Fussball

U21-Yoga-Trainerin Stephanie Harrer im Interview: "Die haben mich angeschaut, als wäre ich ein Alien"

Stephanie Harrer ist U21-Yoga-Trainerin beim DFB.

Gibt es Spieler, die abgesehen von den Regenerationseinheiten nie freiwillig zum Yoga kommen?

Harrer: Nein, eigentlich nicht. Es gab einen wirklich zauberhaften Spieler, von dem ich niemals gedacht hätte, dass er zum Einzelunterricht kommen würde. Wirklich niemals. Ich hatte meinen Yoga-Raum mit Glastür. Plötzlich stand er davor. Ich öffnete die Tür und sagte nur verunsichert: 'Hallo?' Ich dachte, er hätte sich verlaufen. Ich fragte, wo er denn hinwolle. Er sagte: 'Zum Yoga.' Ich fragte nur: 'Was!? Bist du sicher?' Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Das war eine sehr lustige Situation.

Wie bereiten Sie sich auf ein individuelles Training mit Spieler XY vor?

Harrer: Ich frage ab, woher der Spieler kommt, wie seine Biographie aussieht, ob er Krankheiten hatte, Probleme mit den Zähnen oder Migräne. Darauf stelle ich meine Bewegungsideen individuell ein. Ich erhalte außerdem viele Informationen aus meinem engen Austausch mit dem Ärzteteam. Denn zu viel zu reden mit dem Spieler ist semioptimal. Das beansprucht den Kopf zu sehr. Ich möchte, dass die Spieler in ihren Körper kommen.

Yoga-Trainerin Harrer über typische Fußball-Übungen

Sie haben Inside Yoga weiterentwickelt und auf Fußball zugeschnitten. Was sind typische Übungen für Fußballprofis?

Harrer: Fußballer haben stets diese angespannte, leicht eingerollte Körperhaltung, weil sie eben rennen müssen. Dafür gibt es Übungen, die die Gegenbewegung ansteuern, also das Brustbein heben und den Oberkörper aufrichten. Bei den Torhütern ist die Arbeit mit den Händen, Armen und Schultergelenken natürlich auch wichtig.

Wie lange dauert der Einzelunterricht in der Regel?

Harrer: Das ist ganz unterschiedlich. Mit Atemübungen kann es bis zu 90 Minuten dauern. Es kommt darauf an, was das Trainingsziel ist.

Gibt es auch Übungen, die die Spieler ungern machen?

Harrer: Klar. Die Position, in der der hintere Oberschenkelmuskel gedehnt wird, mögen die Spieler nicht besonders. Aber sie verstehen den Nutzen und sind froh, wenn sie es gemacht haben. Es gibt auch Bewegungen, die sie besonders gern machen, weil sie merken, dass sich etwas löst.

Sie sind die einzige Frau im Trainerteam. Kommen die Spieler auch mal zu Ihnen, um sich abseits des Sportlichen den Rat einer Frau einzuholen?

Harrer: Manchmal. Eher selten. Wir haben mit Philipp Laux einen ganz hervorragenden Sportpsychologen im Team. Wegen mancher Themen kommen die Spieler schon auch mal zu mir, aber das soll intern bleiben. (lacht)

Stephanie Harrer über Pionierarbeit beim VfL Wolfsburg

Was war Ihr bisheriges Highlight bei der U21-Nationalmannschaft?

Harrer: Es gibt zwei Highlights. Ich habe mich zu Beginn schon gefragt, ob das funktionieren kann. Ich bin die einzige Frau. Klappt es, dass ich mich hier eingliedere? Funktioniert die Zusammenarbeit mit den Spielern? Deshalb war es ein Highlight für mich, dass die Chemie sofort gestimmt hat. Mein zweites Highlight ist die EM hier.

Was machen Sie nach der EM?

Harrer: Ab der kommenden Saison bin ich beim VfL Wolfsburg angestellt. Das ist Pionierarbeit, weil es für den VfL völlig neu ist. Ich werde dort nicht nur für die Profis, sondern auch für den Nachwuchsbereich zuständig sein. Je früher die Jungs mit Yoga als neuer Bewegungsidee anfangen, desto klüger können sie es in ihr Training integrieren und desto lockerer sind sie im Umgang damit.

Sie sprechen von Pionierarbeit. Wie sehr ist die Integration von Yoga im Fußball in Deutschland fortgeschritten?

Harrer: Ich habe den Eindruck, dass Yoga noch nicht so angenommen wird. Ich bin mir nicht sicher, ob das passiert - oder überhaupt passieren muss. Yoga ist ein Trainingsmodul, aber kein wahnsinnig dominantes. Das muss es auch nicht sein. Man muss respektieren, wie jeder einzelne Spieler tickt. Aus meiner Sicht sollten alle Spieler Yoga machen, aber das sollte man nicht erzwingen.

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