Tabus im Fußball: Teresa Enke im SPOX-Interview über Depression

"Es schmerzt nicht mehr, an ihn zu denken"

Montag, 24.07.2017 | 09:00 Uhr
Teresa Enke lebt heute mit ihrer Adoptivtocher in Köln. Mit ihrer Robert-Enke-Stiftung besucht sie regelmäßig die Bundesliga-Stadien, Schulen und Veranstaltungen und arbeitet präventiv
© getty
Advertisement
Serie A
Corinthians -
Gremio
Ligue 1
Saint-Etienne -
Montpellier
Premier League
West Ham -
Brighton
J1 League
Kobe -
Tosu
A-League
Sydney FC -
Sydney Wanderers
Primera División
Levante -
Getafe
Premier League
Chelsea – Watford
Premier League
Huddersfield -
Man United
Primera División
Real Betis -
Alaves
Ligue 1
Monaco -
Caen
Serie A
Sampdoria -
Crotone
Premier League
Southampton -
West Brom
Primera División
Valencia -
Sevilla
1. HNL
Hajduk Split -
Dinamo Zagreb
Ligue 1
Amiens -
Bordeaux
Ligue 1
Angers -
Toulouse
Ligue 1
Metz -
Dijon
Ligue 1
Nantes -
Guingamp
Ligue 1
Rennes -
Lille
Premier League
Man City -
Burnley (DELAYED)
Primera División
Barcelona -
Malaga
Serie A
Neapel -
Inter Mailand
Primeira Liga
Porto -
Pacos Ferreira
Premier League
Stoke -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Swansea -
Leicester (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Crystal Palace (Delayed)
Primera División
Villarreal -
Las Palmas
Eredivisie
PSV – Heracles
Serie A
Chievo Verona -
Hellas Verona
Championship
Ipswich -
Norwich
CSL
Evergrande -
Guizhou
Eredivisie
Feyenoord -
Ajax
Premier League
Everton -
Arsenal
Ligue 1
Nizza -
Strassburg
Serie A
Atalanta -
Bologna
Serie A
Benevento -
Florenz
Serie A
AC Mailand -
Genua
Serie A
SPAL -
Sassuolo
Serie A
FC Turin -
AS Rom
Premier League
ZSKA Moskau -
Zenit
Primera División
Celta Vigo -
Atletico Madrid
Ligue 1
Troyes -
Lyon
Premier League
Tottenham -
Liverpool
First Division A
Anderlecht -
Genk
Serie A
Udinese -
Juventus
Premier League
Dynamo Kiew -
Schachtjor Donezk
Primera División
Leganes -
Bilbao
Super Liga
Roter Stern Belgrad -
Lucani
Primera División
Real Madrid -
Eibar
Serie A
Lazio -
Cagliari
Ligue 1
Marseille -
PSG
Allsvenskan
Malmö -
AIK
Primera División
Real Sociedad -
Espanyol
Primera División
La Coruna -
Girona
Copa del Rey
Saragossa -
Valencia
Serie A
Inter Mailand -
Sampdoria
League Cup
Arsenal -
Norwich
League Cup
Leicester -
Leeds
League Cup
Swansea -
Man United
League Cup
Man City -
Wolverhampton
Copa del Rey
Murcia -
Barcelona
Copa Libertadores
River Plate -
Lanus
Serie A
Atalanta -
Hellas Verona
First Division A
Genk -
Brügge
Serie A
Bologna -
Lazio
Serie A
Cagliari -
Benevento
Serie A
Chievo -
Milan
Serie A
Florenz -
FC Turin
Serie A
Genua -
Neapel
Serie A
Juventus -
SPAL
Serie A
AS Rom -
Crotone
Serie A
Sassuolo -
Udinese
Premiership
Aberdeen -
Celtic
League Cup
Chelsea -
Everton
League Cup
Tottenham -
West Ham
Coupe de la Ligue
Strasbourg -
Saint-Etienne
Copa del Rey
Elche -
Atletico Madrid
Copa Libertadores
Barcelona SC -
Gremio
Copa Sudamericana
Fluminense -
Flamengo
Copa del Rey
Fuenlabrada -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Nizza
Championship
Leeds -
Sheffield Utd
A-League
Adelaide Udt – Melbourne City
Primera División
Alaves -
Valencia
Premier League
Man Utd -
Tottenham
Premiership
Hearts -
Rangers
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Rijeka
Premier League
Liverpool -
Huddersfield
Championship
Cardiff -
Millwall
Primera División
Sevilla -
Leganes
Ligue 1
Bordeaux -
Monaco
Serie A
Milan -
Juventus
Premier League
Bournemouth -
Chelsea
Championship
Hull -
Nottingham
Ligue 1
Caen -
Troyes
Ligue 1
Dijon -
Nantes
Ligue 1
Guingamp -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Rennes
Ligue 1
Strasbourg -
Angers
Premier League
Arsenal -
Swansea (DELAYED)
Primera División
Bilbao -
Barcelona
Serie A
Rom -
Bologne
Primeira Liga
Boavista -
Porto
Premier League
Watford -
Stoke (Delayed)
Premier League
West Bromwich – Man City (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
West Ham (Delayed)
CSL
Hebei -
Guangzhou Evergrande
J1 League
Kofu -
Kobe
Primera División
Getafe -
Real Sociedad
Eredivisie
Vitesse -
Eindhoven
Serie A
Benevento -
Lazio
Championship
Birmingham -
Aston Villa
Premier League
Zenit -
Lok Moskau
First Division A
Club Brugge -
Sint-Truiden
Premier League
Brighton -
Southampton
Ligue 1
Lyon -
Metz
Serie A
Crotone- Florenz
Serie A
Neapel -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
Chievo
Serie A
SPAL -
Genua
Serie A
Udinese -
Atalanta
Primera División
Girona -
Real Madrid
Ligue 1
Toulouse -
Saint-Etienne
Premier League
Leicester -
Everton
Primera División
Eibar -
Levante
Primera División
Malaga -
Celta Vigo
Serie A
FC Turin -
Cagliari
Ligue 1
Lille -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Belgrano
Serie A
Hellas Verona – Inter Mailand
Premier League
Burnley -
Newcastle
Primera División
Espanyol -
Real Betis
Primera División
Las Palmas -
La Coruna

Teresa Enke redet wenig, arbeitet dafür aber umso intensiver an ihrer Herzensangelegenheit, der Robert-Enke-Stiftung und der Enttabuisierung der Krankheit Depression. Für die SPOX-Themenwoche "Tabus im Fußball" macht die Witwe des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke eine Ausnahme und spricht über die Erinnerung an Robert, das ständige Versteckspiel in der Öffentlichkeit, eigene Tiefpunkte und darüber, wie die Stiftung erkrankten Sportlern im Jahr 2017 helfen kann.

SPOX: Frau Enke, knapp acht Jahre sind seit Robert Enkes Tod vergangen. Wie sieht Ihr Alltag 2017 aus?

Teresa Enke: Das Leben hat sich wieder eingependelt, ich habe einen gut funktionierenden Alltag. Meine Tochter geht mittlerweile zur Schule, fühlt sich hier richtig wohl. Wir sind gut aufgehoben "en unserem Veedel", wie man hier in Köln sagt. (schmunzelt) Ich habe eine gute Balance: Spaß an der Arbeit und am Muttersein. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben mittlerweile.

SPOX: Mit dem Abstand, den sie nun haben: Wie präsent ist Robert noch?

Enke: "Robby" ist bei mir täglich präsent, sei das durch Bilder in der Wohnung oder gemeinsame Erinnerungen. Er ist immer da und wird immer dabei sein genau wie unsere erste Tochter. Es schmerzt mich nicht mehr, an ihn zu denken.

SPOX: Das ist schön zu hören.

Enke: Es gehört einfach zu meinem Leben dazu. Natürlich werde ich auch manchmal traurig, weil er so viele Dinge einfach nicht mehr erleben konnte und die Krankheit so übermächtig war, dass er dieses trotz unserer Schicksalsschläge so schöne Leben als nicht mehr lebenswert empfunden hat. Das ist sehr schade.

SPOX: Und wie steht es um den Rest der Familie, Freunde und Bekannte von früher?

Enke: Die Erinnerung wird selbstredend nicht so stark sein wie die letzten gemeinsamen 15 Jahre von uns beiden. Die tollen Zeiten in Lissabon oder die schwierige Phase in Barcelona haben uns geprägt und zusammengeschweißt. Wenn ich mich mit Familie und Freunden treffe, sprechen wir oft über Robby, kramen sowohl lustige Geschichten aus, aber reden auch darüber, wie es so weit kommen konnte. Ich versuche immer zu vermitteln, auch wenn es vielleicht etwas platt klingt, dass jemand weiterlebt, wenn er nicht vergessen wird. Und das ist durch unsere Gespräche und alleine schon wegen der Robert-Enke-Stiftung zum Glück der Fall.

SPOX: Stichwort: "nicht vergessen". Mit der Zeit werden immer weniger Menschen etwas mit dem Namen Robert Enke anfangen können. Das ist ganz natürlich. Haben Robert und sein Fall genug Präsenz und einen ausreichenden Stellenwert in der Gesellschaft und den Medien?

Enke: Langfristig ist es ganz wichtig, dass der Bekanntheitsgrad der Stiftung über den von Robert selbst hinauswächst. Direkt im Anschluss an den Suizid waren die Präsenz des Falls und der Krankheit Depression enorm. Robert hat mit seinem Suizid ganz viele Menschen wachgerüttelt und die Krankheit enttabuisiert und entstigmatisiert. Dass das langfristig so blieb, war auch ein Verdienst der Stiftung. Dass wir ständig präsent waren und aufgeklärt haben und das weiter tun, ist wichtig. Denn die Generation um Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski, mit denen er ja noch zusammengespielt hat, tritt langsam in den Hintergrund. Mittlerweile wird die Krankheit nicht mehr ausschließlich mit Robert, sondern mit anderen Leistungssportlern in Verbindung gebracht, die es erfolgreich geschafft haben, einen Ausweg zu finden.

SPOX: Wie reagieren denn junge Menschen, wenn Sie sie in der Stiftungsarbeit auf Robert ansprechen?

Enke: Die meisten mit 17 oder 18 Jahren kennen ihn schon noch, spätestens wenn ich dann frage. Letztens aber war ich in einer Schule, die sich mit dem Thema Depression auseinandersetzt und dort in der Mittelstufe wussten einige Jungs schon noch, wer Robert war, die Mädchen aber nicht. Es ist also noch nicht problematisch, aber wir müssen daran im Sinne der Stiftung natürlich arbeiten.

SPOX: Bei Ihrem ganzen Engagement zu sensibilisieren: Wie denken sie 2017 über den Selbstmord von Robert?

Enke: Ich bin traurig darüber, dass es damals einfach noch nicht diese Möglichkeiten gab und kein Netzwerk, das uns helfen konnte. Damals war in den Köpfen noch nicht so verankert, was psychische Erkrankungen überhaupt sind. Klar gab es vereinzelt Mentaltrainer, aber nicht beim FC Barcelona, bei Benfica oder in Hannover. Das fing erst so allmählich unter Jürgen Klinsmann in der Nationalmannschaft an, da aber mit einem leistungssportlichen Ansatz und nicht mit der Intention, Depressionen zu behandeln. Es war einfach schwierig. Wir waren komplett allein auf weiter Flur und mussten autodidaktisch vorgehen und überlegen, wie wir Hilfe bekommen können.

SPOX: Wie sind Sie da vorgegangen?

Enke: Robert wollte unter keinen Umständen, dass es rauskommt. Also haben wir Krankheiten vorgeschoben. Das Versteckspiel, das er spielen musste, das auch ich spielen musste, ging natürlich an die Nerven, denn bis auf ganz enge Freunde wusste niemand von seiner Depression. Er war oft niedergeschlagen. Ich hab dann versucht, banal ausgedrückt, "Quatsch" zu machen, damit es nicht so auffällt. Viele, auch meine Freunde, haben gedacht, er könne sie nicht leiden.

SPOX: Das klingt sehr schwierig.

Enke: Es war einfach ein unglaublicher Kampf, diese Krankheit geheim zu halten. Es ist immer noch schwierig, mit dieser Krankheit an die Öffentlichkeit zu gehen. Menschen bekommen an ihrem Arbeitsplatz gesagt: 'Komm, reiß dich zusammen", einfach weil Depressionen nicht so greifbar sind. Krebs zum Beispiel, der wird diagnostiziert, da hat man Blutwerte, sieht die Metastasen auf einem MRT. Bei einer Depression geht das nicht. Mich hat sehr erschüttert, was ich in einer Studie gelesen habe. Patienten, die Krebs und Depressionen hatten, haben darin angegeben, dass die Depression für sie schmerzhafter gewesen sei. Das erschüttert mich sehr, gerade weil ich erlebt habe, wie Robert gekämpft hat.

SPOX: Machen Sie sich trotzdem Vorwürfe, den Suizid nicht verhindert haben zu können oder machen Sie Robert Vorwürfe, sich das Leben genommen zu haben?

Enke: Nein, Vorwürfe gar nicht. Einen Punkt gibt es: Dass wir gemeinsam vielleicht seine Therapie auch in den guten Phasen hätten fortführen sollen. Dass ich da nicht gesagt habe: 'Komm, mach doch weiter'. Aber diese Zeiten genießt man dann umso mehr, denn während einer depressiven Phase war ich selbst auch manchmal wütend oder konnte einfach nicht mehr.

SPOX: Das ist mehr als nachvollziehbar.

Enke: Stell Dir vor, du hast Kinder und musst Angst haben, dass der andere sich etwas antut. Ich habe damit gelebt. Wir haben auch über Suizid gesprochen. Rückblickend bin ich erstaunt, ich hatte damals ja auch keine Ahnung von der Krankheit. Die erste Depression habe ich gar nicht als solche wahrgenommen. Aber: Alles was ich jetzt weiß, was andere Betroffene berichten, entspricht eins zu eins unserer Situation damals. Ich weiß, dass er gekämpft hat und sich nicht hängen ließ. Aber diese Krankheit kann tödlich enden, selbst wenn sie behandelt wird. Darüber muss man sich im Klaren sein und deshalb ist es wichtig, früh zu behandeln. Mir tut es einfach weh, dass er damals so leiden musste.

Seite 1: Teresa Enke über ihr heutiges Leben, Erinnerungen an Robert und Vorwürfe

Seite 2: Enke über Roberts Vermächtnis, Versteckspiele und den Wandel der Krankheit

Seite 3: Enke über die Profi-Rückkehr nach einer Depression und die Stiftungsarbeit

Seite 4: Enke über Enttabuisierung und den Wandel im Fußball

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung