Donnerstag, 21.02.2008

Van Bommels Rolle bei Bayern

Der Unverzichtbare

München - Im Namen des Fußballs werden seit geraumer Zeit aberwitzige Figuren geboren. Horst Hrubesch oder Olaf Bodden waren Kopfballungeheuer, Harry Decheiver wurde der Knipser genannt, eine etwas übertriebene Huldigung, denn ein Knipser macht in der Regel viele Tore.

bommel
© Getty

Der Elfmeterkiller, der Keilstürmer und die hängende Spitze dürfen sich ebenfalls ihrer Existenzberechtigung sicher sein. Zuletzt drängte der Wandspieler in den übersättigten Markt.

Auch Mark van Bommel hat seinen Platz in der Galerie der seltsamen Geschöpfe. Ottmar Hitzfeld verlieh ihm einst den Beinamen "aggressive Leader".

Im August 2006 verließ van Bommel den FC Barcelona, weil er dort zu selten zum Einsatz kam. Mit seiner Art Fußball zu spielen hatte er im Konzert der Feinmotoriker keinen Platz. Dabei kann jede Mannschaft der Welt einen wie ihn gebrauchen.

Weder Finten noch Pirouetten

Van Bommel spielt vielleicht nicht in jedem Spiel den entscheidenden Pass oder verblüfft Fans und Gegner mit Übersteigern, fiesen Finten oder prächtigen Pirouetten. Der Niederländer hat andere Qualitäten. Er krempelt die Ärmel hoch, reißt Kollegen mit und nimmt es mit Gegenspielern auf, vor denen sich andere in die Hose machen.

Oliver Kahn ist heilfroh über "diesen Spielertyp, der den einen oder anderen Akzent setzt."

Van Bommels Spielweise kommt freilich nicht überall gut an. "Man müsste mal 90 Minuten eine Kamera auf ihn richten. Da sind immer zwei, drei Szenen dabei, für die er hinterher gesperrt werden müsste. Ich weiß, dass ich nicht der einzige bin, der so über van Bommel denkt", echauffierte sich Daniel Jensen nach dem 1:1 seiner Bremer am 19. Spieltag.

Manchmal zu aggressiv

Gewiss führt van Bommel seine Rolle als "aggressive Leader" teilweise zu extrem aus. Ein versuchter Ellbogenschlag gegen Pavel Pardo, ein Griff in Fernando Meiras südlich gelegene Körperregionen, eine faustdicke Liebeserklärung an die Fans von Real Madrid.

Hitzfeld nimmt die eine oder andere Eskapade von van Bommel allerdings gerne in Kauf. In einer Mannschaft wie Bayern, die Spektakel anbieten will, ist van Bommel unverzichtbar. Er steht für Zweikampfstärke und Dynamik.

Zu Saisonbeginn wurde van Bommels Rolle belächelt. Neben dem eleganten Ze Roberto, dessen Grätschen schöner aussehen als ein Dribbling von van Bommel, und Virtuosen wie Franck Ribery ging der Niederländer im Bayern-Mittelfeld unter.

Chefrolle nicht nur auf dem Platz 

Davon kann keine Rede mehr sein. Die Zauberstunden der Münchner fielen in der jüngeren Vergangenheit immer öfter aus. Still und heimlich festigte van Bommel seinen Platz. Konkurrent Andreas Ottl muss sich auf weiteres mit der Reservistenrolle zufrieden geben.

Van Bommel hat aber nicht nur auf dem Feld eine Chefrolle inne. Wann immer es geht, verteidigt er sich und seine Mitspieler gegen öffentliche Kritik. Nach dem 3:0 in Hannover beteiligte er sich nicht an der allgemeine Euphorie um Luca Toni, sondern hob die Leistung von Miroslav Klose hervor.

"Klose hat zu diesen Toren viel Vorarbeit geleistet, viele schon verloren geglaubte Bälle zurück geholt. Das war für die Mannschaft fast noch wichtiger als Tonis Tore. Denn dadurch hatten die Abwehr und Torhüter Oliver Kahn weitaus weniger zu tun", so van Bommel.

Breitseite gegen Beckenbauer

Und auch der Kaiser bekam sein Fett weg. Die Beckenbauer-Kolumnen würde keiner mehr lesen, "wenn er sagen würde, dass alles super ist", stichelte van Bommel und schloss sich der Kritik von Willy Sagnol und Philipp Lahm an.

Im Gegensatz zu Decheiver hat sich van Bommel seinen Beinamen in jeglicher Hinsicht verdient. 

Thomas Gaber

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