Fußball in Usbekistan

Die Schöpfer aus Taschkent

Von Andreas Lehner
Montag, 09.11.2009 | 12:06 Uhr
Das Team von Bunyodkor Taschkent im AFC-Champions-League-Halbfinale 2008 um Rivaldo
© Getty
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Vor fünf Jahren gab es Bunyodkor Taschkent noch gar nicht. Mittlerweile dominieren sie die usbekische Liga und locken die großen Stars mit noch größerem Geld. Rivaldo, Zico und Luiz Felipe Scolari folgten dem Lockruf bereits. Die Geldflüsse im autoritären Staat sind allerdings dubios, die Vereinsführung geheimnisvoll.

Beim ersten Blick auf das Vereinsemblem von Bunyodkor Taschkent muss man nicht lange überlegen, wo sich die Usbeken die nötige Inspiration geholt haben müssen. Das Wappen gleicht sowohl farblich als auch förmlich dem des FC Barcelona.

Und wenn man schon eine Leidenschaft für den katalanischen Vorzeigeklub hat, wäre es doch wunderschön, sich noch den einen oder anderen Spieler von Barca ins Team zu holen.

Also standen Xavi, Andres Iniesta, Carles Puyol und Samuel Eto'o im Sommer 2008 auf der Wunschliste Bunyodkors, das damals noch offiziell PFC Kuruwutschi hieß und seine erst zweite Saison in der usbekischen Major League spielte.

Ein schlagkräftiges Argument: Geld

Kein Wunder, immerhin wurde der Verein erst am 6. Juli 2005 gegründet und spielte sich in den vergangenen vier Jahren über die dritte und zweite Liga zu zwei Meistertiteln in Folge und ins Halbfinale der asiatischen Champions League. Im August 2008 kam dann die Namensänderung in Bunyodkor, was so viel heißt wie Schöpfer.

Bei allem sportlichen Erfolg bleibt aber trotzdem die Frage, was einen Star des FC Barcelona in die ehemalige Sowjetrepublik ziehen sollte. Die Antwort ist einfach wie gehaltvoll: Das liebe Geld.

So viel Geld, dass sich Eto'o sogar zu einer Reise nach Taschkent überreden ließ und Verhandlungen mit den Vereinsbossen führte. Am Ende lehnte der Kameruner ab, obwohl die seriöse "L'Equipe" damals von einem Handgeld von 10 Millionen Euro und einem aberwitzigen Jahresgehalt von 40 Millionen Euro berichtete.

"Ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann"

Dafür wechselte einen Monat später der frühere Weltfußballer Rivaldo von AEK Athen nach Taschkent. "Es war eine schwierige Entscheidung für mich, aber ich habe ein Angebot erhalten, das für mich und meine Familie sehr gut ist und das ich auf keinen Fall ablehnen kann", sagte Rivaldo damals. Er soll dort 10 Millionen Euro in zwei Jahren verdienen.

Auf Rivaldo folgte sein Landsmann Zico als Trainer. Nach fünf Monaten war aber schon wieder Schluss für den ehemaligen brasilianischen Weltklassespieler.

Seit Juni 2009 ist Luiz Felipe Scolari für das Team verantwortlich. Der Ex-Chelsea-Trainer unterschrieb für 18 Monate. Er sagte, er denke gar nicht daran, den Verein vor Ablauf dieser eineinhalb Jahre wieder zu verlassen. "Der ganze usbekische Fußball ist im Aufbruch. Besonders die Dynamik von Bunyodkor beeindruckt mich", wurde Scolari auf der Homepage nach seiner Vorstellung zitiert.

Woher kommt das Geld?

Womit er nicht ganz Unrecht hat. Immerhin entstehen bei Bunyodkor seit Anfang 2009 ein neues Stadion für 35.000 Zuschauer, sieben Trainingsplätze (zwei davon mit Kunstrasen), ein Reha-Zentrum, ein Hotel und ein Restaurant-Komplex. Kostenpunkt: 150 Millionen Dollar.

Bei so viel Geld ist man natürlich schnell mit dem Chelsea-, oder in Deutschland auch mit dem Hoffenheim-Vergleich bei der Hand. Aber damit täte man beiden Vereinen Unrecht. Denn die nie versiegenden Geldflüsse in Taschkent sind mehr als dubios.

Die Tochter des Diktators

Zwar sind UzGazOil und Neftgazmontaj sowie eine Reihe weiterer Energiefirmen die wichtigsten Geldgeber des Vereins, aber die Unternehmen sollen in dem autoritären Staat nicht freiwillig auf die Idee gekommen sein, ihr Geld in den noch jungen Klub zu stecken.

Der starke Mann des Vereins ist offiziell Miradil Dschalalow - im Hintergrund soll aber Gulnara Karimowa, die Tochter des Diktators Islam Karimow, die Fäden ziehen.

Die Harvard-Absolventin gilt als Nachfolgerin ihres Vaters und hat sich auch schon als Popsängerin versucht. Zum Niveau dieses musikalischen Auftritts sagte Craig Murray, ehemaliger britischer Botschafter in der usbekischen Hauptstadt Taschkent: "Bei Nero mussten auch alle klatschen, wenn er auf der Leier spielte."

Kooperation mit Barca

Soll heißen: Ihr Erfolg in den usbekischen Charts ist nicht der Qualität ihrer Songs geschuldet, sondern der stummen Gefolgschaft ihrer Landsleute. Immerhin scheint dafür das Projekt Bunyodkor besser durchdacht zu sein.

Seit längerer Zeit kooperiert der Verein mit seinem großen Vorbild FC Barcelona. Die Usbeken haben sich die katalanischen Klubstrukturen vor Ort angeschaut und ein Freunschaftsspiel gegen Barca im Camp Nou bestritten.

Auch ein Rückspiel bis spätestens 31. Januar 2010 in Taschkent wurde vereinbart. Wobei Barca nicht nur aus reiner Nächstenliebe handelt. Als Entschädigung gab es fünf Millionen Euro.

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