Regionalliga

VfB Lübeck am Abgrund

SID
Dienstag, 22.01.2008 | 11:53 Uhr
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Lübeck - Der VfB Lübeck steht am finanziellen Abgrund: Zum Saisonende rechnet der 89 Jahre alte Verein mit Verbindlichkeiten in Höhe von 5,2 Millionen Euro.

Außerdem ist der Club durch die Rücktritte der drei Wirtschaftsräte Ralf Dümmel, Bernd Jorkisch und Mike Enke führungslos. Der Wirtschaftsrat ist beim VfB das wichtigste Vereinsgremium.

Auslöser für die Rücktritte war eine Äußerung des VfB-Schatzmeisters Peter Reinhardt, der dem Wirtschaftsrat Versagen vorwarf: "Wie diese Experten das Ding in so kurzer Zeit an die Wand gefahren haben, dazu gehört schon wirtschaftlicher Sachverstand", hatte Reinhardt gespottet.

1,2 Miliionen Euro Soforthilfe benötigt 

Vereinspräsident Wolfgang Piest hat sich inzwischen für die Erklärung seines Schatzmeisters entschuldigt. Noch prekärer als die Turbulenzen in der Führungsetage trifft den VfB jedoch die verheerende wirtschaftliche Lage. Der zurückgetretene Wirtschaftsrat teilte mit, dass die einzige Rettung des Tabellenvorletzten der Regionalliga Nord eine Totalsanierung sei. Der VfB benötigt eine Soforthilfe in Höhe von 1,2 Millionen Euro.

Am 25. Januar will Präsident Piest das Rettungskonzept der Öffentlichkeit vorstellen. Im schlimmsten Fall droht dem Verein, der von 1995 bis 1997 und von 2002 bis 2004 in der 2. Bundesliga spielte, die Insolvenz und die sofortige Abmeldung der Mannschaft aus der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Damit könnte der VfB dem Traditionsverein 1. SC Göttingen 05 folgen. Der hatte 2003 Insolvenz angemeldet, wurde später aufgelöst und aus dem Vereinsregister gestrichen.

Kein Vertrauen ins Präsidium

"Eine Insolvenzverschleppung werde ich nicht mitmachen", erklärte Piest. Der neue Trainer Uwe Fuchs, der mit der Mannschaft in sechs Spielen noch keinen Punkt holte, bereitet das Team derzeit in einem von einem Sponsor finanzierten Trainingslager in Lara in der Türkei auf die Rückrunde vor. Spieler und Angestellte in der Geschäftsstelle warten immer noch auf die Gehälter für November und Dezember.

"Wir vertrauen dem Wirtschaftsrat. Den anderen im Präsidium nicht", sagte VfB-Kapitän Dietmar Hirsch den "Lübecker Nachrichten". Angesichts der Finanzmisere haben in der Winterpause schon neun Profis ihre Verträge aufgelöst.

Der Verein konnte sie schlichtweg nicht mehr bezahlen. Fuchs-Vorgänger Uwe Erkenbrecher, der am 15. Oktober als Trainer entlassen worden war, hatte im vergangenen Sommer einen mit 29 Spielern aufgeblähten Kader zusammengestellt, der sich später als nicht konkurrenzfähig erwies.

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