Fussball

Türkgücü Münchens Durchmarsch: Mit türkischer Kraft in die 2. Bundesliga

20 neue Spieler statt Feierabendfußballer

Ab der kommenden Saison arbeitet Türkgücü unter Vollprofibedingungen: sechs, sieben Trainingseinheiten pro Woche statt ein bisschen Gekicke am Abend wie bisher. "Die letztjährige Mannschaft bestand aus Feierabendfußballern, weswegen wir einen großen Umbruch vollziehen mussten", sagt Hettich. Von den Aufstiegshelden bekamen lediglich fünf einen neuen Vertrag. 20 neue Spieler sollen kommen - die meisten davon sind schon da. Die Wunschkriterien: aus der Region, mit Regionalligaerfahrung.

Hettich bediente sich bereits bei Greuther Fürth, beim FSV Zwickau, beim 1. FC Saarbrücken und auch hier und dort. Es kamen Keeper, Verteidiger, Mittelfeldspieler und Stürmer. Der prominenteste Spieler ist wohl Karl-Heinz Lappe, einst stürmte er in der 2. Bundesliga für den FC Ingolstadt. Der prominenteste Name Hasenhüttl: Patrick, Sohn von Southampton-Trainer Ralph. 22 Jahre alt und ebenfalls Stürmer. Mit Franco Flückiger kam ein ehemaliger U19-Nationalkeeper.

"Alle ablösefrei", sagt Hettich stolz. Und die meisten davon auch noch jung: in der Regionalliga müssen in jedem 18er-Kader schließlich mindestens vier deutsche U23-Spieler stehen. Bis zur vergangenen Saison hatte Türkgücü keinen einzigen. Der Altersdurchschnitt des Kaders sank von knapp 27 auf 23 Jahre.

Hettich: "Die meisten Fans haben türkische Wurzeln"

Je weiter der Altersschnitt sinkt, desto wichtiger wird Kapitän Yilmaz. 30 Jahre ist der Mittelfeldspieler alt und der einzige Spieler im Kader, der länger als ein Jahr im Verein ist. Der letzte Verbliebene der Unterföhring-Fraktion. "Es ist nicht so einfach, immer wieder neue Spieler zu integrieren und einen neuen Teamgeist heraufzubeschwören. Aber ich denke, das wird uns auch dieses Jahr gelingen", sagt Yilmaz.

Man spürt, dass ihm der Verein und seine Geschichte am Herzen liegen. "Es macht mich stolz, einen türkischen Verein anzuführen und für unsere Fans eine Identifikationsfigur zu sein", erklärt er. Ob Yilmaz unter dem neuen Trainer auch Kapitän bleiben darf, weiß er noch nicht. Aber eine Identifikationsfigur, die bleibt er ganz sicher.

"Die meisten unserer Mitglieder und Fans haben türkische Wurzeln", erklärt Hettich. "Für sie ist es natürlich auch wichtig, dass wir den einen oder anderen türkischstämmigen Spieler haben." Vorgaben, Spieler nur wegen ihrer Herkunft zu verpflichten, gibt es jedoch nicht. Yilmaz ist aktuell einer von nur drei türkischstämmigen Spielern im Kader.

Türkgücüs Zukunft: Keine Heimat, neuer Name

Zuhause ist Türkgücü an der Bezirkssportanlage im Ostpark, aber spielen darf die Mannschaft dort nicht. Der Klub stieg schneller auf, als seine Infrastruktur wuchs. In der vergangenen Saison trug Türkgücü seine Heimspiele in Heimstetten aus, einem östlichen Vorort von München. Bis zur Winterpause der nächsten Saison wird sich daran nichts ändern, dann zieht Türkgücü ins Stadion an der Grünwalder Straße um.

Dort wird es jedoch eng: obwohl die Frauenmannschaft des FC Bayern wegen Türkgücü ausziehen wird, tragen schließlich weiterhin auch 1860 München und die Reserve des FC Bayern ihre Spiele in diesem ältesten aller Münchner Stadien aus. Türkgücü erhofft sich durch den Umzug einen Anstieg des Zuschauerschnitts, der zuletzt im niedrigen dreistelligen Bereich lag.

Wie es in der Stadionfrage ab Sommer 2020 weitergeht, weiß aber keiner. Womöglich ein Neubau? Womöglich eine langfristige Zukunft im Grünwalder? Oder gar eine Rückkehr in das aktuell nicht profitaugliche Dantestadion, die alte Heimat?

Sicher ist dagegen, dass der Verein dann nicht mehr SV Türkgücü-Ataspor heißen wird, sondern nur Türkgücü München. "Der aktuelle Name ist für die Außendarstellung viel zu lange. Einmal wird Türkgücü geschrieben, einmal Ataspor, einmal Türk-Ata oder sogar Türkspor", sagt Hettich. "Der Name Türkgücü hat Tradition, ist auch über die bayerischen Grenzen hinaus bekannt." Und wird von Aufstieg zu Aufstieg noch bekannter.

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