.) und Salihamidzic (87.) die Partie noch umbogen.

Saison 1999/2000: Champions League Zwischenrunde, Real Madrid - FC Bayern 2:4

Das wohl beste Spiel der Münchner auf spanischem Boden, wieder war Markus Babbel aktiv beteiligt. Nach 24 Minuten trauten die 75.000 Zuschauer beim Blick auf die Anzeigetafel ihren Augen nicht: Es stand bereits 2:0 für die Bayern durch Mehmet Scholl und Stefan Effenberg. Morientes' Anschlusstreffer blieb ohne Wirkung - der FCB spielte wie aus einem Guss und Thorsten Fink stellte nach einer Traumkombination noch vor der Halbzeit auf 3:1.

Raul besorgte den abermaligen Anschluss, doch an diesem Abend waren die Münchner eine Klasse besser: Paulo Sergio setzte den Schlusspunkt einer atemberaubenden Pokalnacht. Später im Halbfinale scheiterten die Bayern allerdings an Real (0:2/2:1), obwohl man insgesamt drei der vier Spiele gegen die Königlichen gewonnen hatte.

2002/2003: Champions-League-Vorrunde, Deportivo La Coruna - FC Bayern 2:1

Effe war weg, Ballack war da - und in der Königsklasse wollte irgendwie nichts zusammen gehen. Mit nur einem Pünktchen standen die Bayern am 5. Spieltag vor dem Aus, ein Sieg in La Coruna musste her.

Bei Deportivo hatte sich Makaay beim 3:2 in München schon mit einem Hattrick für spätere Aufgaben beworben und auch im Rückspiel war es der Holländern, der dem FCB mit seinem 2:1 eine Minute vor Schluss den Todesstoß hab.

Bayern beendete die Vorrundengruppe G ohne Sieg - bis heute das schlechteste Abschneiden eines deutschen CL-Teams.

Saison 2003/2004: Champions-League-Achtelfinale, Real Madrid - FC Bayern 1:0 (Hinspiel: 1:1)

Im Hinspiel ließ Oliver Kahn einen Freistoß von Roberto Carlos aus 35 Metern so gar nicht titanenhaft unterm Bizeps durchrutschen und verkündete hinterher trotzig: "Dann werde ich das Rückspiel eben alleine gewinnen." Tat er nicht, sondern Zinedine Zidane: Der besorgte kurz vor der Pause den Siegtreffer.

Bemerkenswert: Es war damals einer der ersten großen Auftritte des jungen Bastian Schweinsteiger, der Reals Abwehr im zweiten Durchgang ein ums andere Mal durcheinander wirbelte.

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