Fussball

Fassungslosigkeit und Angst in Magdeburg

SID
Dienstag, 01.11.2011 | 14:00 Uhr
In Magdeburg ist man fassungslos ob der Ereignisse um Daniel Bauer
© Getty

Fassungslosigkeit in Magdeburg: Nach den Drohungen gegen den Regionalliga-Fußballer Daniel Bauer vor dessen Haustür herrschen bei Teamkollegen und Kluboffiziellen Angst und Entsetzen. "So etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt", sagte Mittelfeldspieler Tobias Becker. Allerdings sei dies beim 1. FC Magdeburg kein Einzelfall: "Wir wurden schon einmal beim Training von einigen Leuten bedroht."

Bereits Anfang Mai hatten sich einige Chaoten mit dem ehemaligen Trainer Wolfgang Sandhowe am Vereinsgelände ein heftiges Wortgefecht geliefert, angeblich wurden auch Drohungen ausgesprochen. Die "Fans" des einzigen Europapokalsiegers der DDR hatten sich damals für ihr Verhalten offiziell bei Trainer und Mannschaft entschuldigt.

Stürmer Denis Wolf brachte die Angst vor weiteren Übergriffen auf den Punkt: "Bei dieser Fanszene in Magdeburg ist es besser, man überlegt sich ganz genau, was man sagt. Deshalb werde ich mich nicht äußern", sagte Wolf der Bild-Zeitung. Bauer war am Donnerstagabend von zehn mit blau-weißen Sturmkappen vermummten Personen verbal bedroht worden und sah sich gezwungen, die Stadt zu verlassen.

Magdeburg bietet psychologische Hilfe an

Inwieweit sich die Bedrohung Bauers in den Köpfen der Spieler festsetzt und auswirkt, vermochte im Verein noch niemand abzuschätzen. In jedem Fall biete der Viertligist Hilfe durch einen Psychologen an, sagte Pressesprecher Stephan Lietzow. Dies sei seit Jahren schon so, unabhängig vom Fall Bauer.

Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), zeigte sich ebenfalls entsetzt. "Ich kann das gar nicht begreifen. Das sind Auswüchse des Fanverhaltens, die überhaupt nicht gesund sind. Da muss man sofort zivilrechtlich eingreifen", sagte Milkoreit, gleichzeitig auch DFB-Vizepräsident: "Das ist ein ganz spezielles Beispiel des Fanverhaltens, das ist unglaublich und absolut nicht zu tolerieren."

Neue Dimensionen der Gewalt

Milkoreit sieht in der neuen Dimension der Gewalt einen schweren Rückschlag. "Da denkt man, man hat die steigende Gewalt durch die vielen Maßnahmen langsam im Griff, und dann wird das durch so eine Aktion auf einmal völlig ins Gegenteil gekehrt. Solche Dinge haben nun überhaupt nichts mehr mit Fußball zu tun", sagte Milkoreit: "Ich hoffe, dass das ein Einzelfall war, aber vor sowas ist man natürlich nie gefeit."

Lietzow erklärte, der 1. FCM werde die Polizei in jeder Hinsicht unterstützen, "selbstverständlich im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten. Der Verein darf keine Jagd auf Personen machen." Zudem warnte er die Fans vor Selbstjustiz. Zuvor hatte die Bild-Zeitung einen Vertreter des Magdeburger Fanrats mit dem Aufruf "Wir machen Jagd auf die Vermummten" zitiert.

Auf keinen Fall pauschal verurteilen

"Die Fanszene ist hier sehr vielschichtig", sagte Lietzow. Man dürfe sie aber auf keinen Fall pauschal verurteilen. Probleme mit gewaltbereiten Fans hatte es in Magdeburg immer wieder gegeben. Auch im Anschluss an das Derby am Sonntag gegen den Halleschen FC (0:0) war es zu Auschreitungen gekommen. Es wurden mehrere Personen in Gewahrsam genommen.

Der Kontakt zu den Fangruppen, für den der Viertligist einen hauptamtlichen Fanbeauftragten angestellt hat, soll bei der Aufklärung eine tragende Rolle spielen.

Die auch vom DFB schon oft geforderte Selbstregulierung innerhalb der Szene könne, so Lietzow, einen großen Beitrag zur Identifizierung der Täter leisten. Gespräche seien noch in dieser Woche geplant.

Fangruppen distanzierten sich

Direkt nach Veröffentlichung des Falls Bauer hatten sich die organisierten Fangruppen energisch von jeglicher Form der Gewalt gegen Spieler und gegnerische Fans distanziert.

Lietzow bestätigte indes, dass es seit Bauers Freistellung am Freitag keinerlei Kontakt zum 29-Jährigen gebe, "es ist ihm freigestellt, sich zu melden, wann er will". Von einer geplanten Vertragsauflösung, wie sie Bauers Berater Henry Henning angedeutet hatte, könne aber keine Rede sein.

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