Das Falcao-Vermächtnis

Von Tim Brückner
Freitag, 28.10.2016 | 12:28 Uhr
Falcao wurde nach seinem letzten Spiel sogar von den Gegnern gefeiert
© getty
Advertisement
Superliga
Live
Estudiantes -
Boca Juniors
Primera División
Espanyol -
Girona
Serie A
Lazio -
FC Turin
Championship
Reading -
Cardiff
Coupe de la Ligue
Toulouse -
Bordeaux
Serie A
Genua -
Atalanta
Coppa Italia
Inter Mailand -
Pordenone
Premier League
Huddersfield -
Chelsea
Coupe de la Ligue
Monaco -
Caen
Premier League
Crystal Palace -
Watford (DELAYED)
Premier League
Burnley -
Stoke (DELAYED)
Super Liga
Partizan -
Roter Stern
Eredivisie
Groningen -
PSV Eindhoven
Coupe de la Ligue
Rennes -
Marseille
Coppa Italia
AC Mailand -
Hellas Verona
Eredivisie
Feyenoord -
Heerenveen
Premiership
Hibernian – Glasgow Rangers
Premier League
West Ham -
Arsenal
Coupe de la Ligue
Straßburg -
PSG
Premier League
Liverpool -
West Bromwich (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Everton (DELAYED)
Premier League
Southampton -
Leicester (DELAYED)
Premier League
Man United -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Swansea -
Man City (DELAYED)
Premier League
Tottenham -
Brighton (DELAYED)
Copa Sudamericana
Flamengo -
Independiente
Indian Super League
Pune -
Bengaluru
Coppa Italia
Lazio -
Cittadella
A-League
FC Sydney -
Melbourne City
Indian Super League
Kerala -
NorthEast Utd
Ligue 1
St. Etienne -
Monaco
Championship
Sheffield Wed -
Wolverhampton
Primera División
Sevilla -
Levante
Premier League
Leicester -
Crystal Palace
Premiership
Aberdeen -
Hibernian
Serie A
Inter Mailand -
Udinese
Premier League
Arsenal -
Newcastle
Championship
Sunderland -
Fulham
Primera División
Bilbao -
Real Sociedad
Ligue 1
Rennes -
PSG
Serie A
FC Turin -
Neapel
Premier League
Man City -
Tottenham
Primera División
Eibar -
Valencia
Championship
Cardiff -
Hull
Ligue 1
Caen -
Guingamp
Ligue 1
Dijon -
Lille
Ligue 1
Montpellier -
Metz
Ligue 1
Straßburg -
Toulouse
Ligue 1
Troyes -
Amiens
Premier League
Chelsea -
Southampton (Delayed)
Primera División
Atletico Madrid -
Alaves
Serie A
AS Rom -
Cagliari
Premier League
Stoke -
West Ham (Delayed)
Premier League
Brighton -
Burnley (DELAYED)
Premier League
Watford -
Huddersfield (DELAYED)
Primera División
Girona -
Getafe
Eredivisie
Sparta -
Feyenoord
Serie A
Hellas Verona -
AC Mailand
Eredivisie
Alkmaar -
Ajax
First Division A
Brügge -
Anderlecht
Ligue 1
Nantes -
Angers
Serie A
Bologna -
Juventus
Serie A
Crotone -
Chievo Verona
Serie A
Florenz -
Genua
Serie A
Sampdoria -
Sassuolo
Premier League
West Bromwich -
Man United
Primera División
Celta Vigo -
Villarreal
Ligue 1
Nizza -
Bordeaux
Premier League
Bournemouth -
Liverpool
Serie A
Benevento -
SPAL
Primera División
Las Palmas -
Espanyol
Primeira Liga
Sporting -
Portimonense
Primera División
Barcelona -
La Coruna
Serie A
Atalanta -
Lazio
Ligue 1
Lyon -
Marseille
Premier League
Everton -
Swansea
Primera División
Malaga -
Real Betis
Primeira Liga
FC Porto -
Maritimo Funchal
League Cup
Arsenal -
West Ham
League Cup
Leicester -
Man City
Coppa Italia
Napoli -
Udinese
Primera División
Levante -
Leganes
Coppa Italia
AS Rom -
FC Turin
Primera División
Getafe -
Las Palmas
First Division A
Mechelen -
Brügge
Coppa Italia
Juventus -
Genua
League Cup
Chelsea -
Bournemouth
Ligue 1
Amiens -
Nantes
Ligue 1
Angers -
Dijon
Ligue 1
Bordeaux -
Montpellier
Ligue 1
Guingamp -
Saint-Etienne
Ligue 1
Lille -
Nizza
Ligue 1
Marseille -
Troyes
Ligue 1
Metz -
Strasbourg
Ligue 1
Monaco -
Rennes
Ligue 1
PSG -
Caen
Ligue 1
Toulouse -
Lyon
League Cup
Bristol City -
Man United
Indian Super League
Bengaluru -
Jamshedpur
Primera División
Eibar -
Girona
Primera División
Alaves -
Malaga
Indian Super League
Chennaiyin -
Kerala Blasters
Serie A
Chievo Verona -
Bologna
Premier League
Arsenal -
Liverpool
Serie A
Cagliari -
Florenz
A-League
Melbourne City -
Melbourne Victory
Serie A
Lazio -
Crotone
Premier League
Everton -
Chelsea
Premiership
Kilmarnock -
Rangers
Serie A
Genua -
Benevento
Serie A
Neapel -
Sampdoria
Serie A
Sassuolo -
Inter Mailand
Premier League
Man City -
Bournemouth
Championship
Sheffield Wed -
Middlesbrough
Serie A
AC Mailand -
Atalanta
Championship
Aston Villa -
Sheff Utd
Eredivisie
PSV -
Vitesse
Premier League
Leicester -
Man United
Serie A
Juventus -
Roma
Premier League
Brighton -
Watford (DELAYED)
Premier League
West Ham -
Newcastle (DELAYED)
Premier League
Swansea -
Crystal Palace (DELAYED)
Premier League
Stoke -
West Bromwich (DELAYED)
Premier League
Southampton -
Huddersfield (DELAYED)
Eredivisie
Ajax -
Willem II

Falcao entwickelte sich über die vergangenen Jahre zu einem echten Phänomen. Kein Trick schien zu schwierig, kein Abschluss unmöglich. Inzwischen hat der Pionier und unbestrittene Superstar des Futsals seine Schuhe an den Nagel gehängt. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Brasilianer seiner Sportart den Rücken gekehrt hat.

Die Fans wollten ihren Augen nicht trauen. Keiner begriff, was gerade passiert war. Es war totenstill im Coliseo Bicentenario. Das Unfassbare war passiert. Der Futsal-Zwerg Iran hatte den haushohen Favoriten Brasilien, den Rekordchampion und Titelverteidiger im WM-Achtelfinale bezwungen. Aus war der Traum vom Titel-Hattrick für die Selecao. 6:7 nach Sechsmeterschießen.

Allerdings wurde der sensationelle Sieg der Iraner recht schnell in den Hintergrund gerückt, denn alle Augen hefteten sich unwillkürlich auf einen Mann - auf Alessandro Rosa Vieira. Denn Brasiliens Niederlage war gleichbedeutend mit dem Karriereende des Spielers, der unter dem Künstlernamen Falcao die Futsal-Welt über Jahre dominiert und verzückt hatte.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Nationalmannschaft, zwei WM-Titeln und unzähligen Auszeichnungen hatte er angekündigt, nach dem Turnier in Kolumbien aufhören zu wollen. Mit einem derart jähen Ende der ruhmreichen Karriere des 39-Jährigen hätte niemand gerechnet, doch es war vorbei am frühen Abend des 21. September 2016 in Bucaramanga.

Welchen Stellenwert Falcao im Futsal besaß, sollte sich gleich zeigen. Die iranischen Spieler unterbrachen ihre eigene Siegesfeier, um die Ikone ihrer Sportart hochleben zu lassen und Falcao durch die Luft zu wirbeln.

"Fußball war zu langweilig für mich"

Falcao wurde unter dem bürgerlichen Namen Alessandro Rosa Vieira im Norden von Sao Paulo geboren. Seinen Spitznamen erhielt er von seinem Vater, der eine Berühmtheit im Amateurfußball rund um die Millionenmetropole war. Die Fans nannten ihn Falcao, weil er sie an Paulo Roberto Falcao, einen Star der 1970er und 80er erinnerte.

Alessandro bekam vom Papa den Beinamen Falcaozinho. Doch den verniedlichenden Namensanhang streifte er bald ab, so gut war er. Aus Falcaozinho wurde Falcao. Schon mit 15 spielte er Futsal für die Corinthians, in die Nationalmannschaft schaffte er es mit 17.

Über 200 Spiele absolvierte er für die Selecao, erzielte weit über 300 Tore. Bei fünf Weltmeisterschaften stand er im Kader der Brasilianer und erzielte bei diesen ungaubliche 48 Tore in 34 Spielen. 2008 und 2012 führte er seine Farben zum WM-Titel.

Über die Jahre machte sich der quirlige Flügelspieler mit der einzigartigen Technik über die Grenzen des Futsals hinaus einen Namen. So wurden auch Fußballvereine auf ihn aufmerksam. 2005 stattete ihn der FC Sao Paulo nach einigen Trainingseinheiten mit einem Vertrag über sechs Monate aus.

"Die Schule des Lebens"

Allerdings kam er nur in sechs von 21 Spielen zum Einsatz und merkte dabei, dass ihm "der Fußball zu langweilig" ist. "Es dauert mir zu lange, bis man wieder an den Ball kommt", erklärte er. Also kehrte er zum Futsal zurück. Er wechselte zu Malwee/Jaragua und konnte dort ohne Probleme an seine Leistungen der vergangenen Jahre anknüpfen.

Mit seinem neuen Team gewann er jede nur erdenkliche Trophäe. Es heißt, dass die Mehrzahl der Brasilianer nur wegen Falcao wisse, wo Jaragua do Sol überhaupt liegt.

"Der Futsal ist mein Leben. Alles, was ich heute habe, verdanke ich dem Hallenfußball. Ich habe mich schon als Kind für diese Sportart entschieden, obwohl ich durchaus auch Einladungen von Fußballklubs hatte. Dieser Sport war für mich die Schule des Lebens und ich habe meine Entscheidung nicht eine Minute bereut", erzählte er demütig.

Das Gesicht des Futsals

Trotz aller Unterschiede hat sich der Futsal in den letzten Jahren dem Fußball angenähert. Es wird ein verstärktes Augenmerk auf taktisches Verständnis, Disziplin und körperliche Fitness gelegt. Egal wie technisch versiert die Einzelspieler auch sein mögen, stimmen die übrigen Parameter nicht, wird es inzwischen für jedes Team im Futsal gegen ein gut eingespieltes Kollektiv schwer.

Brasilien musste das am eigenen Leib erfahren. Die Selecao dominierte die Iraner eigentlich nach Belieben, fing sich aber späte Gegentore aufgrund von Konzentrationsfehlern ein.

Das war bei früheren Turnieren noch anders. Seit der WM-Premiere 1989 in den Niederlanden ging der Titel fünf Mal an Brasilien und zweimal an Spanien. Vier Mal machte man den Titel direkt unter sich aus.

Die Einzelspieler beider Teams waren technisch einfach so stark, dass andere Nationen nicht mithalten konnten.

Doch 2016 bedeutete eine Zäsur. Brasilien, nach drei Siegen und sieben Falcao-Toren in der Vorrunde, scheiterte bereits im Achtelfinale, Spanien erwischte es eine Runde später gegen ein enorm starkes russisches Kollektiv, das sich erst im Endspiel Argentinien beugen musste.

Falcao wird zum YouTube-Star

Falcao ist oder war ein Vertreter der alten Schule. Futsal war für ihn immer die pure Freude. "Man muss den Zuschauern, die mit dem Hallenfußball nicht vertraut sind, zeigen, worum es hier geht. Daher müssen spektakuläre Aktionen und Spielfreude immer an erster Stelle stehen", verteidigte er seine Spielweise.

Und weiter: "Ich habe immer so gespielt wie jetzt. Auf der Straße, zu Hause, in der Schule, mit Freunden. Als ich Profi wurde, habe ich mich nicht verändert. Ich unterscheide nicht nach Spielen oder Gegnern. Wenn eine Situation einen Fallrückzieher oder einen Heber erfordert, dann führe ich ihn aus. Für mich ist es kein Unterschied, ob ich bei einer WM antrete oder ein Freundschaftsspiel bestreite."

Und wer ihn spielen sah, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

No-Look-Pässe, Rainbow-Flicks, verrückte Finten und atemberaubende Abschlüsse zeichneten sein Spiel aus. Durch seine spektakuläre Spielweise wurde Falcao zum Internet-Phänomen. Highlight-Videos knackten bei YouTube schon die 6-Millionen-Marke.

Gerade durch diese virale Aufmerksamkeit wurde Falcao zum Gesicht eines Sports, der sich immer weiter entfernt von der Spielweise seines schillerndsten Protagonisten.

Everybody's Darling

"Ich wollte in die Nationalmannschaft und viele Dinge für meinen Sport erreichen, doch dies hat fast schon groteske Ausmaße angenommen. An vielen Orten der Welt weiß man nicht, was Hallenfußball ist oder versteht nichts davon, aber der Name Falcao ist bekannt. Für mich ist es die größte Trophäe, die ich bekommen kann, als Botschafter einer Sportart zu fungieren, die heute in der ganzen Welt so beliebt ist", sagte er.

Neben seinen Verdiensten auf dem Platz, setzt er sich auch außerhalb der Hallen für den Sport ein. Seine Firma Falcao Sports beschäftigt sich mit dem Bau von Futsal-Schulen, von denen die ersten schon stehen. Für Falcao sind es Zufluchtsorte angesichts steigender Kriminalität auf den Straßen Brasiliens: "Viele entscheiden sich für den Fußball obwohl sie eine deutlich größere Chance im Futsal hätten. Diese Chance soll ihnen nicht verborgen bleiben."

Jetzt schon ein echtes Phänomen

Abgesehen von seinen Bauprojekten betreibt Falcao eine Website namens falcao12.com. Über diese Website vertreibt er Futsal-Ware wie Schuhe, Bälle oder Kleidung. Außerdem kann man dort über seine Karriere nachlesen, Videos und Fotos anschauen und eine Art "Tagebuch" von ihm lesen.

Falcao hat den Futsal geprägt wie kein anderer und einer Sportart auf seine eigene, spielerische Art zu großer Aufmerksamkeit verholfen. Er hinterlässt eine riesige Lücke, wird den Futsal aber weiter aktiv unterstützen und die Strahlkraft seines Namens zu nutzen wissen.

Und wer weiß, vielleicht hat er ja auch schon selbst für seinen Nachfolger auf dem Futsal-Thron gesorgt. "Er ist jetzt schon ein echtes Phänomen", sagt Falcao über Sohnemann Enzo. Der möglicher Weise neue Falcaozinho ist 13 Jahre alt. Lange kann es also nicht mehr dauern.

Themenwochen bei SPOX im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung