Themenwoche - Uli Hoeneß als Präsident beim FC Bayern

Übervater Strauß'scher Dimension

Freitag, 25.11.2016 | 09:48 Uhr
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Am Freitag werden die Mitglieder des FC Bayern München Uli Hoeneß wieder zum Präsidenten wählen. Der Verein bekommt damit einen elementaren Teil seiner Identität zurück. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Andreas Lehner.

Warum tut sich Uli Hoeneß das nochmal an? Warum kehrt er nach seiner Gefängnisstrafe wieder in die Öffentlichkeit zurück? Und warum setzt er sich damit dem Druck seiner Kritiker aus, die jedes Wort und jede Tat in Verhältnis zu seiner Vergangenheit stellen werden?

Wer Hoeneß in den letzten Wochen getroffen hat und wer ihn hat sprechen hören, der hat einen zufriedenen Menschen erlebt. Einen Mann, der in sich ruht und der sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreut. Zum Beispiel an seinem neuen Fernseher, der ihm ein derart scharfes Bild ins Wohnzimmer zaubert, dass er darauf die Schweißperlen der Sportler oder die Falten der Nachrichtensprecher erkennt.

Der Alltag hat Uli Hoeneß wieder und Uli Hoeneß hat den Alltag wieder. Das ist nach einem Gefängnisaufenthalt durchaus eine Beschreibung wert, denn den Entzug der Freiheit verarbeitet jeder anders und nicht jeder so gut. Aber Hoeneß ist ausgeglichen und zufrieden, er hat die Vergangenheit hinter sich gelassen. Er hat die Strafe akzeptiert, abgesessen und zurückgezahlt. Der juristische Teil sieht jetzt die Resozialisierung vor. Auch deshalb hat er sich zur Rückkehr an die Spitze des Vereins entschieden. Er kann nicht ohne den Klub und der Klub kann nicht ohne ihn.

Auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München e.V. am Freitag wird er zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt werden. Daran besteht kein Zweifel, es gibt keinen Gegenkandidaten. Die Frage ist nur, wie weit Hoeneß von der 100-Prozent-Marke entfernt sein wird.

Ein großer Teil der FCB-Identität

Seine erste Amtszeit beendete Hoeneß unter Tränen und mit einer sehr emotionalen Rede. Auch dieses Mal dürfte seine Ansprache den Höhepunkt des Abends bilden. Hoeneß will ohne Manuskript ans Rednerpult treten. Er wird frei von der Leber weg sprechen, um es mit Günther Oettinger zu sagen. Schon immer war Hoeneß ein Mann der klaren Worte und das will er auch bleiben.

Gerade in dieser Phase, in der es sportlich weniger gut läuft, dürfte Hoeneß den richtigen Ton treffen und den Menschen in der Halle aus der Seele sprechen - gefühlsecht. Hoeneß kann das wie kein Zweiter in diesem Klub. Er ist der Übervater Strauß'scher Dimension. Und damit ein ganz bedeutender Teil der Identität des Klubs.

Wie bei der CSU müssen sich alle Nachfolger am großen Vorsitzenden messen lassen und sind im Prinzip nur Platzhalter. Es wird eine spannende Frage sein, wie der FC Bayern damit umgeht, wenn Hoeneß einmal nicht mehr ist. Aber das ist noch weit weg, jetzt kommt er erst einmal zurück.

Der Mann für die Basis

Die Fans fühlen sich bei Hoeneß aufgehoben, gehört und wertgeschätzt. Sie wussten den Verein und die fußballspielende AG bei Karl Hopfner und Karl-Heinz Rummenigge in den letzten Jahren zwar in guten Händen, der FC Bayern hat sich unter ihrer Führung prächtig entwickelt und steht als Global Player ausgezeichnet da. Aber so richtig packen kann sie nur der Baumensch Hoeneß. Der mittlerweile 64-Jährige ist das Herz des FC Bayern.

Und gerade die Frage, wo dieses Herz schlägt, wird in den nächsten Jahren entscheidend sein. Die Internationalisierungsstrategie, Trainingslager in Katar oder Reisen nach Saudi-Arabien. Der FC Bayern hat sich mit diesen Entscheidungen auch in den eigenen Reihen nicht nur Freunde gemacht. Hoeneß wird diese Fragen managen müssen und die Nähe des Klubs zu seinen Wurzeln pflegen. Eine Aufgabe, die der Westfale Rummenigge und der Zahlenmensch Hopfner nicht meistern konnten. Hoeneß kann dagegen in den Bayerischen Wald fahren und ein Bierzelt rocken - Strauß eben.

Hoeneß weiß, dass es für Unmut an der Basis sorgt, wenn zwar die Bedürfnisse der Fans in Asien und Amerika geschaut wird, aber die Wünsche aus der Heimat ungehört bleiben. Er weiß, dass er diese speziellen Eigenheiten dieses noch immer volkstümlichen Klubs im internationalen Wettlauf der Fußballunternehmen nicht opfern darf. Das könnte auch zu Reibereien innerhalb des FC Bayern führen. Aber davor hat sich Hoeneß noch nie gedrückt. Die exzellente Streitkultur hat er schon immer als einen der Gründe für die Erfolgsgeschichte des Vereins ausgemacht. Auch darauf darf man sich in Zukunft wieder freuen.

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