RB Leipzig: Jugendtrainer Tobias Nubbemeyer im Interview

"RB Leipzig hat mich sehr genau analysiert"

Donnerstag, 18.05.2017 | 09:11 Uhr
Tobias Nubbemeyer wechselt im Sommer zu RB Leipzig
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Tobias Nubbemeyer stieg mit dem Hombrucher SV in die B-Junioren-Bundesliga auf, während die Herren in der Landesliga spielen. Der 24-Jährige und seine Mannschaft halten sich dort wacker. Im Sommer geht es zu RB Leipzig als Co-Trainer der U19.

SPOX: Herr Nubbemeyer, mit 24 Jahren haben Sie schon das eine oder andere Jahr als Trainer hinter sich. Angefangen hat alles mit einer U12 bei Ihrem Heimatverein.

Tobbias Nubbemeyer: Damals spielte ich im älteren Jahrgang der B-Jugend. Unser Jugendleiter Christian Wielers fragte mich, ob ich nicht in den Trainerbereich hineinschnuppern möchte. Direkt die erste Einheit hat richtig viel Spaß gemacht, ich war gleich drin.

SPOX: Wann kam dann der Moment, an dem Sie sich sagten: Ich will mehr als das?

Nubbemeyer: Eigentlich sofort. Ich will jetzt nicht sagen, dass es Liebe auf den ersten Blick war, aber mit diesem ersten Training habe ich mich sofort wiedergefunden. Ich habe mich total gut gefühlt. Die C-Lizenz habe ich noch im ersten Jahr gemacht.

SPOX: Ein wenig später musste dann auch die Spielerkarriere in den Hintergrund treten, mit 22 Jahren war Schluss. Fehlt Ihnen der aktive Fußball nicht?

Nubbemeyer: Wenn ich Zeit hätte, würde ich definitiv noch spielen. Aber das Trainersein ist irgendwann zum Full-Time-Job geworden. Es ist jetzt nicht mehr kombinierbar, aber es fehlt mir schon. Egal welches Fußballspiel ich sehe: Ich bin zu 100 Prozent Trainer, aber das Herz wird immer Spieler bleiben.

SPOX: Neben diesem Full-Time-Job studieren Sie noch Lehramt. Wie ist das miteinander vereinbar?

Nubbemeyer: Ich gebe dem Fußball allen Platz, den er braucht. Fußball geht vor, das war schon immer so. Egal ob Schule oder Studium, ich habe es immer zurückgestellt.

SPOX: Das hat sich gelohnt. Sie spielen mit Hombruch in der Bundesliga, die erste Herrenmannschaft misst sich in der Landesliga. Nach dem Aufstieg haben Sie 20 Spieler ausgetauscht. Wie setzt sich die Mannschaft nun zusammen?

Nubbemeyer: Wir haben zwei Spieler aus Bochum bekommen. Sonst habe ich versucht, aus den regionalen Vereinen im Umkreis immer den Besten wegzuholen. Ein Großteil der Mannschaft ist weiterhin aus Landesliga- und Bezirksligaspielern zusammengesetzt worden.

SPOX: Trotzdem fand sich das Team nach derart vielen Veränderungen sehr schnell, zumal für viele Spieler es ja auch einen großen Sprung darstellt, in der Bundesliga zu spielen.

Nubbemeyer: Definitiv. Wir haben super in der Vorbereitung gearbeitet und sind sehr gut in die Saison gestartet. Diesen Start haben wir uns wirklich verdient. Wir haben aber beispielsweise keinen Fahrdienst, die Spieler sitzen teilweise stundenlang im Zug, um bei uns zu trainieren. Wir sind vier bis fünf Mal die Woche auf dem Platz, die Spieler bekommen kein Geld. Wir Trainer arbeiten auf Basis der Aufwandsentschädigung.

SPOX: Trotzdem läuft es mit derzeit Rang neun nicht so schlecht.

Nubbemeyer: Die Trainingsbeteiligung liegt bei fast 100 Prozent, es fehlt eigentlich nie jemand. Ich lege viel Wert auf die Materialien, dafür nehmen wir dann auch Geld in die Hand. Im Training brauchen wir einen Top-Standard, das ist unser täglich Brot. Mit Jens Schüler und Robin Timm habe ich zwei sehr gute Co-Trainer, so dass wir oft in Kleingruppen arbeiten. Wir möchten den Spielern viel individuelles Feedback geben.

SPOX: Andere Vereine trainieren zum Beispiel mit einem Footbonauten. Eifersüchtig?

Nubbemeyer: Wir trainieren immerhin genauso auf Kunstrasen wie Hoffenheim auch. Der Footbonaut ist natürlich toll für die Elite, allerdings schulst du da drin zum Beispiel keine Zweikampfführung. Wenn ich ihn hätte, würde ich ihn natürlich benutzen. Wir versuchen aber, die Werte ins Training zu bringen, die wir trainieren können - und das wollen wir besser machen als die anderen.

SPOX: Sie haben unter anderem ein Zertifikat vom Institut für Fußballmanagement und Praktika bei Augsburg und Hoffenheim absolviert. Woher kommt der größte Einfluss?

Nubbemeyer: Ich habe meinen eigenen Kopf, ich denke das kann jeder aus meinem Umfeld bestätigen. Ich will immer dazulernen. Dafür suche ich Trainer mit Erfahrung, die viel zu sagen haben. Ich bin an Qualität und Erfahrung interessiert, da ist es egal, ob es der A-Lizenz-Ausbilder oder jemand vom Institut ist.

SPOX: Ein konkretes Beispiel?

Nubbemeyer: Ich will niemanden aus der Masse hervorheben, denn ich konnte bis jetzt schon viele coole Persönlichkeiten kennenlernen. Wenn ich jemanden nennen müsste, dann vielleicht meinen damaligen Trainer in der ersten Mannschaft von Gievenbeck Maik Weßels und meinen ehemaligen Jugendtrainer SebastianHeinrich. Die haben mich mit meinen 17, 18, 19 Jahren positiv beeinflusst.

SPOX: Im Training setzen Sie vor allem auf Spielformen. Was ist der Hintergrund?

Nubbemeyer: Ich will eine selbstständige Mannschaft haben. Wenn man zu viele Übungsformen macht, hat man am Ende eine Mannschaft, die super ausführen kann, aber nicht handelt. Übungsformen sind auf Abspulen aus. Diese kann man gerne bis zur U13 einbauen, danach gibt es für mich hauptsächlich nur noch Entscheidungstraining. Ich arbeite in Spielformen, weil ich gute Entscheidungen haben möchte und Spieler, die diese Entscheidungen selbstständig treffen.

Seite 1: Nubbemeyer über Vorbilder, die Arbeit mit Hombruch und Trainingsprinzipien

Seite 2: Nubbemeyer über praktische Umsetzung, seine Spielidee und den Kontakt nach Leipzig

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