Sechsertypen - Von Pirlo bis Makelele

Klavierträger und hässliche Entlein

Von Stefan Moser
Donnerstag, 22.07.2010 | 13:35 Uhr
Im vierten Teil der Themenwoche beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Sechser-Typen
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Der Dominator - Patrick Vieira

"Ich sah Patrick Vieira zum ersten Mal gegen Monaco. Er spielte nur  45 Minuten, aber ich wusste sofort: Dieser Junge wird die Welt erobern. Er war gerade mal 17 Jahre alt, sein erstes Spiel für Cannes - und er dominierte das Mittefeld. Er ist ein unglaublicher Spieler, denn er hat alles, was man sich auf der Position im Zentrum nur erträumen kann. Ein Hüne, aber mit schnellen Beinen. Gute Technik, aber auch fantastisch im Kampf um den Ball. Sehr aggressiv, aber immer souverän und nie hektisch. Und oben drauf: Ein riesengroßes Herz. Er hat sich vor niemandem versteckt, je mehr gute Gegner er hatte, desto stärker wurde auch er."

Diese Liebeserklärung stammt von Arsene Wenger. Er holte Patrick Vieira zwei Jahre nach der ersten Begegnung zum FC Arsenal nach England - und formte aus ihm eine neue Stil-Ikone des modernen Sechsers.  Besondere Kennzeichen: die totale Dominanz, mit der der gebürtige Senegalese völlig selbstverständlich das komplette Mittelfeld regierte.

Im defensiven Zweikampf kaum zu überwinden; giftig, unnachgiebig und raffiniert in der Balleroberung, souveränes Stellungsspiel und Gefühl für den Raum. Dazu extrem ball- und passsicher sowie clever in der Spieleröffnung. Die Aura der Unantastbarkeit, die Vieira in seinen besten Jahren bei Arsenal 90 Minuten lang umgab, ist bis heute unnachahmlich. Die charakteristische Mischung aus Aggressivität und Ruhe, sein Wille, den Ball nicht nur ins Aus zu grätschen, sondern ihn selbst zu sichern und kreativ weiterzuverarbeiten, wurde zum Vorbild für eine ganze Generation von defensiven Mittelfeldspielern.

Weiterer Vertreter: Michael Essien

 

Das Metronom - Fernando Redondo

Ins kulturelle Gedächtnis von Manchester United hat sich schmerzhaft eine Szene eingebrannt, die als "Backheel of Old Trafford" auch Eingang in den englischen Sprachgebrauch gefunden hat. Real Madrid war zu Gast im Viertelfinale der Champions League im Jahr 2000.

Fernando Redondo erkämpft sich in der eigenen Hälfte den Ball und marschiert sofort die linke Auslinie entlang Richtung Tor. Auf Höhe des Sechzehners dreht er seinem Gegenspieler Henning Berg plötzlich in einer flüssigen Bewegung den Rücken zu, tunnelt ihn mit der Hacke, folgt dem Ball bis zur Grundlinie, täuscht einen Rückpass an, verzögert - und schiebt den Ball dann schnurgerade in die Mitte, wo Raul aus zwei Metern ins leere Tor schiebt. Der Siegtreffer für Real und die Erkenntnis: Manchmal ist die Vorbereitung schöner als der Treffer selbst.

Und dabei war Redondo Vorlagengeber nur im Nebenjob. Im Hauptberuf war der Argentinier für Madrid der laufstarke Stratege, Motor und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Fabio Capello sah in ihm sogar den taktisch besten und intelligentesten Spieler seiner Generation, dessen Stellungsspiel bald zur Legende wurde. "Was hat dieser Mann nur in seinen Stiefeln? Magnete?", wetterte United-Trainer Alex Ferguson nach dem verlorenen Viertelfinale. Denn wo immer ein Ball von Himmel fiel, landete er bei Redondo.

Wie von Zauberhand räumte er scheinbar mühelos vor der Abwehr auf - und hatte so noch Kraft und Muße, seinen Überschuss an fußballerischem Talent und Spielfreude auszuleben und Angriffe zu inszenieren. Die französische "L'Equipe" indes inspirierte er nach dem Champions-League-Sieg zu einer eigenen Ode an Redondo: "Mit der aufreizenden Körpersprache eines düsteren Tangotänzers, seiner trügerischen Langsamkeit und der leicht überheblichen Eleganz ist er immer da, wo er sein muss."

Weitere Vertreter: Pep Guardiola, Emerson, der späte Juan Sebastian Veron, Dietmar Hamann, Demetrio Albertini

 

Hier geht's zum ersten Teil: Klavierträger und Spielmacher

Hier geht's zum dritten Teil: Hässliches Entlein, Box-to-Box-Player, Aggressiv Leader

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